Freiheit, Sklaverei und die moderne Konstruktion der Rechte

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Freiheit, Sklaverei und die moderne Konstruktion der Rechte

Beitrag von Admin » Donnerstag 28. Juli 2005, 14:29

Freiheit, Sklaverei und die moderne Konstruktion der Rechte
Orlando Patterson

Moderation: Horst Glameyer

Die Diskussion beginnt am 1. August 05

Horst Glameyer
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Freiheit, Sklaverei und die moderne Konstruktion der Rechte

Beitrag von Horst Glameyer » Donnerstag 28. Juli 2005, 19:23

Zur Eröffnung der Diskussion zwei Fragen zum Thema:

(1) Vor dem Hintergrund der Kolonialgeschichte Europas und des heutigen globalisierten Welthandels, in dem die Industriestaaten ihre Produkte häufig erheblich subventionieren, stellt sich die Frage, wie berechtigt die Forderung in der Bangkok-Erklärung der Länder des Nahen und Fernen Ostens ist, die ökonomische Entwicklung in den Rang eines Menschenrechts zu erheben und damit zum Bestandteil von Freiheit zu machen. (s. dazu die Einführung des Buchkapitels auf Seite 164 und die Zusammenfassung)

(2) Ist der kulturelle Dreiklang des Freiheitsbegriffs nach Patterson hinsichtlich von Freiheit als Machtausübung, als bürgerliche politische Mitbestimmung und als persönliche Freiheit nach wie vor aktuell?
(s. dazu das Buchkapitel und die Zusammenfassung)

Es empfiehlt sich, die Diskussionsbeiträge zur jeweiligen Frage mit (1) oder (2) zu kennzeichnen.
Allen Diskussionsteilnehmern herzliche Grüße Horst Glameyer

WernerT

Menschenrechte: universell oder nicht?

Beitrag von WernerT » Montag 1. August 2005, 21:59

Wie ist das nun: sind Freiheit und Menschenrechte universell oder nicht?

Mir scheinen sie zumindest nicht ganz so un-universell, wie sie von jenen notorischen Macho-Staaten hingestellt werden.

Eng mit den Menschenrechten verknüpft scheinen mir einige Aussagen, die Hans Küng in seinem „Projekt Weltethos“ macht. Zum einen tritt die Nächstenliebe in allen Weltreligionen in irgendeiner Form auf, im Islam als Forderung nach Gerechtigkeit und guten Werken. Zum anderen kennen alle Religionen die Goldene Regel: „Was du selbst nicht wünschst, das tue auch nicht anderen Menschen an“.

Damit sind Menschenrechte durchaus universell. Und nach der Goldenen Regel ist auch die Freiheit universell: Da niemand sich gern seine Freiheit beschneiden lässt, darf man sie auch keinem anderen beschneiden. Gleichfalls aus der Goldenen Regel leitet sich allerdings auch eine Einschränkung ab: Die eigene Freiheit muss sich der Notwendigkeit von Grenzen gegenüber der des Nachbarn bewusst sein und diese Grenzen respektieren.

In jenem Angriff auf die Menschenrechte geht es um pure Macht, und zwar um die Macht derer, die aus der Missachtung von Freiheit und Menschenrechten ihren Gewinn schöpfen. Auf der Grundlage dieser Missachtung dann noch die Erhebung der wirtschaftlichen Entwicklung zum Menschenrecht zu fordern, ist Hohn und Perfidie zugleich. Denn diese Art „Menschenrecht“ bedeutet in den Unterzeichnerstaaten kaum etwas anderes als das Recht der Machthaber, sich hemmungslos zu bereichern.

Selbstverständlich darf man nicht übersehen, dass auch „Der Westen“ einige Probleme mit den Menschenrechten hat, und dass das gegenwärtige Freiheitsverständnis im Sinne eines schrankenlosen Hedonismus durchaus ein paar Fragezeichen verdient. Darüber lässt sich (unter anderem) gut weiterdiskutieren.

