Wert der Innerlichkeit

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Erna
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Beitrag von Erna » Sonntag 9. Oktober 2005, 18:01

Was mich bei der Definition der Innerlichkeit von Detsch so nachdenklich macht, ist, dass Innerlichkeit zu verschiedenen Zeiten Unterschiedliches bedeutete und auch zu unterschiedlichen Folgerungen führte. Obwohl im Altertum und im Mittelalter Innerlichkeit mehr oder weniger eine Vernachlässigung der Äußerlichkeit bedeutete, war es einmal, weil man mit seinem Wissen sich selbst genügte, das andere Mal, weil man Gott suchte. Persönlich halte ich nichts von einer Innerlichkeit, die nicht ihre Auswirkungen in der Äußerlichkeit hat.

Ursula

Beitrag von Ursula » Sonntag 9. Oktober 2005, 23:18

Auch ich habe bisher „Innerlichkeit“ vor allem mit übertriebenen auf das Selbst bezogenen Gefühlen in Verbindung gebracht und konnte zunächst nicht glauben, dass es sich hier um einen „Wert“ handeln soll, der in der derzeitigen Wertedebatte eine Rolle spielen könnte. Der Beitrag von Horst hat für mich da doch für sehr viel Klarheit gebracht, denn wenn ich „Innerlichkeit“ auf die Freudschen Instanzen übertrage, dann könnte die Antwort auf meine oben aufgeführte Frage etwa folgendermaßen lauten: Der Weg in die Innerlichkeit macht u. a. auch verinnerlichte Werte bewusst, die „richtig“ verinnerlicht das menschliche Verhalten steuern, so dass genaue Vorhersagen möglich sind, wenn es einen verbindlichen Wertekanon gibt.
Nun stellt sich für mich die Frage, welche Wahrheiten beim Weg ins Innere zu finden wären. Für den Empiristen (Hans Joas) entstehen Werte aus Erfahrungen. Ob es darüber hinaus noch angeborene Ideen gibt (Platon postulierte die Idee des Guten) ist eine offene Frage.

Horst Glameyer
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Wert der Innerlichkeit

Beitrag von Horst Glameyer » Montag 10. Oktober 2005, 01:42

In Mozarts Oper „Die Zauberflöte“ begegnen sich Taomino und Papageno und stellen einander die Frage „Wer bist du?“ Taomino bezeichnet sich als einen Prinzen, während Papageno ihm antwortet: „Ich bin ein Mensch wie du.“
Wer sich über einen ererbten, verliehenen oder erworbenen Titel, über seine Arbeit, seinen Besitz, seinen schönen oder muskulösen Körper definiert, der gerät in arge Bedrängnis, wenn er durch unvorhergesehene Ereignisse alles das verliert, von dem er glaubt, es mache ihn aus, wie z.B. die Aussage jenes Langzeitarbeitslosen in dem Zeitungsartikel, aus dem Werner zitierte. Offensichtlich definiert er sich über die von ihm verrichtete Arbeit, die ihm nun abhanden gekommen ist.
Der Weg in die Innerlichkeit kann helfen, sich seines wahren Wertes, d.h. seiner Würde als Mensch, bewusster zu werden, der nicht von Äußerlichkeiten abhängig ist. Manche Religionen sagen dazu: „Was auch immer du tust oder dir geschieht, du bist und bleibst ein Kind Gottes.“

WernerT

Innerlichkeit

Beitrag von WernerT » Montag 10. Oktober 2005, 09:34

Horst nennt einen sehr plausiblen Wert der Innerlichkeit: Sie ließe uns innehalten, um zu uns selbst zu kommen, und brächte uns so im Fromm’schen Sinne dem Sein näher. Allerdings sei das in unserer schnelllebigen Zeit eher die Ausnahme: „Stille (wird) anscheinend von vielen gefürchtet“.

Dem stimme ich rückhaltlos zu. - Heißt das dann aber nicht, dass Innerlichkeit ein Wert ist, der unserem europäischen Lebensstil gerade abgeht? Etwas darstellt was wir eben nicht haben? Ist es nicht so, dass unserer so weitgehend säkularisierten Welt gerade diese Selbstbesinnung fehlt?

