Erste Eindrücke

Archiv für Sachbuch vor 2007
Werner

Kunst

Beitrag von Werner » Donnerstag 2. Juni 2005, 11:18

Hallo Horst,
sensibiliert durch Deinen Text, habe ich "Die kulturellen Werte Europas"
auf einen Hinweis auf die unvergänglichen Werte europäischer Kunstschätze durchforstet
Das Forum für Verantwortung hat offensichtlich ein anderes Verständnis von Kultur.
Aber andrerseits, Kunst und Kunstverständnis ist ein "globales" Phänomen.
Die UNESCO-Liste des Welterbes enthielt allein bis 2004 schon 611 Kulturdenkmäler. Die Liste der Standorte ist beeindruckend.
www.wikipedia.de Suchwort"Welterbe"
Im Kulturmagazin des NDR wurde am Montagabend der Verfassungsentwurf der Europäischen Union nach kulturrelevante Begriffe durchsucht. Erschreckend. Kultur und Kunst sind anscheinend keine relevanten Werte.
Den uns vorgegeben Text werde ich mir jetzt unter dem Gesichtspunkt welche Werte denn da gemeint sind anschauen.

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ellen
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Auf die Bremse treten

Beitrag von ellen » Montag 6. Juni 2005, 16:45

Es ist eigentlich eine Freude zu lesen, wie eifrig Ihr schon mit dem Thema unterwegs seid. Allein, wir sollten vielleicht tatsächlich erst am 1.07. beginnen. Zum einen haben wir noch ein bißchen mit der letzten Leserunde zu tun und zum anderen sind wir hier in Ulm dabei die Webseiten neu zu gestalten. Wir müssen ja nach Ende des Modellprojekts GemeinsamLernen unsere Lernprojekte auf den ViLE-Seiten unterbringen. Das heißt auch, für Gemeinsam Lesen ein Ende und einen neuen Anfang zu finden.
Was die Strukturierung dieses neuen Leseprojektes "Kulturelle Werte Europas" anbetrifft: Ich denke, daß alle mit Zusammenfassung und drei Fragen (oder auch wenige mehr) pro Kapitel durch 2 Verantwortliche einverstanden sind? Etwas unklar ist noch, wie lange wir an einem Kapitel lesen und diskutieren wollen. Da hätten wir gerne noch Vorschläge. Hintergrundinformationen usw. vielleicht so, wie Carmen in ihrer Mail vom 18. Mai beschrieben hat?
Wenn ich persönlich was dazu sagen darf: Zunächst sollten die Moderatoren den Zeitbedarf für ihr Kapitel selber festlegen. Ich denke nämlich, daß nicht alle Kapitel mit 4 Wochen "zufrieden" sind. Es sei denn, wir wollen das so und verlängern nur nach Stand der Diskussion bzw. schließen rigoros und würgen damit das eine oder andere Gespräch ab. Aber länger als 6 Wochen scheint wenig sinnvoll.
Wenn ich es recht überschaue, dann sollten wir mit der Einführung von Joas anfangen. Ohne zu wissen, was denn hier mit "Werten" gemeint ist, können wir vielleicht schlecht anfangen. Jedenfalls hoffe ich, daß man seine Vorstellungen auch für die anderen Kapitel gebrauchen kann und das da nicht die Sichtweisen durcheinander geraten. Aber irgend etwas Grundsätzliches braucht man wohl am Anfang. Auch wenn ich mir etwas anderes gewünscht hätte ...
P.S. Ich bin bereit das Mittelalter-Kapitel von Borgolte zu übernehemen.

Erna
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Antwort zu 'Werte'

Beitrag von Erna » Dienstag 7. Juni 2005, 13:56

Ich freue mich, genau wie Ellen, dass es schon so lebhaft zugeht. Vor allem aber freut es mich, dass auch Werner mit dabei ist und einen so langen Artikel geschrieben hat.
Durch das Gespräch über Werte, das angefangen hat, bin ich der Meinung, hier müßte eine Begriffserklärung her. Schaut doch mal nach, was 'Werte' bedeutet. Ich mach es auch. Bisher habe ich den Islam gelesen und die Einführung. Wäre schön, sich darüber auszutauschen!

MariaGM
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Beitrag von MariaGM » Dienstag 7. Juni 2005, 16:00

Liebe „Wertesuchende“,

Wenn ich das neue Projekt richtig verstanden habe, soll es bei unserer Diskussion nicht in erster Linie um unsere persönliche Meinung gehen, sondern wir wollen uns zunächst die Beiträge im Buch „Die kulturellen Werte Europas“ ansehen.
Eine kritische Stellungnahme ist nur möglich, wenn wir versuchen, diese Beiträge genauer zu verstehen.

