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Operation Naked

Verfasst: Dienstag 1. März 2016, 21:17
von Markus
Hallo Alle, der Filmbeitrag des ZDF "Operation Naked" hat mich gefesselt.
Gut erzählt geht es in einer Mischung aus fikiver Dokumentation und Schnipsel-Story (Mockumentary) um das Thema Datenschutz und Privatsphäre. Im Mittelpunkt steht dabei die Einführung einer "Datenbrille mit Gesichtserkennungs-Software". Fragen des Datenschutz und der Privatsphäre werden dabei auf unseren Alltag herunter gebrochen und in einen gesellschaftspolitischen Kontext gestellt.

Hier kommt man zur Mediathek:
http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/ ... tion-Naked

Mehr Infos zu dem Film unter
http://www.zdf.de/ZDF/zdfportal/program ... 63189cde32

Vielleicht habt Ihr Lust nach dem Film Euch hier im ViLE-Forum darüber auszutauschen.
lieben Gruß Markus

Kurzbeschreibung
Michelle Spark kann sich keine Gesichter merken. Mit Hilfe einer neuartigen Datenbrille will sie ihr Defizit ausgleichen und löst dabei eine Katastrophe aus. Durch die Nutzung der Brille gelangen sehr private Geheimnisse eines Bürgers an die Öffentlichkeit, was schwere Folgen für ihn hat. Die gesellschaftliche Sprengkraft der neuen Technologie wird deutlich: Die anfängliche Begeisterung schlägt um in radikale Ablehnung.
Zu fundamental sind die Veränderungen im Alltag, die die neue Transparenz mit sich bringt, zu groß die Herausforderungen für Politik, Bürokratie und den Rechtsstaat.
"Operation Naked" ist ein Mockumentary über die revolutionären Auswirkungen, die eine Datenbrille mit Gesichtserkennungs-Software auf unseren Alltag und auf unsere Gesellschaft haben kann. Auch in der Realität arbeiten Internet-Konzerne und Start-Ups längst an solchen Gesichtserkennungstechnologien, an Computerbrillen und an Big-Data-Algorithmen, mit denen dieses Zukunfts-Szenario möglich sein wird.
Mit "Operation Naked" betritt Regisseur und Autor Mario Sixtus formal neue Wege: Der Film wird ausschließlich mit speziell dafür produzierten Ausschnitten aus rund 15 ZDF-Formaten erzählt, die sich zu einem spannenden Drama zusammenfügen. Die dafür notwendigen Szenen wurden gemeinsam mit den jeweiligen ZDF-Moderatoren und Sendungsverantwortlichen eigens gedreht. (Quelle: ZDF)

Re: Operation Naked

Verfasst: Dienstag 1. März 2016, 21:33
von Markus
Ich finde die Möglichkeiten faszinierend, die diese (fast fiktive) Brille mit sich bringt. Mir erging es beim Sehen so, dass ich manchmal dachte: toll was die Brille kann, die will ich auch. Und dann war ich über die Konsequenzen doch sehr erschrocken, andererseits waren die Menschen, die dagegen waren, auch oft mit falschen Argumenten unterwegs. Am Ende wusste ich irgendwie nicht mehr, ob ich wirklich dafür oder dagegen sein sollte. Wie erging es Euch?

Re: Operation Naked

Verfasst: Mittwoch 2. März 2016, 13:45
von helmutf-berlin
Beim Anschauen dieses Videos hatte ich immer wieder sehr zwiespältige Gefühle. Einerseits toll was Technik eventuell möglich machen kann, andererseits erschreckend, wenn so etwas verwirklicht werden könnte. Möchte ich überhaupt so viele intime Details über alle möglichen Menschen kennen und wie würde sich mein Verhalten gegenüber Bekannten, Freunden und auch Verwandten ändern wenn ich plötzlich über ihr intimstes Privatleben genau Bescheid wüsste und andere natürlich auch über mich. Das wirft die Frage auf wie weit Technik wirklich gehen darf und ob alle sich bietenden Fortschritte auch genutzt werden sollten und dürften.
In diesem Videospiel wird unter anderem auch gezeigt was passieren kann, wenn aus Überzeugung Fanatismus wird.
Helmut.