Horst Glameyer
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Menschenrechte und Freiheit

Beitrag von Horst Glameyer » Dienstag 2. August 2005, 22:20

Lieber Werner T.,
ich bitte um Nachsicht, dass meine Anmerkung zu Menschenrechten und Freiheit recht lang ausfällt; aber vielleicht kann sie zur Klärung des Sachverhalts ein wenig beitragen.
(1) Die erste politisch wirksame Deklaration der Menschenrechte findet sich in der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung und in der Erklärung der Rechte von Virginia, beide aus dem Jahr 1776. Bekanntlich hat sie in den Südstaaten der USA nicht sogleich zur Sklavenbefreiung und später zur Abschaffung der noch lang andauernden Rassentrennung von Weißen und Schwarzen geführt.

"Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte" findet sich erst in der UN-Resolution 217 A (III) vom 10.12.1948; nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Ihr folgten "Die Europäische Erklärung zum Schutze der Menschenrechte" und die Grundrechte-Charta der Europäischen Union. 1959 wurde der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte eingerichtet. Es braucht eben alles seine Zeit.
Zwischen der ersten und der jüngsten Menschenrechtserklärung liegen fast 200 Jahre. Außerdem entstanden sie in den USA und nach der UN-Erklärung auch in Europa, aber weder in Asien, Afrika noch in Mittel- und Südamerika, die lange Zeit unter europäischer Kolonialherrschaft standen und rücksichtlos ausgebeutet wurden. Gewiss, die Kolonialherren machten sie auch mit dem Christentum bekannt und zeigten ihnen die europäische Lebensart.

Dazu einige Beispiele aus der Kolonialgeschichte:

Der britisch-chinesische Krieg von 1839-1844, als Opiumkrieg bekannt, entzündete sich am totalen Opiumeinfuhrverbot des Kaisers Taogung. Offensichtlich hatte der Mann etwas gegen Drogen. China wurde schließlich gezwungen, Honkong an Großbritannien abzutreten, musste christliche Missionare ins Land lassen, hatte am Ende mit den Siegermächten, darunter Frankreich und die USA, ungleiche Verträge abzuschließen und verlor die Zollautonomie. In der Folge wurde China von ausländischen Waren überschwemmt.
Im Sommer 1898 brach infolge einer Flut- und Dürrekatastrophe in Norchina der Boxeraufstand aus. In Peking wurde der deutsche Gesandte ermordet. Acht Mächte, darunter auch Deutschland ("Germans to the front!"), beteiligten sich an der Niederschlagung. Das Expeditionskorps rückte am 14.08.1900 in Peking ein.
Die deutsche Schutztruppe in der Kolonie Deutsch-Südwestafrika (Namibia) schlug 1904 den Herero-Aufstand in der Schlacht am Waterberg nieder und trieb danach Zehntausende (Männer, Frauen und Kinder) in die Wüste Kalahari, wo sie verdursteten und verhungerten.
Der Mitbegründer der modernen Bakteriologie und Nobelpreisträger Robert Koch (1841-1910) soll in der Kolonie Deutsch-Ostafrika (Tansania) medizinische Experimente an Afrikanern vorgenommen haben, von denen einige tödlich ausgingen.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs setzte die Entkolonisierung in der "Dritten Welt" ein. In Indien, Pakistan und Ceylon erfolgte sie 1947/48 dank Mahatma Ghandis und des britischen Vizekönigs friedlich, abgesehen von dem nachfolgenden Massaker zwischen Hindus und Moslems infolge der Teilung Indiens. Auch die Kämpfe zwischen Tamilen und Singhalesen auf Sri Lanka haben ihren Ursprung in der einstigen Bevorzugung der Tamilen während der britischen Kolonialherrschaft.
1949 befreite sich das indonesische Inelreich von den Niederlanden. Auch Frankreich wollte seine Kolonialherrschaft in Indochina nicht kampflos aufgeben. Erst am 7. Mai 1954 kapitulierte das französische Expeditionskorps. Anschließend wütete von 1954 bis 1962 der Algerienkrieg, während in Vietnam die USA bis 1973 den Krieg gegen das kommunistische Nordvietnam fortsetzten. Dabei versprühten sie das Entlaubungsgift "Agent Orange", das u.a. in Deutschland hergestellt worden sein soll, und setzten auch gegen Zivilisten Napalm ein. Das Massaker von My Lai erregte weltweites Entsetzen. Ferner wurden Kambodscha und Laos in das Kriegsgeschehen hineingezogen.
Als 1998 in Burundi zwischen den Hutu und Tutsi der Bürgerkrieg ausbrach, kam es zu grauenvollen Massakern, nicht zuletzt weil die UNO ihre Blauhelmtruppe zurückzog und dem Geschehen freien Lauf ließ.

