Thema Bildung und Zukunft

Die gemeinsam während dem Seminar erarbeiteten Thesen stehen im ViLE-Forum zur Diskussion!
Themenbereiche sind: Zukunftsaufgabe älterer Menschen und Thesen zu verschiedenen Themenfeldern
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Markus
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Thema Bildung und Zukunft

Beitrag von Markus » Donnerstag 6. Mai 2010, 14:32

Bildung ist die beste Investition für die Zukunft
Bildung hilft uns, wesentliche Werte u. Bewährtes zu entdecken und zu bewahren
Bildung verpflichtet uns Ältere, besonders die nachhaltigen Werte weiter zu geben.
Bleibt die Frage übrig, wie erreichen wir die Desinteressierten?

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Carmen Stadelhofer
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Re: Thema Bildung und Zukunft

Beitrag von Carmen Stadelhofer » Donnerstag 6. Mai 2010, 21:58

"Bildung ist die beste Investition in die Zukunft" - könnt ihr das bitte noch mal erläutern, was ihr damit gemeint habt, so ist es doch eine recht pauschale Aussage.
Was versteht ihr unter "Bildung" bzw. welche Aneignungsformen, Inhalte , Einstellungen sind damit gemeint.
und für welche "Zukunft"? Habt ihr da eine Vorstellung/Vision, die handlungsleitend sein könnte?
Danke für die Anregung zum Nachdenken und Diskutieren, Carmen

Horst Glameyer
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Re: Thema Bildung und Zukunft

Beitrag von Horst Glameyer » Freitag 7. Mai 2010, 12:48

„Bildung ist die beste Investition in die Zukunft“ ist eine griffige Behauptung und durchaus einleuchtend. Was aber verstehen wir unter Bildung?
Schulbildung, Hochschulbildung, Erwerb von Wissen aller Art, das sich vor allem praktisch anwenden lässt; denn es stellt die „beste Investition“ dar. Hier kommt die Wirtschaft ins Spiel. Ich kann Geld, aber auch beruflich verwertbare Kenntnisse und Fähigkeiten investieren, und ganz selbstverständlich sollen sich diese Investitionen im harten Wettbewerb (auf dem Arbeitsmarkt, den Finanzmärkten und sonstigen Märkten) in der Zukunft auszahlen, d.h. Rendite in Euro und Cent bringen. Auf jeden Fall soll auch mit der Bildungsinvestition ein messbarer Gewinn erwirtschaftet werden, nach dem Motto „Kein Preis ohne Fleiß!“.
Wie ist es jedoch um die Herzensbildung bestellt?
Hilfsbereitschaft, Fürsorge, Nachbarschaft, Kollegialität, alles ohne Gewinnabsicht und völlig unökonomisch. Auch der „Ungebildete“ kann diese unwirtschaftliche Herzensbildung entwickeln und anwenden. Ist sie keine oder nur eine geringwertige Investition in die Zukunft?
Bei allem bildungs- und gewinnbringendem sowie wettbewerbsorientiertem Erfolgsstreben laufen wir Gefahr, das Wesentliche, die Herzensbildung, aus dem Blick zu verlieren. In sie zu „investieren“, kann in der Zukunft am lebenswichtigsten sein.
Horst

HildegardN
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Re: Thema Bildung und Zukunft

Beitrag von HildegardN » Sonntag 9. Mai 2010, 14:37

Bildung ist einer der wichtigsten Wegweiser und Begleiter auf unserem Lebensweg und setzt Aufgeschlossenheit und Interesse voraus. Bildung beeinflusst unser Hier und Heute und wirkt über unsere Lebenszeit hinaus in die Zukunft.-
Ist Bildung nur Selbstzweck, eine Investition zur Befriedigung der eigenen Interessen und Bedürfnisse, z.B. berufliche Fortentwicklung, Erwerbsstreben, Erfolg und materieller Gewinn? Nein, Bildung kann viel mehr!
Ich will hier ein Beispiel aus meinem persönlichen Erleben aufgreifen.
Als ich - gut siebzig-jährig - zögerte, mich mit dem Internet zu beschäftigen, ermahnte mich ein Studienkollege (ebenfalls im Seniorenalter), doch an meine Verantwortung für die jüngeren Generationen zu denken. "Was sollen die Jungen", so argumentierte er sinngemäß, "von uns Alten denken, wenn sie sehen, dass wir die Teilnahme an der technischen Entwicklung verweigern, uns den Erfordernissen der Zeit entziehen. Sie müssen ja glauben, dass man im Alter nicht mehr lernen, nicht mehr aktiv mitmachen kann!"
Seitdem denke ich oft an meine Verantwortung, die auch eine Vorbildfunktion einschließen kann - und investiere in die Zukunft, indem ich lerne, mich bilde und die Ergebnisse auch umsetze.
Hildegard