Re: Operation Naked

Verfasst: Mittwoch 2. März 2016, 17:30
von Erna
Ich habe mir den Film angesehen und war sehr erschrocken. Nicht so sehr weil ich befürchte irgend welche Dinge könnten mich belasten, als deswegen, was andere Menschen damit machen könnten. Ein Ereignis verändert sich doch je nachdem von wem es betrachtet wird, siehe Zeugenaussagen. Es gibt daneben Dinge, die nur mich etwas angehen und sonst keinen. Den Film muss ich erst einmal verdauen.
Erna

Re: Operation Naked

Verfasst: Mittwoch 2. März 2016, 23:34
von Brigitte Höfer
Ein Mockumentary ist keine Dokumentation. Mockumentary ist ein Filmgenre und die Bezeichnung für einen fiktionalen Dokumentarfilm, der einen echten Dokumentarfilm oder das ganze Genre parodiert.Diese Brille gibt es nicht und wird es so auch nicht geben. Und dieser Film ist schlecht gemacht und feiert seine eigene Langeweile. Ich hatte Mühe, aufmerksam zu bleiben.Das Verbot durch die Polizei und der Auftritt des Ministers erwecken einen Anschein von Realität, aber die Sache selbst ist absolut überzogen: ich glaube nicht, dass irgendein Datenträger, sei es Telefon oder Brille selbst mit Gesichtserkennung in der Lage ist, in Null Komma Nichts Name, Alter, Beruf und was sonst noch aufzulisten. Da wird der Technik etwas angedichtet, was sie so nicht halten kann. Und auf der anderen Seite wird den Menschen, die eh schon Angst vor den technischen Geräten haben, die Gefährlichkeit dieser Technik suggeriert.

Da fand ich den Roman Circle von Dave Eggers noch besser. Auch in diesem Roman wird die Fähigkeit der Technik überzeichnet, aber es wird auch gezeigt, was den Menschen ausmacht: seine Leichtgläubigkeit und sein Fanatismus.

Brigitte

Re: Operation Naked

Verfasst: Donnerstag 3. März 2016, 19:49
von Erna
Im Gegensatz zu dir, liebe Brigitte, fand ich den Film gut. Vor allem deswegen, weil er immer wieder, durch den Einsatz von Personen, die wir aufgrund ihrer Tätigkeit im realen Leben kennen, die Fiktion der Wahrheit verstärkte. Ich muss gar nicht annehmen, dass alles so eintreffen könnte, wie es beschrieben wird, so reicht mir schon, dass wenn ich zum Beispiel zu Amazon gehe, sofort mein Name mit allem was zu einem Kauf gehört, erscheint. Ich bin sehr froh, dass Amazon nicht meine Gedanken lesen kann, obwohl es ja bei den Angeboten, die es macht, in diese Richtung zu gehen versucht.
Erna

Re: Operation Naked

Verfasst: Freitag 4. März 2016, 13:15
von helmutf-berlin
Sag niemals nie. Vor rund 50 Jahren war der Begriff Computer im Allgemeinen völlig unbekannt. Die Firma IBM hatte Großrechner entwickelt, die so teuer waren, dass sie nur vermietet wurden. Nur IBM selbst konnte diese Maschinen warten. Die Prognose von IBM ging dahin, dass maximal zwei Dutzend Universitäten in der Lage seien, diese Maschinen zu bedienen und sich auch finanziell leisten zu können. Zur Unterbringung solcher Rechner wurden an den Universitäten recht große Gebäude extra errichtet. Die Weiterentwicklung ging jedoch rasant vonstatten und in den 1970er Jahren konnten viele Firmen, darunter auch mittelständische Unternehmen, kleinere IBM Rechner mieten. Diese Rechner hatten ein Ausmaß von 2-3 heutigen freistehenden Kühlschränken. Im Büro des Unternehmens, bei dem ich arbeitete tauchte 1970 oder 1971 die erste elektronische Rechenmaschine auf. Dieses Gerät so groß wie eine mechanische Büroschreibmaschine konnte die vier Grundrechenarten und Wurzel ziehen, das aber mit rasanter Geschwindigkeit gegenüber der mechanischen Maschinen. Jeder Scheckkartenrechner wäre diesem Gerät heute haushoch überlegen. Das Wort Chip existierte noch nicht und ein Computerfachmann hätte mit einem Chip der heutigen Generation absolut nichts anfangen können. Die Firma IBM hatte zwar Kleinrechner entwickelt, sah darin aber keine großen geschäftlichen Möglichkeiten, da man sich nicht vorstellen konnte das Privatanwender sich solch ein Ding kaufen würden. Daher wurden die Patente freigegeben, was letztlich zum rasanten Aufstieg des PCs führte.
Dies alles hätte sich in den 1960er Jahren niemand wirklich vorstellen können, ganz zu schweigen von dem, wozu die IT-Industrie heutzutage schon in der Lage ist. Ich habe zwar noch keine Cyberbrille getragen, mit diesem Gerät soll angeblich die Möglichkeit bestehen die virtuelle und reale Welt miteinander zu verknüpfen. Wohin das eines Tages führt, können wir, die von der IT Technik nur wenig Ahnung haben, nur ahnen und gegebenenfalls befürchten. Wir gehen heute mit Geräten um, die wir vor 50 Jahren nicht für möglich gehalten hätten und nun eine Selbverständlichkeit sind. Die Technik auch die IT Technik entwickelt sich immer weiter und vielleicht werden schon unsere Urenkel über unsere Rückständigkeit lächeln. Ob das alles begrüßenswert ist, steht auf einem ganz anderen Blatt.
Helmut.

