Über den Stellenwert der Aufklärung in der deutschen Geschic

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Werner

Beitrag von Werner » Mittwoch 18. Januar 2006, 09:05

Erna hat geschrieben:Ich bin gar nicht gegen die Aufklärung, aber sie darf nicht zum Dogma werden!
Oder, man darf die Aufklärung nicht einer Interesengruppe überlassen!
Die Bemühungen der Springerverlagsgruppe, sich auch den dicksten Batzen der privaten Fernsehsender zu schnappen und die - wohl letztendlich erfolglosen - Versuche, diese Meinungskonzentration abzuwehren, haben für mich starke Bezüge zu unserem Thema.
Aufklärung meint zwar, sich des eigenen Verstandes zu bedienen, aber auch der schärfste Verstand ist auf verlässliche Informationen angewiesen und - vielleicht noch wichtiger - in welchem Licht diese Informationen vermittelt werden.

Horst Glameyer
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Über den Stellenwert der Aufklärung in der Geschichte

Beitrag von Horst Glameyer » Sonntag 22. Januar 2006, 19:44

Seit der Aufklärung haben vor allem die Naturwissenschaften beträchtliche Fortschritte erzielt und die kirchlichen Dogmen mehr und mehr in den Hintergrund gedrängt. Wissen, das sich jederzeit mit wissenschaftlichen Mitteln nachprüfen lässt, sollte an die Stelle von offenbarten, aber unbeweisbaren Glaubenssätzen treten. Aber auch im Laufe der Wissenschaftsgeschichte wurden unhaltbare Theorien wie Glaubenssätze verkündet.
Tatsächlich ist es uns unmöglich, jede Aussage auf ihren Wahrheitsgehalt nachzuprüfen. Wir müssen, sofern keine offensichtlichen Zweifel bestehen, zunächst alle Aussagen glauben und für wahr halten. Ohne gegenseitiges Vertrauen gäbe es kein Zusammenleben, weder in der Familie, im Beruf noch überall dort, wo uns fremde Menschen begegnen, auf deren Auskunft wir angewiesen sind. Wir glauben ihnen, was sie uns sagen.
So tritt in den Mittelpunkt des alltäglichen Umgangs miteinander der Glaube, ein Urvertrauen in den anderen, das durch kein noch so gründlich erforschtes Wissen ersetzt werden kann, andernfalls würden wir im Mißtrauen ersticken. Die Balance zwischen Glauben und nachprüfbarem Wissen zu halten, ist nicht leicht in einer Welt, in der Täuschung und Beeinflussung des Einzelnen sowie Vieler aus den unterschiedlichsten Gründen gewerbsmäßig betrieben wird. Aber war das nicht von jeher so?

Erna
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Beitrag von Erna » Sonntag 22. Januar 2006, 19:59

Den letzten Abschnitt von Horst finde ich sehr gut.
Keine noch so genaues Wissen, keine noch so genaue Aufklärung kann mir letzten Endes sagen, warum etwas geschieht und warum es so geschehen ist. Also bleibt am Ende nur, zu glauben und zu vertrauen.

WernerT

Vertrauen

Beitrag von WernerT » Montag 23. Januar 2006, 15:47

Mit seinem Beitrag über die Unumgänglichkeit des Vertrauens weist Horst auf eine wesentliche Ergänzung aufklärerischen Denkens hin. Die Naturwissenschaft als spürbarste Folge der Aufklärung ist zwar in sich logisch und nachprüfbar, jedoch nur für den, der das entsprechende Fachgebiet beherrscht. Wir Laien – und auch ich als Naturwissenschaftler bin auf den meisten Gebieten Laie – sind darauf angewiesen, dass der, der uns über ein Ergebnis informiert, die Wahrheit sagt, wenn wir weiter vertrauen wollen.

Immerhin zeigt sich eines: Wenn die Vertrauenswürdigkeit einmal nicht gegeben ist, wie aktuell im Beispiel des koreanischen Stammzellforschers Hwang, dann mag es zwar ein Weilchen dauern, doch gerade bei wichtigen Ergebnissen deckt die Gemeinschaft der Forscher in aller Regel Betrug und Irrtum auf.

Nur in einem würde ich eine Modifikation vorschlagen, denn dass das „Urvertrauen ... durch kein noch so gründlich erforschtes Wissen ersetzt werden kann“, geht mir etwas zu weit. Mir scheint das gründlich erforschte Wissen die Voraussetzung dafür zu sein, dass wir dem, der es erforscht und verkündet hat, glauben können. Wir brauchen also beides, Wissen und Vertrauen.