Erna
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Re: Thema Bildung und Zukunft

Beitrag von Erna » Sonntag 9. Mai 2010, 18:38

Eigentlich wollte ich nur einmal im Lexikon der Soziologie nachsehen, wie dort Bildung definiert wird und fand folgende Begriffe für Bildung a. geistesgeschichtlich - die Herausarbeitung des inneren Vermögen und der Menschlichkeit, b.in der neueren Pädagogik - Selbstbestimmung und Selbstverwirklichung,-C.soziologisch - die Entwicklundes Kindes und Jugendlichen zu individueller Handlungsfähigkeit und sozialer kKompetenz.
Daneben fand ich die Wörter :Polytechnísche Bildung (in den soz. Staaten),Bildungsaufwand, Bildungsbeteiligung, Bildungsbiographie, Bildungsbürgertum, Bildungschancen, Bildungsforschung, Bildungsgeographie, Bildungsinvestitution, Bildungskapital, Bildungsnachfrage, Bildungsökonomie, Bildungsplanung, Bildungsprivileg, Bildungsproduktion, Bildungreserven, Bildungssoziologie, Bildungsstruktur, Bildungssystem, Bildungstechnologie und endlich Herrschaftswissen.
War sehr interessant, denn dies fließt ja alles in Bildung hinein.
Erna
Bin ich jetzt etwas gebildeter?

Dietmann-Beckert

Re: Thema Bildung und Zukunft

Beitrag von Dietmann-Beckert » Mittwoch 12. Mai 2010, 19:43

Für mich ist "Bildung" zunächst ein abstrakter Begriff. Ich möchte mich verbal nähern: Ich bilde mich - ich bin gebildet. Zunächst, wie bilde ich mich? Ich bin neugierig, ich bleibe wachsam offen für alles auch für mir Unbekanntes. Dann denke ich, dass ich auch hartnäckig und ausdauernd an einem Problem bleiben muss. ViLE bietet "Forschendes Lernen". Das ist ein Weg, um mich zu bilden - gebildet zu werden. Meine Bildung ist nie abgeschlossen, ich muss weiter suchen. Zur Herzensbildung, die Horst mit Recht so wichtig ist, meine ich, gehört das Offensein für meine Mitmenschen. Das kann ganz einfach bedeuten, dass ich meiner Umgebung ein Lächeln schenke. Und dazu gehört in der Tat kein abgeschlossenes Studium. :)

HildegardN
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Re: Thema Bildung und Zukunft

Beitrag von HildegardN » Donnerstag 13. Mai 2010, 11:24

Markus fragt in seinem einleitenden Beitrag vom 6.Mai "Wie erreichen wir die Desinteressierten?"
Meine sehr pauschale Antwort lautet: "Indem wie sie motivieren." Es ist allerdings kaum damit getan, werblich auf die Möglichkeiten, Vorteile oder gar die Notwendigkeit der Bildung hinzuweisen. 'Motivieren' erfordert hier mehr, vor allem
- die eigene Überzeugung rüber
bringen/vertreten,
- die persönlichen Möglichkeiten der
Einzelnen (psychisch und physisch) und
auch ihre Neigungen zu berücksichtigen,
- die Desinteressierten, aber auch die
Zögernden bzw. Unsicheren beraten und
tatkräftig unterstützen, evtl.
auch "mitnehmen" auf dem Weg zur
Bildung.
Hildegard

Dietmann-Beckert

Re: Thema Bildung und Zukunft

Beitrag von Dietmann-Beckert » Freitag 14. Mai 2010, 16:06

Liebe Hildegard, Deine Antwort ist in der Tat sehr pauschal, was übrigens auch für Markus' gilt. Ich bin dafür, ganz konkret zu bleiben. Also meine Frage: Wer sind die "Einzelnen" , die "Desinteressierten" ? Wann soll "Bildung" beginnen? Ich antworte: "Natürlich in der Schule. Deshalb darf der STAAT nicht, wie aktuell wieder einmal von bestimmten Leuten gefordert, nicht an Schule, Erziehung und Bildung sparen. Glücklicherweise hat es bereits Widerspruch gegeben. In unseren Schulen dürfen nicht die jungen Menschen klassifiziert und selektiert werden, ehe ihnen die Möglichkeit gegeben wurde, ihre spezifischen Möglichkeiten auszuprobieren. Das ist jetzt wieder Theorie. Deshalb müssen, um praktisch zu bleiben, mehr Lehrer eingestellt werden und der Klassenteiler bei maximal 20 Schülern liegen. Ich wünsche mir enthusiastische, nicht überforderte, müde Lehrer. Was können wir Alten dafür tun?