Ich bin kein sehr religiöser Mensch, aber ich habe durchaus das Gefühl, dass wir einer Religion bedürften, die uns wieder mehr zur Innerlichkeit hinführte, deren Ritus uns wenigstens ab und zu zum Innehalten zwänge.

Clemens

Beitrag von Clemens » Montag 10. Oktober 2005, 13:54

Zum Wert der Innerlichkeit stellt sich mir immer wieder die Frage des Ziels?
Ist der Wert der Innerlichkeit (die Frage nach dem ICH und dem SEIN und der daraus entspringende Wert des Lebens) das eigentliche Ziel oder wird dieser Zustand erstrebt, um daraus das "Äußere" (richtige und gute Handeln = Einsatz der ratio) abzuleiten? Wäre das nicht das reale Ziel unseren Tuns?
Clemens

Ursula

Beitrag von Ursula » Montag 10. Oktober 2005, 16:52

Für mein Verständnis wird der Begriff der „Innerlichkeit“ zu sehr mystifiziert. Der Mensch ist zum Denken verurteilt. Über die Funktion des Gehirns gibt es mehr oder weniger plausible Theorien. Beim Weg in die „Innerlichkeit“ geht es jedoch nicht um Denken an sich, sondern um die Suche nach wahrer Erkenntnis, die es jedoch – das zeigt jedenfalls die Relativitätstheorie - in absoluter Form nur im Ausnahmefall gibt. Der von Kurt Flasch unterstellte Weg in die „Innerlichkeit“ führt überspitzt formuliert zunächst zur wahren Selbsterkenntnis, bei der u. a. auch das „Absolute“ eine Rolle spielen soll. Das sich seiner selbst gewisse Individuum schultert alsdann freudig und schicksalsergeben das ihm bestimmte Kreuz und das führt im Idealfall zu einem weiteren Wert, der „Bejahung des gewöhnlichen Lebens“, aber dieser Wert kommt ja erst später dran.
Auch mit dem therapieschwangeren Begriff des „Innehaltens“ kann ich wenig anfangen, denn auch die Erfahrung von einem Geistesblitz ist ja ein dynamischer und häufig schmerzhafter Moment oder?

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Uwe Bartholl
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Moderationsbeitrag

Beitrag von Uwe Bartholl » Montag 10. Oktober 2005, 22:32

Ich schloss meinen Moderationsbeitrag vom 04.10. mit folgenden Fragen ab:
• Gibt es Erfahrungen mit der eigenen Innerlichkeit – im Kontext der Diskussion -, die weiterhelfen
könnten?
• Wie sorgst du für Einsicht, Wahrheit und für deine Seele, dass es ihr am besten gehe? (Nach
Sokrates, S. 221)
Aus den Beiträgen nach dem 04.10.lese ich Folgendes heraus und merke Eigenes an:
Renate und andere Beiträge betonen immer wieder, dass nach Erfahrung und Kenntnisstand heute von Innerlichkeit als Wert nur dann zu sprechen ist, wenn die Innenschau sich im Wirken in der Welt ausdrückt. Dieser Zusammenhang taucht nach Flasch auch schon bei Augustinus auf (S.222/223). Der Anteil der historischen Betrachtung über Innerlichkeit bei Flasch zeigt Stationen über die Entwicklung des Umganges mit Innerlichkeit, die Ernas Beitrag ergänzt. Romantische Gefühligkeit oder auch das alleinige Versinken im Weg nach Innen ist – so der Diskussionsstand – nicht die Wertekategorie, um die es hier geht. Ungeachtet dessen tut es der Seele gut, sich diese Wohlfühlwelten nicht zu versperren. Renate berichtet von der möglichen Erschließung des Unbewussten in einem Schweigeseminar. Wer von uns Erfahrung mit Meditation hat, weiß wie wertvoll diese Übungen für die Achtsamkeit sind und weiß auch, dass das bewusstseinsverändernd wirkt. Meditation ist ein Anhalten des Laufrades, das uns – so einige Beiträge – daran hindert, uns Zeit zu nehmen für unser Ich. Ob Meditation oder andere Wege, Werner R. weist darauf hin, dass die Fähigkeit, sein Inneres wahrzunehmen, von jedem selbst erarbeitet werden muss. Glücklich die Menschen, die in einem Umfeld, wo das gedeihen kann, aufwachsen, oder aber andere Chancen zur Entdeckung dieses Arbeitsfeldes erhalten. Unerlässlich, so betont Werner T., ist in der Wechselbeziehung Innerlichkeit und Wirken in der Welt der Einsatz der Ratio. Horst G. erinnert an Fromm – Haben oder Sein -, damit der Verstand gebraucht wird, um der Seele Raum zu geben. Werner T. meint in seinem letzten Beitrag, dass der Wert Innerlichkeit uns Europäern abhanden zukommen scheint. Flasch und auch die Diskussion macht, deutlich: Sie wird gebraucht. Soviel hat sich seit Augustinus nicht geändert. Ich denke, mehr oder weniger offen, sind hier die eigenen Erfahrungen mit Innerlichkeit eingeflossen.
Dank an alle; es ist eine Atem raubende Diskussion. Jede Frage verdient es, ihr nachzugehen.
Jeder Beitrag schärft die Orientierung in diesem Fließsand Innerlichkeit.
Uwe