Werner

Re: Über den Stellenwert der Aufklärung in der Geschichte

Beitrag von Werner » Dienstag 24. Januar 2006, 12:32

Horst Glameyer hat geschrieben:Tatsächlich ist es uns unmöglich, jede Aussage auf ihren Wahrheitsgehalt nachzuprüfen. Wir müssen, sofern keine offensichtlichen Zweifel bestehen, zunächst alle Aussagen glauben und für wahr halten. Ohne gegenseitiges Vertrauen gäbe es kein Zusammenleben, weder in der Familie, im Beruf noch überall dort, wo uns fremde Menschen begegnen, auf deren Auskunft wir angewiesen sind. Wir glauben ihnen, was sie uns sagen.
Dies würde ich auch so sehen, solange es um meine menschlichen Kontakte geht. Aber das Phänomen "Aufklärung" ist nicht im zwischenmenschlichen Bereich angesiedelt, sondern wie Koselleck auf Seite 355 schreibt "Politisch richtet sich Kant hier gegen Machthaber in Staat und Kirche"
Da würde ich aber dann noch die Bereiche Medien und Wirtschaft hinzufügen. Institutionen sollte man nicht mit dem Urvertrauen gegenübertreten, welches im privaten Umgang erforderlich ist.

Werner

Beitrag von Werner » Dienstag 24. Januar 2006, 13:02

Erna hat geschrieben: Also bleibt am Ende nur, zu glauben und zu vertrauen.
Als einer, dem 1945/46 als junger Mensch die Augen aufgingen, wem er vertraut hat, wem er geglaubt hat, kann ich, für mich, Deine Schlußfolgerung so nicht teilen.

Werner

Re: Vertrauen

Beitrag von Werner » Dienstag 24. Januar 2006, 13:26

WernerT hat geschrieben: Die Naturwissenschaft als spürbarste Folge der Aufklärung ist zwar in sich logisch und nachprüfbar, jedoch nur für den, der das entsprechende Fachgebiet beherrscht. Wir Laien – und auch ich als Naturwissenschaftler bin auf den meisten Gebieten Laie – sind darauf angewiesen, dass der, der uns über ein Ergebnis informiert, die Wahrheit sagt, wenn wir weiter vertrauen wollen. [...]

Mir scheint das gründlich erforschte Wissen die Voraussetzung dafür zu sein, dass wir dem, der es erforscht und verkündet hat, glauben können. Wir brauchen also beides, Wissen und Vertrauen.
So weit so gut. Es ist vergebliche Liebesmüh sich auf den letzten Stand der Wissenschaft halten zu wollen. Ob es je gelingen wird aus Stammzellen spezielle Organzellen zu züchten ist ja noch fraglich. Nicht fraglich ist allerdings welche kommerziellen Möglichkeiten und welche ethische Gefahren sich daraus ergeben könnten. Die Wissenschaft hat einen Level erreicht, der nur durch finanzielle Mittel angehoben werden kann, die - direkt oder indirekt - von auf Rendite ausgerichtete Institutionen zu Verfügung gestellt werden können.
(Wieviel Aufwand müssen Universitäten für die Beschaffung von "Drittmittel" treiben?)
Eine funktionierende Aufklärung im wissenschaftlichen Sektor könnte man am Stellenwert der "Technikfolgeabschätzung" erkennen.
Wobei ich unter "Technik" auch die Ergebnisse der Wirtschaftsfachbereiche zählen würde.

Horst Glameyer
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Über den Stellenwert der Aufklärung in der Geschichte

Beitrag von Horst Glameyer » Dienstag 24. Januar 2006, 19:14

Es trifft zu, die Aufklärung forderte Meinungsfreiheit im öffentlichen Bereich und wandte sich damit gegen die Bevormundung durch staatliche und kirchliche Autoritäten, die gern dank ihrer Machtfülle eine Zensur ausübten. Doch in der Folge waren etliche Vertreter sowohl der Geistes- als auch der Naturwissenschaften totalitären Herrschaftssystemen gern zu Diensten.
„Wes Brot ich esse, des Lied ich singe“, heißt es bei Goethe, und das gilt natürlich ebenso für Fördermittel aus der Hand von Wirtschaftsunternehmen.