Ich habe mich mit der Einleitung und dem ersten Kapitel näher beschäftigt und will hier einige Gedanken wiedergeben.
Da die Texte nicht gerade einfach sind und wahrscheinlich nicht alle Teilnehmer jedes Kapitel intensiv lesen wollen, finde ich den Vorschlag, dass jeweils ein Interessierter eine Zusammenfassung eines Kapitel macht, nicht schlecht.

Ich wäre bereit, mich um die „Achsenzeit“ kümmern.

Hier einige Gedanken, die ich der Einleitung entnommen habe.
Ich möchte damit zeigen, dass es durchaus Sinn macht, bei unsrer „Wertesuche“ so weit zurückzugehen.
Eisenstadt fasst den Begriff allerdings weiter als Jaspers und ermöglicht so einen direkteren Blick auf die Gegenwart.


Der Begriff der Achsenzeit geht auf Karl Jaspers zurück. In seinem 1949 erschienen Buch „Vom Ursprung und Ziel der Geschichte“ weißt er darauf hin, dass alle großen Weltreligionen und die antike griechische Philosophie in der Zeit zwischen 800 und 200 v. Chr. ihren Ursprung haben bzw. auf diesen Zeitraum zurückgeführt werden können.
Er nennt u.a. Konfuzius, Laotse, Buddha, Zarathustra, die Propheten in Palästina, Homer, Heraklit und Plato.
Achsenzeitliche Traditionen haben Europa geprägt. Eine genauere Betrachtung kann also helfen, unsere heutige Zeit besser zu verstehen.

Obwohl die Prozesse der Achsenzeit unabhängig voneinander abliefen, haben sie gemeinsam, dass systematische Reflexionen über die Grundbedingungen menschlicher Existenz das mythische Zeitalter ablösten.
Damit war eine wechselseitige Verständigung zwischen diesen Achsenzeitkulturen möglich.

Als die Wissenschaftler in der 1970er Jahren die Idee der Achsenzeit wieder aufgriffen, fassten sie die Gemeinsamkeit all dieser Religionen und Philosophien im Begriff der Transzendenz zusammen.
Gemeint ist damit die Tatsache, dass es zu einer scharfen Trennung zwischen dem Weltlichen und dem Göttlichen kam. Im mythischen Zeitalter war das Göttliche in der Welt und Teil der Welt. Die Geister und Götter waren direkt beeinflussbar und manipulierbar, weil sie eben Teil der Welt waren.
Der neue Gedanken besteht darin, dass das Göttliche das Eigentliche, das Wahre ist. Das Irdische kann diesem Vollkommenen gegenüber nur defizitär sein.
Daraus ergeben sich Spannungen mit erheblichen Konsequenzen.
So kann der Herrscher nicht mehr gottgleiche sein. Er ist von dieser Welt und muss sich vor den göttlichen Postulaten, die ja einen andern Ort haben, rechtfertigen. Man kann immer darauf hinweisen, dass er den göttlichen Geboten nicht genügt. Diese neue Form der Herrschaftskritik, verändert die historischen Prozesse.
Gleichzeitig wird es jetzt möglich, radikaler über den richtigen Gott oder die Auslegung der göttlichen Gebote zu streiten. Es kommt zu Konflikte zwischen unterschiedlichen Kollektiven. Intellektuelle – Priester, Propheten – spielen eine immer größere Rolle. Sie haben die Aufgabe, den „Willen“ der Götter zu interpretieren. Gesellschaftliche Ordnung lässt sich gemäß den göttlichen Vorgaben verändern.
Der israelische Soziologe Shmuel Eisenstadt hat aus diesen Gedanken ein breites Forschungsprojekt entwickelt.