Vergessen wir nicht, zu dieser Zeit existierte bereits seit 1948 "Die Allgemeine Erklärung der Menchenrechte" der UNO. Die Menschenrechte sind zwar universell; aber gelten sie wirklich überall und werden sie gegenüber jedermann und allen Völkern beachtet? Ein gewisses Misstrauen der Menschen außerhalb Europas und der USA erscheint mir verständlich.
Während des Imperialismus wurden die Kolonien ihrer Rohstoffe beraubt und Plantagen zum Nutzen der Kolonialherren angelegt. Der Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus gedachte man aus Anlass ihrer 500jährigen Wiederkehr in Europa und den USA mit gewissem Stolz. Den Mittel- und Südamerikanern fehlte es dagegen aus verständlichen Gründen an Begeisterung.

Wir sprechen gern ein wenig herablassend von Entwicklungs- und Schwellenländern wegen ihrer wirtschaftlichen Rückständigkeit. Von ihren Machthabern aber haben etliche in Europa und den USA studiert. Was mögen sie hier gelernt haben?
Wer in politischer oder wirtschaftlicher Abhängigkeit lebt, einerlei von wem, das können korrupte Herrscher oder multinationale Konzerne sein, der ist nicht wirklich frei.
Übrigens hat sich erst gestern, 60 Jahre nach Kriegsende, das japanische Parlament in einer Erklärung bei den asiatischen Völkern für das Leid entschuldigt, das sein Land ihnen zugefügt hat.
Mit freundlichem Gruß
Horst

Horst Glameyer
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Literaturhinweis:

Beitrag von Horst Glameyer » Mittwoch 3. August 2005, 02:18

Leseempfehlung zu (1):
Mike Davis: Die Geburt der Dritten Welt. Hungerkatastrophen und Massenvernichtung im imperalistischen Zeitalter. Verlag Assoziation A, Berlin 2004.

WernerT

Theorie und Praxis

Beitrag von WernerT » Mittwoch 3. August 2005, 21:06

Lieber Horst,

schönen Dank für deine realistische Schilderung unserer europäischen Praxis der Menschenrechte! Das macht einem doch recht plausibel, dass unsere in der Theorie so schöne Ethik bei anderen Völkern auf Skepsis stößt.

Immerhin stimmt mich ein wenig hoffnungsvoll, dass die Idee von Freiheit und Demokratie über die EU hinaus in die östlichen Regionen Europas und die daran angrenzenden Staaten ausstrahlt.

Ein kleiner Einwand zu deinem Abschnitt über die Menschenrechte. Mir ging es nicht darum, wann die Menschenrechte als Begriff entstanden, vielmehr wollte ich zeigen, dass ihr wesentlicher Gehalt von allen Religionen mit getragen wird, also auch in allen Weltgegenden seit langem als ethische Forderung gültig ist.

Helmut K. Doerfler

Beitrag von Helmut K. Doerfler » Donnerstag 4. August 2005, 02:20

Erfreulich, lieber Horst, Deine fundierte Argumentation, die mir allerdings noch etwas zu unökonomisch klingt: Wer über die Rohstoff- und Arbeitsmärkte der "Dritten Welt" so nachhaltig gebietet, kann leicht über westliche Freiheits- und (andere) Menschen-Rechte Sonntagsreden halten. :lol:

Horst Glameyer
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Religionen und Wirtschaft