christa.wuertz

Re: Thema Bildung und Zukunft

Beitrag von christa.wuertz » Samstag 15. Mai 2010, 11:41

Liebe Erdmuthe, grundsätzlich stimme ich zu, was die Klassengröße betrifft. Die Voraussetzungen für gerechtere Bildungschancen liegen aber schon im Kleinkindalter. Viele Eltern sind aber auch mit der Erziehung ihrer Eltern überfordert. Sie sind unsicher, was richtige Erziehung ist. In manchen Familien wird nicht einmal mehr richtig gekocht, wie ich so durch Gespräche erfahren habe. Wir brauchen also dringend Ganztagsbetreuung und Hilfestellung für die Eltern. In der Schule ist es fast zu spät. Die Schule kann die Defizite kaum ausgleichen.
Dagegen bieten die Bildungsbürger alles mögliche an Förderung ihren Kindern. Es sind noch viele Fakten, die zu berücksichtigen sind. Aber alles der Schule zu überlassen macht es den Eltern doch sehr einfach. Christa

Dietmann-Beckert

Re: Thema Bildung und Zukunft

Beitrag von Dietmann-Beckert » Samstag 15. Mai 2010, 20:21

Ja, liebe Christa, Du hast recht, in der Familie wird der Grundstein für jede Bildung gelegt. Leider kenne ich auch Familien, die nicht in der Lage sind, ihre Kinder zu fördern. Ich bezweifle, dass die dann von der Schule erwarten, den Mangel auszugleichen. Ich bin auch dafür, dass alle Kinder in den Kindergarten gehen und auch dort zu Mittag essen können. Selbstverständlich ist die ausgebaute Ganztagsschule notwendig. Ich wundere mich immer wieder, dass dann als Gegenargument die Familie als wichtigste Instanz hervorgehoben wird, obwohl jeder der wach durch die Welt geht, weiß, dass es nur noch in einem Bruchteil unserer Gesellschaft intakte Familien gibt. Dennoch vertrete ich die Meinung, dass die große Aufteilung am Ende des vierten Schuljahrs falsch ist. Kürzlich sagte mir jemand: "Aber dann gibt es keine Elite mehr." Die Elite, wenn sie es wirklich ist, wird sich durch längeres gemeinsames Lernen nicht verhindern lassen. Davon bin ich überzeugt. Erdmute

christa.wuertz

Re: Thema Bildung und Zukunft

Beitrag von christa.wuertz » Sonntag 16. Mai 2010, 10:50

Hallo, liebe Erdmute, danke für die Reaktion auf meinen Beitrag. Fast in allem stimme ich mit Dir überein, nur nicht, was die Trennung nach der 4. Klasse betrifft. Ich bin grundsätzlich dafür, denn eigentlich werden in der Grundschule mehr die schwachen als die begabten Kinder gefördert. Bei Rechen- oder Rechtschreibschwäche wird gefördert - beinahe wünschte man sich den "Nürnberger Trichter" -während sich die begabten Kinder langweilen. Das ist doch ungerecht. Deshalb gibt es in Baden-Württemberg Schulen, die Kurse für "Mathefüchse" anbieten. Aus Überzeugung habe ich mit meinem Elternvertreter diesen Unterricht durchgesetzt. Fazit: Die Kinder sind begeistert. Ich freue mit auf eine weiterführende Antwort. Schönen Sonntag. Christa

Horst Glameyer
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Re: Thema Bildung und Zukunft

