Sarrazin statt Atomstrom

Diskussion zur Laufzeitverlängerung der AKWs
Erna
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Re: Sarrazin statt Atomstrom

Beitrag von Erna » Montag 11. Oktober 2010, 12:32

Mich hat die Fragestellung dazu gebracht zu sagen, nein, da diskutierst Du nicht mit. Atomstrom, ja danke und danach, "alle die mich kennen, wissen wie ich es meine", bedeutet für mich keine Diskussionsbasis. Genau wie der Fragebogen, der gleichzeitig verschickt wurde, für mich nicht akzeptabel war.
Das ist meine Einstellung zu einer Diskussion.
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ellen
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Re: Sarrazin statt Atomstrom

Beitrag von ellen » Dienstag 19. Oktober 2010, 13:24

Auch wenn im Augenblick die politischen Augen eher auf Stuttgart21 und die Integrationsdebatte gerichtet sind, so wird das Thema Atomenergie doch in absehbarer Zeit wieder ganz brisant werden, spätestens mit den in Kürze anstehenden Castor-Transporten. Man könnte die Zeit bis dahin nutzen und einmal eine Webseite der Bundeszentrale für politische Bildung anschauen, anlesen, querlesen ...
http://www.kernenergiedebatte.de/
"Kernkraftwerke abschalten oder Laufzeiten verlängern? Was sagen Parteien, Verbände, Bürger und Medien? Verfolgen Sie die Diskussion auf kernenergiedebatte.de!"
So wirbt die bpb, und sie hat recht. Vor allem interessant auch die aktuellen Presseauszüge zum Thema. Gelungen vor allem die Gegenüberstellung der verschiedenen Standpunkte der Parteien, Originaldokumente, Standpunkte in Europa - wie geht z.B. Großbritannien damit um, was passiert in der Wirtschaft, was machen die NGOs und welche Bürgeraktionen, alles auf der Webseite in ganz unterschiedlichen Online-Medien zu finden (ist auch interessant, was es neues gibt im Bereich Online-Medien). Ellen

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Re: Sarrazin statt Atomstrom

Beitrag von Erna » Mittwoch 20. Oktober 2010, 19:07

Als Ergänzung zu Ellens Beitrag . Gestern früh kam in den Nachrichten, dass England auf den Bau des Gezeitenkraftwerks verzichtet und dafür 8! Orte für die Erstellung neuer Kernkraftwerke sucht.
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Re: Sarrazin statt Atomstrom

Beitrag von ellen » Donnerstag 21. Oktober 2010, 13:24

Ja, genau, und da fänd' ich es spannend einmal herauszufinden, warum das so ist. Also z.B., was es mit dem Gezeitenkraftwerk auf sich hat (gibt es das schon so, dass es wirtschaftlich ist?). Nicht, dass dies ein Argument für die Kernenergie ist, aber vielelicht geht es den Briten wirtschaftlich im Augenblick wirklich schlecht, und die AKWs sind da billiger zu haben? Andererseits hat GB ja sehr schlechte Erfahrungen damit gemacht, siehe Windscale=Sellafield. Was also mag sie umtreiben? Ellen

Ralph Schneider

Re: Sarrazin statt Atomstrom

Beitrag von Ralph Schneider » Dienstag 4. Januar 2011, 21:40

Hallo zusammen.

Der letzte Beitrag ist ja nun schon eine Weile her, aber ich beteilige mich nun dennoch. Und auf den letzten Beitrag kann ich auch nicht antworten, da ich keinen Einblick habe, woher der Wind weht, warum man sich statt für ein Gezeitenkraftwerk im Vereinigten Königreich für neue AKWs ausspricht. Mag es vielleicht der neue politische Wind unter Regierungschef Cameron sein??

