normal / Normalität

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helmutf-berlin
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normal / Normalität

Beitrag von helmutf-berlin » Mittwoch 10. August 2011, 12:46

In letzter Zeit habe ich mich mit den nachstehenden Fragen beschäftigt, finde jedoch keine für mich befriedigenden Antworten.

Mein Thema: normal / Normalität

Ist das NORMAL?
Das IST normal!
WAS ist normal?
Was bedeutet eigentlich normal.
Welcher Norm unterliegt Normalität.
Wer bestimmt was normal ist, das Normale.

Gibt es Unterschiede in Bezug auf Normalität in verschiedenen
- Gesellschaftsschichten
- Altersgruppen
- Kulturen

Wer oder was ist normal und
- wer bestimmt/schafft die Regeln.
- wer beurteilt was normal ist.

WAS ist nun eigentlich NORMAL?

oder

Stelle ich die falschen Fragen?

Erna
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Re: normal / Normalität

Beitrag von Erna » Mittwoch 10. August 2011, 18:45

Ja, was ist normal? Ist normal für mich, das Gleiche wie für Dich? Für den Menschen in Afrika das Gleiche wie für den Menschen am Nordpol, oder für den Opa wie für den Enkel? Für den Gläubigen wie für den Atheisten?
Wo finde ich eine Definition für "normal"?
Erna

Erna
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Re: normal / Normalität

Beitrag von Erna » Donnerstag 11. August 2011, 19:37

Roma Sczocarz aus Lodz hat als Definition für Normalität diese Beschreibung gefunden, die ich hier mitteile:

■Definition Normalität ist aus soziologischer Sicht (Soziologie) als das Selbstverständliche in einer Gesellschaft, das nicht mehr erklärt und über das nicht mehr entschieden werden muss, bezeichnet worden. Dieses Selbstverständliche betrifft soziale Normen und konkrete Verhaltensweisen von Menschen. Es wird durch Erziehung und Sozialisation vermittelt und gewährleistet Sicherheit (Handlungskompetenz) zwischen den Menschen einer Gesellschaft (Subkultur).
Soziales Verhalten, das der Vorstellung von Normalität nicht entspricht (abweichendes Verhalten), wird gesellschaftlich nur begrenzt akzeptiert (Konflikt) und in der Regel nicht geduldet (Kriminalität). Das Gleichgewicht zwischen Normalität und abweichendem Verhalten muss unter Beachtung der sozialen Verhältnisse (Schicht) jeweils speziell entwickelt werden. Dazu leisten Sozialarbeiter und Sozialpädagogen ihren fachlichen Beitrag, zum Beispiel mit der Information an Eltern, dass abweichendes Verhalten im Jugendalter eine normale Erscheinung ist und als Ausdruck der Entwicklungsprobleme von Jugendlichen gesehen werden kann.

Die Vorstellung von Normalität orientiert sich entweder an einem Ideal, an einem erwünschten Zustand, am Durchschnitt oder im Einzelfall an der Angemessenheit. Entsprechend hat man es mit unterschiedlichen Normen zu tun:

◦ideale Norm - Beispiel: Auch für behinderte Menschen ist es normal, eine eigene Wohnung zu haben;
◦statistische Norm - Beispiel: Nahezu alle Menschen verlassen das Elternhaus und wohnen selbstständig;
◦individuelle Norm - Beispiel: Der Heranwachsende möchte und kann alleine wohnen.
Gruß von Roma und von Erna

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helmutf-berlin
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Re: normal / Normalität

Beitrag von helmutf-berlin » Freitag 19. August 2011, 11:44

Den Beitrag von Roma finde ich sehr interessant. Normalität hängt von Normen – von Spielregeln - ab, die in einer Gesellschaft gelten. Diese können m.e. auch innerhalb einer Gesellschaft wieder differieren je nach Stand bzw. Gesellschaftsschicht. In unterschiedlichen Gesellschaftssystemen bilden sich auch anders geartete Werte und Normen aus. Normen/Normalität verändern und entwickeln sich auch zeitbezogen. Jede Epoche entwickelte ihre eigene Normalität, bestimmte eigene Spielregeln innerhalb denen sich das Leben in einer Gesellschaft bewegte. Wie weit sich Einzelne oder eine Gruppe innerhalb eines Systems von der Normalität entfernen kann ohne zur Rechenschaft gezogen zu werden ist eine Frage der Toleranz die in dieser Gesellschaft gepflegt wird.
Normalität ist demnach keine feste Grösse sondern bezieht sich im allgemeinen stets auf ein bestimmtes System.

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