Erna
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Beitrag von Erna » Dienstag 7. Juni 2005, 18:35

Hier die Definition von 'Werte'
Lexikon. sociologicus
Gesellschaft. Lexikon der GrundbegriffeWerbung Wertfreiheit, Wertneutralität
WerteWerte sind Richtlinien oder Zielvorstellungen in einer Gesellschaft. Zum Beispiel waren in der biblischen Gesellschaft (des alten Israel) die Zehn Gebote der Versuch einer Durchsetzung von Werten. Werte sind damit Verhaltensziele, von denen Verhaltensanweisungen (Normen) abgeleitet werden. "Du sollst nicht töten!" (auch dich selbst nicht) ist eine Verhaltensanweisung oder eine Norm, die davon abgeleitet ist, daß das Leben etwas Wertvolles ist. In einem Krieg verschiebt sich diese Wertvorstellung zugunsten des Wertes " Heimat" (Vaterland, Nation). Entsprechend verändern sich die Verhaltensanweisungen: Nun soll man töten (vernichten) und auch sein eigenes Leben opfern.Die in einer Gesellschaft entwickelten Werte bilden zusammen ihr Wertsystem. Jede Kultur hat ihre eigenen Wertvorstellungen und somit ihr eigenes Wertsystem. In unserer Kultur stehen die Werte " Ordnung", " Sicherheit" und "Privateigentum" sehr hoch.
© 1999 - bearbeitet am: 05.07.1999

Horst Glameyer
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Die kulturellen Werte Europas

Beitrag von Horst Glameyer » Dienstag 7. Juni 2005, 19:39

Zur Definition der Werte im Lexikon sociologicus: Danach stehen in unserer Kultur "Ordnung", "Sicherheit" und "Privateigentum" in unserer Kultur in einer nicht näher genannten Rangordnung an herausragender Stelle. Ich frage mich, wo mag die "Freiheit", wie sie Orlanda Patterson in seinem Beitrag behandelt, angesiedelt sein? Möglicher Weise beim Privateigentum? Wie steht es mit den Wertbegriffen der Französichen Revolution "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit"?
Zum biblischen Gebot "Du sollst nicht töten" erklärte mir mein israelischer Briefpartner bei einer Diskussion über die Todesstrafe, dass der hebräische Text "Du sollst nicht morden" lautet. Zwischen "töten" und "morden" bestünde demnach ein Unterschied. Die deutsche Übersetzung in ihrer umfassenderen Bedeutung könnte auf einen kulturellen, spezifisch christlichen Unterschied hinweisen, was allerdings die Übertretung des Gebotes kaum verhindert hat.

Erna
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Beitrag von Erna » Mittwoch 8. Juni 2005, 09:52

Ich fände es gut, wenn man noch in anderen Enzyklopädien nach Definitionen suchen würde. Denn das kann ja wirklich nicht alles sein, was Werte ausmacht.

Erna
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Beitrag von Erna » Mittwoch 8. Juni 2005, 14:42

Eine Definition von Werte von Wikipedia:
''Dieser Artikel befasst sich mit Werten als Wertevorstellungen, geht also [[Soziologie|soziologisch]] vor. Weiteres siehe: [[Wert (Begriffsklärung)]], [[Wert]]''
----

'''Werte''' sind Eigenschaften (Qualitäten), die Dingen, Ideen, Beziehungen u.a.m. von Einzelnen (sozialen [[Akteur]]en) oder von [[soziale Gruppe|Gruppe]]n von Menschen oder von einer [[Gesellschaft]] beigelegt werden, und die den Wertenden sehr wichtig und wünschenswert sind. Man kann hierbei zwischen materiellen Werten und immateriellen Werten unterscheiden. Werte sind die konstitutiven Elemente der [[Kultur]], sie definieren Sinn und Bedeutung innerhalb eines Sozialsystems (Gruppe, Gesellschaft, etc.)

Durchaus denkbar, dass Anderen die gleichen "Werte" absolut unwert, abscheulich, verfolgenswürdig oder verächtlich vorkommen. Warum und wie so oder anders bewertet wird, bearbeiten die [[Sozialwissenschaften]], was die Werte taugen, ist Gegenstand der [[Philosophie]].

Aus Werten (z.B. dem Wert der Achtung des [[Eigentum]]s) lassen sich [[soziale Normen]] (konkrete Vorschriften für das [[soziales Handeln|soziale Handeln]]) ableiten - z.B. "Wer eine fremde bewegliche Sache, in der Absicht, sie sich anzueignen, wegnimmt ...". Doch gehen historisch [[konkret]]e Gebote wie "Du sollst nicht stehlen!" oft ihren Wert-Abstraktionen voraus. Werte sind ein zentraler Bestandteil vieler Verhaltensvorschriften, jedoch sind sie nicht selber Verhaltensvorschriften.