Beitrag von Horst Glameyer » Donnerstag 4. August 2005, 15:02

Lieber Werner T.,
darin stimme ich dir zu, dass alle Weltreligionen allgemeingültige ethische Grundsätze vertreten. Von A. Loisy ist das Apercu überliefert: "Jesus verkündete das Reich Gottes, es kam aber nur die Kirche!" Das Christentum wurde in vergangener Zeit häufig gewaltsam verbreitet, und die unterschiedlichen Bekenntnisse führten lang anhaltende Religionskriege (30jähriger Krieg in Deutschland, Vertreibung der Hugenotten aus Frankreich nach der berüchtigten Bartholomäusnacht und unter der Kaiserin Maria Theresia wurden Protestanten während der Gegenreformation verjagt).
Unter der grünen Fahne des Propheten Mohammed erfolgten islamische Eroberungen bis nach Spanien und Indien zur Verbreitung des "wahren" Glaubens.
Allein der Buddhismus (ursprünglich ein Glaube ohne Gott und Götter) verbreitete sich friedlich, und trotz unterschiedlicher Strömungen (Tibetanischer Buddhismus, Kleines und Großes Fahrzeug, Zen-Buddhismus) gab es keine religiösen Bekenntniskriege. Selbst der mongolische Kaiser Kubilai Khan in China (1215-1294) führte mit Mönchen bei den nomadischen Mongolen den Buddhismus ein. Das soll nach Meinung von Religionshistorikern daran gelegen haben, dass neben den Mönchen hauptsächlich Kaufleute diesen Glauben in den asiatischen Ländern verbreiteten.
Der Hinduismus war lange Zeit für seine Toleranz bekannt; doch das hat sich nach der Teilung Indiens geändert. Inzwischen wissen wir auch von den Kämpfen zwischen den hinduistischen Tamilen und den buddhistischen Singhalesen auf Sri Lanka.
Natürlich dienen bei all diesen kriegerischen Auseinandersetzungen die Religionen als Vorwand, um wirtschaftliche und machtpolitische Ziele durchzusetzen, weil man man mit ihnen die Gefühle der Streitenden gegen die jeweils Anders- oder Ungläubigen mobilisieren kann.

Lieber Dieter K.,
leider ist das von mir empfohlene Buch "Die Geburt der Dritten Welt" mit Euro 29,50 recht teuer; aber es lohnt sich, wenigstens einen Blick hinein zu werfen. Schon zu Beginn werden die grauenvollen Hungersnöte in Indien unter der britischen Kolonialherrschaft dargestellt, denen Zig-Millionen Inder zum Opfer fielen. Es waren keineswegs nur die Naturkatastrophen, sondern vor allem die rücksichtslose Durchsetzung der "freien" Marktwirtschaft mit hohen Getreidepreisen, hohen Steuern und erbarmungslosen Arbeitsmaßnahmen für die bereits unterernährten, verarmten und hoch verschuldeten Bauern mit ihren Familien, die deren Tod gnadenlos herbeiführte. Ungeachtet der herrschenden Hungersnot wurden Millionen Tonnen Getreide von Indien nach England exportiert, die Speicherung von Wasser- und Getreidevorräten in Indien aus finanziellen Gründen vernachlässigt. Darüber hinaus war es nach der damaligen malthusianischen Ideologie nicht sinnvoll, die 'überzählige' Bevölkerung durch Hilfsmaßnahmen, die nur Geld kosteten, am Leben zu erhalten.

Horst Glameyer
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Korrektur

Beitrag von Horst Glameyer » Donnerstag 4. August 2005, 15:10

Lieber Helmut K., ich bitte um Verzeihung für meine Namensverwechslung. Herzlichen Gruß Horst

Horst Glameyer
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Menschenrechte und die Ökonomie der Gegenwart

Beitrag von Horst Glameyer » Donnerstag 4. August 2005, 19:41

Lieber Helmut K.,
um auch einen Blick auf die Menschenrechte und die Ökonomie der Gegenwart in der "Dritten Welt" zu werfen, empfehle ich den Interessierten das Buch "No Logo! Der Kampf der Global Players um Marktmacht. Ein Spiel mit vielen Verlierern und wenigen Gewinnern." von der kanadischen Journalistin Naomi Klein. Erschienen im Riemann-Verlag (Unternehmen der Bertelsmann Verlagsgruppe), 3. Auflage 2000.

Lesenswert ist auch das Buch des Professsors für Wirtschaftsethik der Universität St. Gallen, Peter Ulrich: "Integrative Wirtschaftsethik. Grundlagen einer lebensdienlichen Ökonomie." Verlag Haupt. Bern, Stuttgart, Wien, 2. Auflage 1998.