"Atomstrom? Ja danke!". Warum auch nicht? Beschert die Nutzung der AKWs nicht unseren Kindern in den Schulen nette Rechenaufgaben? Zum Beispiel diese: "Wenn der bekannte ägyptische Pharao Cheops vor 4550 Jahren nicht die berühmte Pyramide gebaut, sondern ein AKW vier Jahre lang betrieben hätte, dann wären neben vielen anderen Abfällen ca. 1000kg Plutonium zusammengekommen. Wie viel Plutonium wäre davon heute noch bei einer Halbwertszeit von 24110 Jahren (Plutonium 239) vorhanden?" Nun, ich will niemand auf die Folter spannen: es wären noch 877 kg. Und nach zehn Halbwertszeiten, also nach "nur" 241100 Jahren wären es immer noch ca. 1 kg, die sicher gelagert werden müssten. Plutonium sagt man aber Folgendes nach: "Bereits wenige Millionstel Gramm (Mikrogramm) können sofort, sogar nur etliche Milliardstel Gramm (Nanogramm) langfristig tödlich wirken ... ". Wer kann dazu schon nein sagen? (Quelle: http://vorort.bund.net/suedlicher-oberr ... -info.html)

Ich kann mir nicht mal bei einem absolut sicheren Endlager vorstellen, dass ab jetzt dauerhaft gewährleistet werden kann, dass nachfolgende Generationen über mehrere hunderttausend Jahre immer vererbt bekommen, auch ja schön verantwortungsvoll mit den Atommülllagerstätten umzugehen. Denn so ein Lager muss ja irgendwie auch vor der Öffentlichkeit abgeschirmt werden. Gibt es die absolut sichere menschliche Gesellschaft, die das gewährleisten kann. Ich stelle nicht mal ein Fragezeichen hinter diese Frage. Wir machen uns also aus unserer Welt ein atomares Pulverfass.
Natürlich könnte man argumentieren, dass wir eh schon genügend Atomabfall haben, da kommt es ja auf die Abfälle der kommenden paar Jahre der Verlängerung der Laufzeiten auch nicht mehr an. Und Atomkraft ist ja auch ansonsten so sauber, zukunftsträchtig und klimafreundlich. Aber vielleicht sollte man z.B. mal die Arbeiterschaft in den Uranminen fragen, wie es mit Erkrankungen aussieht. Und Uran ist genauso endlich wie fossile Energieträger. (Quelle: http://www.greenpeace-magazin.de/index.php?id=2561). Und CO2 wird auch einiges frei, der Focus redet sogar von der CO2-Lüge (Quelle: http://www.focus.de/wissen/wissenschaft ... 72528.html).

Der wirklich zukunftsträchtige Weg zeigt meines Erachtens nur in Richtung erneuerbare Energien. Wegen des Klimawandels, aber auch wegen der Endlichkeit der anderen Ausgangsstoffe (fossile Energieträger, Uran). Und mit dieser Meinung bin ich nicht allein. So sagt zum Beispiel Dr. Andreas Troge, früherer Präsident des Umweltbundesamts: "Ich bin Aussteiger weil die Verlängerung der Laufzeiten für KKW wirtschafts- und umweltpolitisch gegen die seit zwei Jahrzehnten von allen gewollte nachhaltige Entwicklung läuft." (Quelle: http://wir-sind-aussteiger.de) Wenn sich Deutschland und Europa entsprechend platzieren, werden wir nicht nur Vorreiter des Klimaschutzes sein, um den Ausstoß von Treibhausgasen zu verringern, sondern auch für wirtschaftliche Stabilität sorgen, siehe z.B. die Grafik auf S. 5 dieser Publikation des Bundesumweltministeriums (http://www.bmu.de/files/pdfs/allgemein/ ... enz_bf.pdf) oder durch die Weiterentwicklung und den Verkauf von Windkraftanlagen sowie anderen Anlagen im Zusammenhang der Nutzung regenerativer Energien. Freilich ist auch hier auf Ökologie zu achten. Nicht jedes Wasser- oder Windkraftwerk ist per se umweltfreundlich. Sei es, weil ein Wasserkraftwerk einen Flusslauf verändert oder weil eine Windanlage in eine Vogelfluglinie gebaut wird. Und so mancher wird auch bemängeln, dass auf historischen Dächern eine Solaranlage einfach nicht gut aussieht. Aber hier ist der aufmerksame Bürger weiterhin gefragt, ebenso Umweltschutzverbände.