Für die Technik gibt es bekanntlich den TÜV, um Gefahren zu vermeiden, die von ihr ausgehen können. Es gibt Stimmen, die ein entsprechendes Prüfverfahren verlangen, das der Vermeidung von Folgeschäden wissenschaftlicher Entdeckungen und Erfindungen dienen soll. Das wiederum stünde im Widerspruch zur Freiheitsgarantie für Wissenschaft und Forschung.
So bleibt es dem einzelnen Wissenschaftler und Forscher überlassen, die Folgen seiner Arbeit selbst abzuschätzen und ggf. eine riskante Arbeit abzubrechen. Da er aber wie jeder andere von manchen menschlichen Schwächen nicht frei ist, bleibt nur zu hoffen, dass er niemandem Schaden zufügt. Das allerdings trifft auch auf andere Berufe zu.

WernerT

Wissen – Technik - Missbrauch

Beitrag von WernerT » Mittwoch 25. Januar 2006, 09:58

Die von Werner eingebrachten Technikfolgen sind das Problem von Aufklärung und Rationalismus schlechthin. Doch trotz der damit verbundenen Fragen wäre ich nicht bereit, auf die Aufklärung im philosophischen Sinne zu verzichten (wenn das denn ginge). Ihr wertvolles Prinzip liegt darin, dass sie Prioritäten setzt: Gewusstes muss ein höheres Gewicht haben als Gemeintes, Erkenntnis einen höheren Rang als Spekulation.

Diese Voraussetzung hat dem Menschen etwas ermöglicht, was ihm unter dem Primat der Metaphysik nicht möglich war (und was unter der Philosophie des Altertums schon einmal begonnen hatte). Es hat dazu geführt, dass er seinem Wissensdrang nicht mehr dort nachgeht, wo ihm Wissen verwehrt ist, also in Glaubensfragen, sondern wo seine Erkenntnisfähigkeit hinreicht.

Bis dahin ist nach meiner Meinung gegen Aufklärung nichts einzuwenden. Der Mensch will wissen, und dieses Bestreben kann ihm grundsätzlich niemand austreiben. Die Frage allerdings ist, was er mit seinem Wissen anfängt. Er entdeckt den staunenswerten Mikrokosmos des Atoms – aber er baut eine Bombe daraus! Er entschlüsselt die Geheimnisse des Lebens – aber er nutzt es, um Genome unwiderruflich zu verändern. Stets ist er versucht, sein Wissen zu missbrauchen.

Nicht im Wissen also scheint mir das Problem zu liegen, sondern in seiner Anwendung. Nicht in der Wissenschaft sondern in der Technik. Doch was ist Missbrauch? Wo fängt er an? - Unsere Ethik ist hin- und her gerissen, denn sie sieht sich ganz neuen und ungeheuer schwierigen Entscheidungen gegenüber. Beispiel Stammzellen: Ist es erlaubt „überzählige“ Embryonen, also „nur“ potentielles Leben, dafür zu verwenden, real existierendes Leben zu retten?

Worauf ich hinaus will: Nicht die Aufklärung selber ist problematisch, und ich wäre auch nicht bereit, sie als erkenntnisorientierte Grundhaltung aufzugeben. Aber die Nutzung des mit ihrer Hilfe gewonnenen Wissens, oft genug unter dem Aspekt der „Rendite“ (Werner), birgt erhebliche Gefahren, und oft genug erkennen wir sie erst viel zu spät..

Mephisto hatte Recht: „Dir wird gewiss noch einmal bei deiner Gottähnlichkeit bange.“

Werner

Re: Über den Stellenwert der Aufklärung in der Geschichte

Beitrag von Werner » Mittwoch 25. Januar 2006, 11:26

Horst Glameyer hat geschrieben:Doch in der Folge waren etliche Vertreter sowohl der Geistes- als auch der Naturwissenschaften totalitären Herrschaftssystemen gern zu Diensten.
Ja, Horst, aber genau deswegen sollte "Aufklärung" einer größeren Stellenwert in unserer Gesellschaft haben. Denn die Möglichkeit totalitärer Systeme beweist ja, dass die "Aufklärung" längst nicht das bewirkte was sie bewirken könnte.
(Warum das so ist, für historisch Interessierte ein spannendes Feld) :lol:
Hans Mayer stellt in seinem Buch "Aussenseiter" schlicht und einfach fest. "Das Buch geht von der Behauptung aus, dass die bürgerliche Aufklärung gescheitert ist."
Adorno und Horckheimer mögen in ihrer "Dialektik der Aufklärung"
recht haben, wenn sie auf die mögliche Schattenseite der Aufklärung hinweisen, aber wenn Herr Fest die Naziherrschaft als Konsequenz der Aufklärung hinstellt, dann ist dies Gegenaufklärung, Gegenaufklärung mit einem Wirkungsgrad, dagegen war die jesuitische Gegenreformation
ein Provinztheater.