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Uwe Bartholl
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Innerlichkeit

Beitrag von Uwe Bartholl » Montag 10. Oktober 2005, 22:52

Bachs h-moll-Messe gehört - noch einiges dazu gelesen - und gefunden, was Goethe über sein Hörerlebnis sagte:
"Ich sprach mir's aus: als wenn die ewige Harmonie sich mit sich selbst unterhielte, wie sich's in Gottes Busen, kurz vor der Weltschöpfung, möchte zugetragen haben. So bewegte sich's auch in meinem Innern, und es war mir, als wenn ich weder Ohren, am wenigsten Augen und weiter keine übrigen Sinne besäße noch brauchte."

Werner

Beitrag von Werner » Dienstag 11. Oktober 2005, 17:49

Ernas Feststellung, dass Innerlichkeit zu unterschiedlichen Zeiten unterschiedliches bedeutet, so möchte ich dies dahin ergänzen, dass auch in unsere Diskussionsrunde „Innerlichkeit“ nicht von allen in gleicher Weise verstanden wird. Und ob es Heute schwieriger ist sich des Wesentlichen zu „verinnerlichen“ als vor hundert oder tausend Jahren? Ich glaub’s nicht. Welchen Gewährsmann man auch heranzieht, ob Sokrates, Augustinus und wer weiß noch, alle beklagen die mangelnde Innerlichkeit ihrer Zeitgenossen. Scheint der Klage um die „gute alte Zeit, als noch Treu und Glauben etwas galten“ zu gleichen.
Ursulas Hinweis auf die Gefahr der Mystifizierung der Innerlichkeit sollte man ernst nehmen.
Wobei ich die Gefahr weniger in der Mystifizierung sehe sondern in der Indoktrinierung.
(zum Denken verurteilt? Nach dem ich mich überzeugt habe, dass Denken wirklich nicht weh tut, fühl ich mich zum Denken befreit [Sagt aber nichts über die Qualität der Ergebnisse aus].
Innerlichkeit ist nicht von Emotion zu trennen. Nicht, dass ich was gegen Emotionen hätte, es gibt Musik die mir das Gefühl gibt Bäume ausreißen zu können. Bilder von L.Corinth oder Klee öffnen mir Ausblicke in Welten die ich sonst nie entdecken könnte. Texte von Thomas Mann oder Arno Schmidt bringen mich zum sinnieren (Beinahe hätte ich Heinrich Heine vergessen). Für mich berührt dieses mein Inneres. Aber ist dies die Innerlichkeit die hier zur Diskussion steht? Oder geht es eher um das Wissen um unsere Endlichkeit, um unsere Sterblichkeit und was dem folgen könnte?
Aber was hat dies mit europäischen Werten zu tun? Warum wird dieses Problem im „Forum für Verantwortung“ behandelt? Innerlichkeit ist ein menschliches Phänomen. Zugegeben, nicht jeder Mensch kann, oder will, sich mit Befindlichkeiten befassen die nicht unmittelbar seine existentielle Situation berühren. Aber dies ist unabhängig von Staats- und Kulturgrenzen. Vorraussetzung für „Innerlichkeit“ ist „Muße“.
Aber Prof. Flasch spricht ja von Innenwendung und Außenarbeit. Könnte beinahe unter der Rubrik „Arbeitsteilung“ laufen. Aber so ist es ja nicht. Nichts gegen die Innenwendung, das Leben kann so herrlich sein, dass bewusstes innewerden nur eine Bereicherung sein kann. Aber, so meine Befürchtung, je mehr Marias umso weniger Marthas werden sich bewusst dass ihnen etwas fehlt.
Tschuess
Werner