Übrigens: den Schritt zu einer nachhaltigen Energieversorgung kann man auch ganz persönlich vorantreiben, indem man von einem Lieferanten konventionellen Stroms zu einem ökologischen Stroms wechselt. Tipps dazu gibt es hier: http://www.atomausstieg-selber-machen.de - i.d.R. übernimmt der neue Versorger alle Formalitäten. Ökologischer Strom ist zwar einen Tick teurer, aber 1. sollte man bei sich zu Hause auch darauf achten, etwas sparsamer mit Energie umzugehen, dann lässt sich auch der Geldbeutel schonen und 2. liegt es in der Natur der Dinge, dass Umweltschutz heute etwas kostet, sich aber in Zukunft auszahlt, so wird z.B. die Bekämpfung des Klimawandels mit 1% des Bruttosozialprodukts beziffert, Kosten aufgrund Schäden durch den Klimawandel können aber bei 10-20% des Bruttosozialprodukts liegen. (Siehe Folie 12 dieses Vortrags: http://www.kreis-stormarn.de/aktuelles/ ... schen1.pdf) Wer das wohl zu zahlen hat? Wir können ja die Kinder fragen, die schon die Plutoniumrechenaufgabe zu lösen hatten. Und vielleicht können sie auch gleich noch ausrechnen, was die sichere Endlagerung kostet, wenn sie über tausende von Jahren betrieben werden muss.

Schönen Gruß,
Ralph

Horst Glameyer
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Re: Sarrazin statt Atomstrom

Beitrag von Horst Glameyer » Mittwoch 5. Januar 2011, 20:19

Lieber Ralph,
wer möchte oder könnte auch nur deinen Ausführungen über AKWs widersprechen? Um sogleich Missverständnissen vorzubeugen, die folgenden Zeilen sind ironisch gemeint.
Du schreibst, dass bei einer Halbwertzeit von 24110 Jahren (Plutonium 239) immerhin 877 kg von ursprünglich 1000 kg Plutonium noch strahlen werden. Das ist zwar grauenvoll, aber da bereits jetzt viele Bakterien und sonstige Krankheitserreger gegen Antibiotika resistent geworden sind, werden in über 24000 Jahren vermutlich die meisten Lebewesen einschließlich der Menschen, sofern sie noch vorhanden sind, längst strahlenresistent sein. Vielleicht hat der Klimawandel auf eine Hitzewelle eine Eiszeit folgen lassen, deren Gletscher die radioaktiven Endlager mit meterhohem Eis bedecken. Also kein Grund zu übertriebener Sorge. :lol:
Außerdem hat sowohl die Bundeskanzlerin als auch ihr Bundesumweltminister wiederholt versichert, die Kernenergie sei nur eine „Brückentechnologie“. Wir sollten ihnen vertrauen, zumal die Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke unserem stark verschuldeten Staat große Einnahmen beschert, die er u.a. dringend benötigt, um die Entfernung und sichere Lagerung der Fässer mit mittelradioaktivem Atommüll aus der Asse bezahlen zu können. Vielleicht spenden die Konzerne für die Laufzeitverlängerung ihrer AKWs auch noch ein wenig den politischen Parteien, die vor den vielen Wahlen in diesem Jahr für jeden Cent gewiss dankbar sein werden. :roll:
Schließlich steht am Ende der „Brücke“ doch eine umweltfreundliche Energie, und bis dahin werden unsere Lichter bestimmt nicht ausgehen!
Was sind schon 24000 Jahre? Sicher haben in dieser Zeit unsere sowie amerikanische, russische, chinesische, indische, pakistanische, nordkoreanische, iranische oder israelische Ingenieure Lösungen für die Endlagerung des Atommülls gefunden, und sei es auf dem Mond oder einem entfernteren Planeten. Sind wir doch in der glücklichen Lage, nach dem jüngsten Startabkommen zwischen den USA und Russland nicht einmal Atomsprengköpfe entsorgen zu müssen, weil wir gar keine besitzen! Ist das allein nicht ein Grund, unsere Kernenergieprobleme viel positiver zu sehen?
Schöne Grüße
Horst

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