Werner

Re: Wissen – Technik - Missbrauch

Beitrag von Werner » Mittwoch 25. Januar 2006, 11:40

WernerT hat geschrieben: Mephisto hatte Recht: „Dir wird gewiss noch einmal bei deiner Gottähnlichkeit bange.“
Werner, leider ist aber die Frage wem wird hier bange?
Es ist Eines angesichts der hungernden Mehrheit der Menschen, ertragreichere Getreidesorten zu Entwickeln aber ein Anderes durch
Genmanipulation (Killergene) diese Getreidesorte für die Nachzucht unbrauchbar zu machen und so die Anbauer zwingt jedesmal Saatgut neu zu kaufen. Soll ich hier den Wissenschaftler des Konzerns oder den kaufmännischen Leiter zur Verantwortung ziehen.
Es wäre für mich nicht überraschend, wenn der Wissenscahftler ob dieser Praxis ehe Skrupel empfände als die Konzernleitung.

WernerT

Beitrag von WernerT » Donnerstag 26. Januar 2006, 15:15

Ratzingers Enzyklika bringt mich noch auf einen bislang nicht diskutierten Aspekt: Welchen Einfluss hatte die Aufklärung auf von ihr ausgegrenzte Themen?

1. Gott
Wie veränderte die A. unseren Gottesbegriff? Hat sie Gott abgeschafft? Wohl nicht. Aber hat sie uns nicht den Zugang zu ihm erschwert? Die Schöpfungsgeschichte der Bibel ist märchenhafte Poesie, der Urknall eher martialisch. Und die Vorstellung eines über uns gewölbten Himmels ließ für Gott den Raum über den Sternen. Jetzt ist die Welt so groß geworden, dass sie sich unserer Vorstellung entzieht. Kann es Gott dann auf diese winzige Erde, kann es ihm gar auf mich einzelnen ankommen? Kann er mich bei meinem Namen gerufen haben? - Die Aufklärung macht das Glauben schwer.

Einem allerdings tut das – jedenfalls bei mir – keinen Abbruch: Dem Staunen über die Wunder dieser Welt. Sollte Gott wirklich „nur“ den Urknall gezündet haben und sonst gar nichts, so hat er etwas Unfassbares geschaffen, das mit dem Umfang meines Wissens nicht ab- sondern zunimmt.

2. Liebe
Schmälert nicht die Sachlichkeit, mit der wir über die verschiedenen Aspekte der Liebe reden, ihr Geheimnis? Oder ist sie doch so stark, dass sie uns überwältigt, egal, was wir über sie wissen oder reden? Mir scheint manchmal, als hätte Eros doch ein wenig unter dem puren Sex („Aufklärung“ nach Kolle) gelitten…

Horst Glameyer
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Beitrag von Horst Glameyer » Donnerstag 26. Januar 2006, 19:19

Als Nikolaus Kopernikus (1473 – 1543), gefolgt von Johannes Kepler (1571 – 1630) das bis dahin gültige Weltbild mit der Erde im Mittelpunkt erschütterte, indem von nun an die Sonne von der Erde umkreist wurde, geriet auch Gott bis auf den heutigen Tag an einen Ort, der unauffindbar geworden ist.

Das religiöse Problem liegt vor allem darin, dass Gott als Person und nicht als Geist gedacht wird. Die unzähligen bildlichen Himmelsdarstellungen aus vielen Jahrhunderten in Kirchen, Klöstern und Museen sind nach wie vor prägend. Es ist nicht leicht, ein sich ständig erweiterndes Universum, in dem sich der Gläubige einsam und verloren fühlen muss, mit einem lange vor der kopernikanischen Wende entstandenen Gottesbild so in Einklang zu bringen, dass der Gläubige sich weiterhin von einem allmächtigen, persönlichen Gott behütet wissen kann, wie die Kirchen ihn nach den biblischen Texten und althergebrachten Liturgien vermitteln. Ungeachtet vieler Kirchenaustritte sind die Menschen nicht areligiös geworden, sondern suchen sehr ernsthaft nach einer Lösung des Problems.