Werte werden häufig über die [[Sozialisation]] an nachfolgende [[Generation]]en weiter gegeben. Dies geschieht jedoch nicht vollständig, so lässt sich beispielsweise in den westlichen Industriegesellschaften innerhalb der letzten Jahrzehnte ein [[Wertewandel]] weg von materiellen und hin zu post-materiellen Werten beobachten (vergleiche hierzu die Wertewandeltheorie von [[Ronald Inglehart]]). Die Ursachen für den Wertewandel sind vielfältig (veränderte Umweltbedingungen, Konflikthaltung gegenüber anderen Generationen, etc.). Werte unterscheiden sich von Einstellungen darin, dass Werte stabiler sind.

Das System aller Werte ist nicht widerspruchsfrei: Zum einen stehen einige Werte untereinander in einem [[immanent]]en [[Konkurrenz]]verhältnis. So steht z.B. der Wert des [[Wohlstand]]s im [[Konflikt]] mit dem Wert der [[Nachhaltigkeit]]; oder der Wert der individuellen Freiheit steht im Widerspruch zu nahezu allen anderen Werten. Zum anderen können in einer konkreten Situation Werte miteinander in Konflikt treten, die abstrakt gesehen miteinander vereinbar scheinen. Es ist dann nicht möglich, sich so zu verhalten, dass man allen Werten gleichzeitig gerecht wird. Jedoch werden auch nicht alle Werte als gleichrangig angesehen, so dass auch in solchen Fällen meist eine mehr oder wenige klare [[Handeln|Handlung]]sorientierung gegeben ist.

Problematisch ist auch, wie man die allgemein anerkannten Werte durchsetzt. Aus egoistischer Sicht ist es manchmal vorteilhafter, sich nicht an Wertvorstellungen zu halten, insbesondere dann, wenn man eine gute Chance hat, nicht erwischt zu werden. Deswegen muss eine Gesellschaft ein moralisches und materielles Sanktionssystem aufbauen, damit die Werte möglichst gut von allen eingehalten werden. Ist dieser Druck zu groß, beschneidet man allerdings wieder die individuelle Freiheit des Einzelnen.

== Wichtige Werte unserer Gesellschaft ==

Im [[Grundrechtsteil]] des [[Grundgesetz]]es werden einige grundlegende Wertvorstellungen in geltendes Recht umgesetzt. Der Grundrechtsteil gibt insoweit auch eine Rangfolge vor. Jedoch bilden die juristisch abgesicherten Grundwerte nur den kleineren Teil der Wertvorstellungen.

*[[Menschenwürde]]
*Einhaltung der [[Menschenrechte]]
*die freie Entfaltung der Persönlichkeit, soweit sie nicht andere Rechte oder Normen verletzt
*[[Gleichberechtigung]] unabhängig von Geschlecht, Abstammung, Rasse, Sprache, Heimat, Herkunft, Glauben, politischen Anschauungen
*[[Menschlichkeit]] = [[Humanität]]
*[[Freiheit]]
*[[Gerechtigkeit]]
*[[Wahrheit]]
*[[Offenheit]]
*[[Toleranz]]
*[[Wohlstand]]
*[[Sicherheit]]
*[[Nachhaltigkeit]]
*[[Umweltschutz]]
*[[Tierschutz]]
*[[Solidarität]]
*[[Fröhlichkeit]]
*[[Würde des Einzelnen]]
* finanzielle Sicherheit
* Schutz vor Krankheit und Naturkatastrophen

== Siehe auch ==
[[Ethik]], [[Moral]], [[Wertewandel]], [[Tugend]], [[Sittlichkeit]], [[Preußische Tugenden]], [[Sekundärtugend]], [[Grundgesetz]], [[Grundbedürfnis]], [[Quartiarisierung]]

Werner

Zwischenstand?