Beitrag von Horst Glameyer » Sonntag 16. Mai 2010, 12:25

Zweifellos eröffnet eine gute Bildung Zukunftsperspektiven, vor allem in beruflicher und finanzieller Hinsicht. Dabei wird jedoch gern übersehen, dass „Beziehungen“ mindestens ebenso wichtig, wenn nicht noch wichtiger sind. Häufig werden sie bereits in der Kindheit geknüpft, reichen bis in studentische Verbindungen und weit darüber hinaus. Begabung allein hat es mitunter schwer, sich durchzusetzen, wenn es an hilfreichen Beziehungen fehlt. Beziehungen sind grundsätzlich nichts Schlechtes, vielmehr sind sie lebenswichtig; denn wir sind auf gegenseitige Hilfe angewiesen. Aber sie können auch schon frühzeitig ein Geflecht oder Netzwerk bilden, das nur wenigen offen steht.
Sehr deutlich macht das Franz Josef Degenhardt in seinem bekannten Lied: „Spiel nicht mit den Schmuddelkindern, sing nicht ihre Lieder. Geh doch in die Oberstadt, mach's wie deine Brüder.“
In der Grundschule, 1935 noch Volksschule genannt, wies mir der Klassenlehrer gleich einen Platz neben einem Mitschüler an, dessen Vater Lotse und in unserer Hafenstadt, wie alle Lotsen, sehr angesehen war. Auch fiel mir auf, dass er am Schluss des Unterrichts gelegentlich einige Mitschüler bat, ihre Väter (Ärzte, Lotsen usw.) von ihm grüßen zu lassen. Gegenüber Arbeiterkindern sprach er diese Bitte niemals aus. Natürlich erfolgte seinerzeit nach vier Jahren der Wechsel zu den verschiedenen Schularten mit den unvermeidlichen Abgrenzungen (s. Franz Josef Degenhardt). Ob sie sich überhaupt verhindern lassen? Dennoch sollten wir uns stets bewusst bleiben, dass wir auf das Miteinander aller angewiesen sind, um ein erfülltes Leben führen zu können.
Horst

Erna
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Re: Thema Bildung und Zukunft

Beitrag von Erna » Sonntag 16. Mai 2010, 17:16

Gerade habe ich mir die Beiträge nacheinander durchgelesen und kann ihnen nur bedingt zustimmen.
Für mich stellt sich die Frage, helfen wir unser Gesellschaft, in dem wir die Eltern möglich schnell von der Verantwortung für ihre Kinder entlasten und sie in Kinderkrippen unterbringen? Wäre es nicht besser sie , die Eltern, selber für eine bestimmte Zeit, wenn sie das erste Mal Eltern werden zu begleiten, da wo es nötig ist? Um sie sicher zu machen in ihrem Tun!
D. h. nicht, dass ich gegen Krippen oder gar gegen Kindergärten bin, aber das Wichtigste ist doch die Bindung in die Familie und die Verantwortung füreinander.
Erna

Beate

Re: Thema Bildung und Zukunft

Beitrag von Beate » Sonntag 16. Mai 2010, 18:06

Wie können wir selbst aktiv werden? Dazu fällt mir ein Zitat des Gehirnforschers Prof. Spitzer ein:
Großeltern gehören nicht auf ein Kreuzfahrtschiff sondern zu ihren Enkeln, um sie zu fördern, mit ihnen zu spielen, mit ihnen zu lernen, ihnen vorzulesen, ihnen die Natur näher zu bringen etc.
Da sicherlich einige von uns Großeltern sind, können wir selbst aktiv werden und bei sehr kleinen Kindern schon eine Grundlage für Bildung legen. Voraussetzung ist natürlich, dass zwischen uns und den Enkeln keine riesigen Entfernungen liegen, was wohl leider bei einigen der Fall ist.

Dietmann-Beckert

Re: Thema Bildung und Zukunft

Beitrag von Dietmann-Beckert » Dienstag 18. Mai 2010, 16:13

Liebe MitdiskutantInnen, liebe Christa, Eltern und Großeltern werden doch nicht ausgeschlossen, wenn ich für einen verbindlichen Ganztageskindergarten bin. Der ist deshalb sehr nötig, weil viele Eltern eben nichts für die Bildung ihrer Kinder tun können. Darum bin ich dafür, dass der Staat sich nicht aus der so wichtigen Aufgabe der Erziehung und Bildung heraushält. Aus Untersuchungen weiss man inzwischen, dass ohne staatliche Förderung ein Heer von Schulabbrechern und zukünftigen Sozialhilfeempfängern unausweichlich sein wird. (Abgesehen davon werden zukünfitig Facharbeiter gebraucht.) Die Eltern, die es sich leisten können, schicken schon längst ihren Nachwuchs auf Privatschulen nicht nur, um eines angeblich besseren Unterrichts willen, sondern auch weil sie nicht dazu beitragen wollen, dass die Integration der vielen Menschen, die zu uns gekommen sind, aktiv, nämlich bereits in der staatlichen Schule gefördert wird. Ich plädiere deshalb immer wieder für mehr Lehrer und eine bessere Ausstattung der Schulen. In Hessen wurde heute der Hochschulpakt geschlossen, der auch Kürzungen im Bereich der Hochschulen (und damit dem Bildungsbereich) beinhaltet, leider. Erdmute

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