Dieser Zwiespalt zwischen Wissenschaft und Religion scheint ein europäisch-abendländischer zu sein, nicht aber in fernöstlichen Religionen und auch nicht im Islam zu bestehen. Er ist eine Folge der Aufklärung und wird besonders heftig gerade in den USA unter Christen ausgetragen. Bei Friedrich Nietzsche führte er sogar dazu, Gott für tot zu erklären.

Werner

Beitrag von Werner » Samstag 28. Januar 2006, 13:49

WernerT hat geschrieben:1. Gott
Wie veränderte die A. unseren Gottesbegriff? Hat sie Gott abgeschafft? Wohl nicht. Aber hat sie uns nicht den Zugang zu ihm erschwert? Die Aufklärung macht das Glauben schwer.
…
Wenn wir die Aufklärungsphilosophie des 18/19. Jahhdt. betrachten, so ist es nicht ihr Ziel die Existenz Gottes zu leugenen sondern die - in ihren Augen - schädlichen Einfluss der Stellvertreter Gottes, der Institution Kirche, aufzudecken.
Egon Friedell in seiner Kulturgeschichte der Neuzeit :
"Es wäre ein großer Irrtum, wenn man glauben wollte, daß es während der französischen Aufklärung bereits einen zielbewußten kampf gegen die Aristokratie und das Königstum gegeben habe; das Angriffsobjekt war vielmehr zunächst fast ausschließlich die Kirche
Die Schwierigkeit besteht wahrscheinlich in unserer, seit Generationen eingeübter, Gleichsetzung von Religion und Kirche
WernerT hat geschrieben:2. Liebe
Schmälert nicht die Sachlichkeit, mit der wir über die verschiedenen Aspekte der Liebe reden, ihr Geheimnis? Oder ist sie doch so stark, dass sie uns überwältigt, egal, was wir über sie wissen oder reden? Mir scheint manchmal, als hätte Eros doch ein wenig unter dem puren Sex („Aufklärung“ nach Kolle) gelitten
Wirksame Veränderungen sind wohl immer mit heftigen Pendelausschlägen verbunden und im Falle der "sexuellen" Aufklärung besonders, da die Wirtschaft dieses Gebiet als Werbefaktor entdeckte.
Aber, der versachlichte Umgang mit Sexualität dürfte auch manche menschliche Tragödien verhindern.
Sexualität ist das, worüber wir als Phänomen reden; Eros das, was ich empfinde.

Werner

Beitrag von Werner » Samstag 28. Januar 2006, 14:20

Horst Glameyer hat geschrieben:Als Nikolaus Kopernikus (1473 – 1543), gefolgt von Johannes Kepler (1571 – 1630) das bis dahin gültige Weltbild mit der Erde im Mittelpunkt erschütterte, indem von nun an die Sonne von der Erde umkreist wurde, geriet auch Gott bis auf den heutigen Tag an einen Ort, der unauffindbar geworden ist.
.
Ja, Horst, Kopernikus als der Verursacher der ersten großen Menschheitskränkung. Unsere Erde ist garnicht Mittelpunkt des Universums! Dann Darwin mit seiner Zumutung, dass wir mit "Affen" den gleichen Stammbaum teilen! Zuletzt auch noch Freud der da behauptet wir wären noch nicht mal Herr im eigenen Haus und müßten uns zwischen "Es" und "Über-Ich" mühsam arrangieren.
Da bleibt nicht mehr viel von der "Krone der Schöpfung"
Horst Glameyer hat geschrieben:Dieser Zwiespalt zwischen Wissenschaft und Religion scheint ein europäisch-abendländischer zu sein, nicht aber in fernöstlichen Religionen und auch nicht im Islam zu bestehen. .
Ob dieser Zwiespalt sich auf das europäische Abendland beschränkt?
Sicher bin ich mir da nicht. Auch in außereuropäischen Kulturkreisen wird es unterschiedliche Strategien zur Bewältigung des großen Geheimnisses worher wir kommen, wohin wir gehen, wo endet das Universum und was war vor dem Urknall? Die scheinbare Gültigkeit oder Attraktivität der islamischen Glaubensvorstellungen beruht meines erachtens eher auf die Vorherrschaft der christlich-abendländichen Wirtschaft und dessen - so empfundenen - Ausbeutungspotential.
Vergessen wir nicht, auch das Christentum war in seiner historischen Jugend für die "Armen" attraktiv. Das Christentum wurde - auch noch im Unterricht meiner Militärzeit 1943/44 - als Sklavenreligion diffamiert.

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