Zur technischen Realisierbarkeit der Datenbrille

Verfasst: Sonntag 6. März 2016, 15:53
von Markus
Hier möchte ich mich nur mit der Frage der technischen Realisierbarkeit der Datenbrille auseinandersetzen:
Google hat schon vor zwei Jahren eine entsprechende Brille herausgebracht, die zumindest in der Lage war, nicht nur das nähere Umfeld zu filmen sondern auch eine erweiterter Realität (Augmented Reality) zu bieten, d.h. über einen kleinen Bildschirm zusätzliche Informationen über seine Umwelt einzuspielen.
Siehe hierzu z.B. die Artikel von Computerbild:
http://www.computerbild.de/fotos/Projek ... 24276.html
http://www.computerbild.de/artikel/cb-N ... 79858.html
Auch die biometrische Gesichtserkennung ist bereits heute Realität: man denke nur an das Bild im Personalausweis oder Reisepass; da geht es nicht um eine zukünftige Entwicklung, diese ist bereits im Einsatz. Was hier noch von Staaten genutzt wird, kann mit der Gesichtserkennung von Google oder Facebook auch schon von normalen Internetnutzer verwendet werden. Verbunden mit der Googlesuche können wir jetzt schon viele Informationen über Menschen aus dem Internet bekommen.
M.E. sind es vorallem zwei technische Hürden, warum die im Film dargestellte Datenbrille noch Fiktion ist: für eine synchrone Verarbeitung und Anzeige solcher Daten ist einerseits ein sehr schnelles Internet notwendig, zum anderen werden rießige Rechnerkapazitäten benötigt; es ist vermutlich nur eine Frage der Zeit, bis diese beiden Probleme gelöst sind.

Wie wir Googles Sklaven wurden

Verfasst: Sonntag 6. März 2016, 17:46
von Markus
Wie wir Googles Sklaven wurden [Hinweis von Horst]
"Staatliche Kontrolle ist harmlos im Vergleich zu dem, was Google macht: Der Konzern schafft einen beispiellosen Überwachungskapitalismus. Ist dagegen denn gar kein Kraut gewachsen? Ein Gastbeitrag. in der FAZ vom 05.03.2016, von Shoshana Zuboff
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/d ... 01816.html

Re: Operation Naked

Verfasst: Montag 7. März 2016, 18:26
von bheinze
Sehr interessant - aber dieser Film ist doch eher Fiction, und es ist auch seeehr überzeichnet, dadurch nicht überzeugend. Dabei ist das Thema brandaktuell, und ein Nachspann mit der zur Zeit vorhandenen Realität wäre wünschenswert.

Re: Operation Naked

Verfasst: Dienstag 8. März 2016, 13:04
von helmutf-berlin
Natürlich ist dieser Film Science-Fiction und zeigt auf was in Zukunft eventuell möglich sein kann. In vielen Filmen oder Fernsehspielen, welche die technischen Möglichkeiten in der Zukunft zeigen wollen, wird überzogen, um die Möglichkeiten und gegebenenfalls auch die Gefahren einer Entwicklung aufzuzeigen. Bei allen neuen Entdeckungen und Entwicklungen ist stets von besonderer Bedeutung, was der Mensch daraus macht.
Spiegel online veröffentlichte heute ein interessantes Interview mit Geoff Hinton, einem bedeutenden Wissenschaftler, der sich in der Hauptsache mit künstlicher Intelligenz beschäftigt. Auch hier kommt zum Ausdruck, dass die Wissenschaftler ihre Entdeckungen in technischer Hinsicht zumeist sehr genau einschätzen können, dabei aber nicht immer die gesellschaftlichen Konsequenzen ihrer Erfindung/Entdeckung abschätzen können.
Der Link zum Gespräch: http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/ ... 81035.html