Ursula

Beitrag von Ursula » Mittwoch 12. Oktober 2005, 20:41

Ich habe auch den Eindruck, dass Innerlichkeit u.a. mit der Ansprechbarkeit auf ästhetische Kategorien in Verbindung gebracht wird.
Mystifizierung oder Indoktinierung? - das ist hier die Frage? Indoktinierung würde bedeuten, dass Innerlichkeit durch die ästhetische Erziehung entsteht, was ja durchaus möglich ist. Mit allerdings gefällt Mystifizierung nach wie vor besser, Es könnte doch sein, dass bei dem Weg ins Innere ewige Urbilder ins Bewusstsein kämen, von denen die Ideenleere Platons handelt.

Horst Glameyer
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Wert der Innerlichkeit

Beitrag von Horst Glameyer » Donnerstag 13. Oktober 2005, 13:43

Wir leben in einer materialistischen Welt, die vom Kosten-Nutzen-Denken beherrscht wird, sind von Zahlen umringt. „Wer wird Millionär?“ Was kostet die Gesundheitsreform? Was kostet dies, was jenes? Kaum gibt es noch einen Lebensbereich, in dem uns keine Zahlen entgegen gehalten werden. Sind wir nur das Produkt biochemischer Prozesse, wie manche Neurologen uns zu erklären versuchen? Wo finden wir eine Antwort auf den Sinn unseres ganz persönlichen Daseins? In der Religion, in der Philosophie oder vielleicht im eigenen Innern? Sind wir nur eine mehr oder minder gut funktionierende Maschine, die hin und wieder einer Reparatur bedarf, bis sie endgültig versagt? Auch diese Auffassung wurde m. W. im 18. Jh. vertreten. Auf der Suche nach dem Wesentlichen des Lebens, das wissenschaftlich nicht ergründet werden kann, muss jeder, der es für sich wissen will, seinen eigenen Weg gehen. Einer davon führt in die Innerlichkeit, in der er jedoch nicht stecken bleiben darf, sondern sich gestärkt dem Alltagsgeschehen zuwenden soll

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Uwe Bartholl
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Wert der Innerlichkeit

Beitrag von Uwe Bartholl » Freitag 14. Oktober 2005, 11:24

Ist es vielleicht so, dass wir mit unseren Fragen und Feststellungen an das heranreichen, wo es mit unserem Verstand und unserer Erkenntnisfähigkeit nicht weitergeht? So bleibt es in dieser Diskussion für mich von großem Interesse, wie wir mehr und mehr von einander erfahren, mit welcher Skepsis, mit welchen Erfahrungen und mit welchen Spekulationen wir es zu tun haben. Es wurde schon mehrfach ausgedrückt: Was Innerlichkeit in meinem Leben ausmacht, ich muss es selbst herausfinden. Wie Ursula meint, dass ewige Urbilder in uns wohnen, die mit der Innenwendung ins Bewusstsein kommen, oder, wie es auch in dem zugrunde liegenden Text zum Ausdruck kommt, uns dieser Kern die Normen zur Bewertung des Außen liefert, dass muss erfahren werden. Und so lange keine andere Erkenntnis vorliegt, setze ich das für absolut. Das Göttliche in uns, oder die Buddhanatur oder …, ich muss mich für den Kompass entscheiden, wie gesagt, so lange ich nichts Besseres weiß. Die Diskussion hier zeigt mir, dass der Innerlichkeit ein hoher Wert zukommt, und sie hilft mir, genauer das Umfeld von Täuschungen und Zweifeln zu sehen. Wie Goethe mit seinem Inneren und seinem Verstand auf die h-moll-Messe, Werner auf seine Kunsterlebnisse, ich auf meine reagiere, wenn es einschlägt, dann ist es dieses im Innersten Gepacktsein, das mich in Kontakt bringt mit den ewigen Urbildern. Mein Denken und Handeln ist von diesen Erfahrungen nicht zu lösen. Die ständigen Abweichungen zwischen dem, was ich als wahr erkenne und dem was ich tue, verfrachte ich leichtfertig allzu häufig wieder ins Vergessen oder aber strafe diese Erkenntnisse mit Nichtachtung.