Helmut K. Doerfler

Beitrag von Helmut K. Doerfler » Freitag 5. August 2005, 18:35

:D Lieber Horst G.: Dank für die wertvollen Buchtips! Als Revanche: Ich lese gerade "Das Gleichgewicht der Welt" von Rohinton Mistry (Fischer TB), das Bombay 1975 aus der Perspektive der unteren Kasten und der Armen beschreibt. "Einer der großen Erzähler unserer Zeit (FAZ)".
Herzlich Helmut

Gast

Der kulturelle Freiheitsbegriff nach Orlando Patterson

Beitrag von Gast » Sonntag 14. August 2005, 14:39

(2) Es fällt auf, dass Orlando Patterson in seinem Kapitel zwar die Sklavenbefreiung (persönliche Freiheit) und die Entwicklung moderner politischer Mitbestimmungsrechte der europäischen Siedler in den USA behandelt; aber ihre Verdrängung der Indianer in Reservate unerswähnt lässt, wo den Indianern die beiden letztgenannten Rechte verblieben sind.
Offensichtlich gehörte die Landnahme auf Kosten anderer zu allen Zeiten bis in die Gegenwart zum Recht und zur Freiheit des Stärkeren, mit Ausnahme innerhalb einer bestehenden Gemeinschaft, in der Gesetze den Schwächeren Rechtsschutz gewähren. Ein amerikanischer Psychologe war der Meinung, die Weltgeschichte werde weitgehend vom menschlichen Stammhirn, der ältesten Hirnregion, bestimmt, das seit altersher auf Beutemachen und Besitzverteidigen ausgerichtet ist.

Renate Bowen

Freiheit, Sklaverei usw.

Beitrag von Renate Bowen » Dienstag 30. August 2005, 15:05

Horst fragt in seiner Moderation, ob wir das dreistimmige Konzept der Freiheit, das von Orlando Patterson beschrieben wird, noch als aktuell empfinden.

Die Vorstellung von persönlicher und bürgerlicher Freiheit ist auch heute in unserem Denken verankert. Die souveräne Freiheit kann man in dieser Form wohl nicht mehr als einen Wert aufrechterhalten.
Es wird im Text erwähnt, dass der Aspekt "...souveräne Freiheit ist die Möglichkeit, das zu tun, was man will, und zwar sowohl in bezug auf uns selbst als auch in bezug auf andere", heute stärker umstritten sei. Für Menschen in anderen Jahrhunderten war diese Aussage zur souveränen Freiheit ein respektiertes Recht.
Für uns ist der Gedanke, dass unsere Freiheit dort endet, wo wir andere schädigen, allgemein anerkannt. Ich schädige jedes Individuum, das ich in seiner eigenen Freiheit einschränke, schon wenn ich versuche, es zu manipulieren.

In jedem Jahrhundert geschieht Unrecht, werden Menschen unterdrückt. Die Siedler in den Südstaaten der USA benötigten Arbeitskräfte und kauften sich diese. Ihnen fehlte sogar das Unrechtsbewusstsein. Es ist mir vor der Lektüre des Kapitels über die Freiheit und Sklaverei niemals der Gedanke gekommen, dass man den Begriff der Freiheit in diesem Zusammenhang nennen könnte. Wie sehr werden Menschen vom Zeitgeist beeinflusst, wenn Eliten damals meinten, dass Sklaven Eigentum seien, und das Eigentumsrecht integraler Bestandteil der Freiheit sei.

Wir müssen gar nicht Jahrhunderte zurück blicken, um den Wandel des Begriffs von Freiheit und Rechten zu erkennen. In der Kindererziehung gibt es heute in Deutschland ganz andere gesetzlich verankerte Rechte der Kinder und Jugendlichen und die Einschränkung des Elternrechts als vor 50 Jahren.

Wenn Begriffe sich so schnell wandeln, vielleicht sollte man sich dann auch fragen, ob diese Erklärung von Bangkok zur Freiheit der Menschen und den universellen Menschenrechten nicht etwas Wahres aussagt. Gehört die ökonomische Entwicklung nicht auch in den Rang eines Menschenrechts?

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