Werner

Beitrag von Werner » Freitag 21. Oktober 2005, 09:59

Was ist los? Sollte das Phänomen „Innigkeit“ schon erschöpfend behandelt worden sein?
Mir geht es jedenfalls noch immer im Kopf herum. Egal was oder worüber ich lese, ich finde Formulierungen die zu unserem Thema passen könnten.
Beispielsweise: „Der Begriff der Innigkeit leidet an verhängnisvoller Allgemeinheit und peinlicher Leere.“
(Im Original schreibt der Autor zwar nicht über „Innigkeit“ sondern über „Schönheit“, aber, wie ich finde, die Aussage bleibt trotzdem gültig).
Oder, um ein anderes Zitat zu bemühen.
“Über die Gründe für diese Interessenverschiebung ist reizvoll zu spekulieren. Treibt hier der postmoderne Wendegeist sein böses Spiel, der uns, statt in historischen Perspektiven, lieber in die entrückten Spiegelwelten der Gefühle locken und dadurch der Vernunft und dem Fortschritt entfremden möchte?“
Folgende Überlegung berührte mich beim Lesen dieser Textstelle. Welchen Stellenwert kann eine so individuelle, private Gefühlslage wie „Innigkeit“, für ein gesellschaftliches Gebilde wie „Europa“ haben? Wohlgemerkt, für ein politisches Gebilde. Den hohen Anteil den „Innigkeit“, den das Bewusstsein um die eigene Leidensfähigkeit hat, die Fähigkeit sich in die Lage seiner Mitmenschen zu versetzen , Empathie zu entwickeln, ist unbestritten. Nur, ich kann mir schwer vorstellen, dass es den Initiatoren des Forums „Die kulturellen Werte Europas“ um zwischenmenschliche Beziehungen geht.

Erna
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Beitrag von Erna » Freitag 21. Oktober 2005, 11:12

Gerade habe ich Werners Eintrag gelesen und seine Bemerkung, dass es dem Forum "Kulturelle Werte" wahrscheinlich nicht um den Aufbau zwischenmenschlicher Beziehungen geht. Warum eigentlich nicht? Ist Empathie entwickeln nicht ein Wert? Ist dieser Wert nicht auch Kultur abhängig? Ist die Weiterentwicklung nicht die "Nächstenliebe"? Ohne in schlauen Büchern nachgelesen zu haben, waren dies die Gedanken, die mir kamen.
Erna

Ursula

Beitrag von Ursula » Freitag 21. Oktober 2005, 16:45

Ich sehe die Wertedebatte zwar sehr viel skeptischer als Erna, bin aber aus anderen Gründen der Meinung, dass der Wert der Innerlichkeit nicht zufällig in dem Sammelband auftaucht und auch ansonsten für Chefideologen von großer Bedeutung ist. Wie der Aufsatz von Flach unterstellt, ist die Vorhersagbarkeit des menschlichen Verhaltens von Werten abhängig. Der beste Weg, gesellschaftlich notwendige Ziele (z. B. Erhöhung der Geburtenrate) zu erreichen ist es doch wohl, wenn man den inneren Kern ansprechen kann.

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