Beitrag von Werner » Sonntag 26. Juni 2005, 11:44

Meine lieben, an „europäische kulturelle Werte“ Interessierte.
Zurzeit stehe ich etwas auf dem Schlauch.
Einerseits bittet Carmen über Birgit um meine Meinung, ob das künftige Forum offen
oder geschlossen sein sollte, und um die Meldung, welchem Titel man sich widmen will.
Von Birgit wird mir der Eingang meiner Antwort auf besagter Mail bestätigt, jedoch eine Reaktion auf die Zeit nach dem 3.Juli angekündigt. Jetzt ging ich davon aus, dass Birgits Postfach während ihres Urlaubs doch weiter geöffnet wird. Dann finde ich jedoch auf einer anderen Schiene (Forum) Carmens Klage, dass zuwenig Rückmeldung komme. Laufen hier unterschiedliche Kommunikationsstränge?
Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass wir eigentlich schon mitten in der Materie gewesen wären.
Ein wenig ungeordnet aber anregend.
Dies bringt mich zu der Frage, wie hätten’s wir denn gerne?
Kapitel für Kapitel? Würde ich bevorzugen, wenn sich im Verlauf der Diskussion auch Rückverweise auf andere Aufsätze ergeben werden.
Welchen Zeitraum man den einzelnen Beiträgen widmen sollte? Eine starre Vorgabe wird
meines Erachtens unpraktikabel sein. Vier Wochen, wenn auch als Höchstgrenze, bedeutet bei achtzehn Beiträgen immerhin anderthalb Jahre! Wer bleibt solange dabei?
(Die Themen sind unerschöpflich, aber ich fürchte, sie haben wenig Relevanz für die anstehenden politischen/wirtschaftlichen Turbulenzen der nächsten anderthalb Jahre.)
Der nächste Punkt wäre dann die Anmoderation, Moderation, Präsentation oder wie auch immer,
durch einzelne Teilnehmer. Grundsätzlich bin ich bereit dies zu tun.
„Die Bejahung des gewöhnlichen Lebens“ sei schon mal gemeldet.
Obwohl ich Marias Hinweis, dass es darum geht die Meinung des Autors zu referieren und nicht den eigenen Standpunkt, gerne beherzigen möchte, aber es erstens, nicht für machbar und zweitens nicht für sinnvoll halte.
Nicht für machbar, weil allein meine Entscheidung für „Die Bejahung des gewöhnlichen Lebens“ bereits eine - positive oder negative – Affinität zu dem Thema beinhaltet. Und, auch nicht ganz ungefährlich, die selektive Wahrnehmung bereitet einem manchen Streich.
Nicht für sinnvoll, weil eine „wertneutrale“ Darstellung nur nötig wäre, wenn der Text anders nicht zur Verfügung stünde. Was spricht eigentlich gegen die Annahme, dass, wer sich durch Beteiligung an diesem Forum für diesen Problemkreis interessiert und mit diskussieren will, die einzelnen Beiträge auch liest?
Verständnisfragen, die sich bestimmt ergeben, können mühelos im Forum geklärt werden.
Sonntägliche Grüße aus Frankfurt
Werner

MariaGM
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Beitrag von MariaGM » Montag 27. Juni 2005, 16:34

Lieber Werner,
ja ich denke auch, wir sind schon mitten in der Diskussion. Verfahrensfragen können auch inhaltlich Schwerpunkte setzen.
Genau wie du, würde ich am liebsten die Kapitel der Reihe nach behandeln. Das Verständnis würde dadurch erleichtert werden und das Buch ist ja auch so angelegt.
Ich habe keine genaueren Zeitvorstellungen, aber wir sollten uns nicht hetzen lassen. Vielleicht haben die einzelnen Kapitel auch verschieden Diskussionsbedarf. Falls es gelingt, für jedes Kapitel einen Verantwortlichen zu finden, könnte der ja in Abstimmung mit der Gruppe den Zeitraum abstecken.

Bei meinem Hinweis, dass ich es für sinnvoll halte; zunächst die Meinung des Autors zu referieren, bin ich davon ausgegangen, dass dieses Buch nicht leicht zu lesen ist und dass nicht jeder, der gerne mitdiskutieren möchte, die Zeit hat, sich eingehend mit JEDEM Kapitel zu befassen.
Es ist sicher nicht einfach, sich über einen ganz bestimmten Aspekt fundiert auszutauschen. Da könnte eine Zusammenfassung Ansatzpunkt für eine genauere Diskussion bieten, ganz gleich, ob sie nun wirklich wertneutral ist oder nicht. Eine gute Diskussion könnte das klären. Sie wäre natürlich nur möglich, wenn möglichst viele genauere Kenntnisse haben.

Um ein solches Projekt wirklich über den erforderlichen Zeitraum durchzuführen, brauchen wir eine Gruppe, die groß genug und motiviert ist.
Nach den Erfahrungen, die ich mit „Gemeinsamlesen“ gemacht habe, frage ich mich allerdings, ob dies möglich sein wird.
Es kann meiner Meinung nach nur gelingen, wenn wir von Anfang an, ganz klare Vorstellungen über unsere Arbeitsweise haben.
Ich selber freue mich auf den Austausch und bin für jede Variante offen.

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ellen
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Erste Festlegungen

Beitrag von ellen » Montag 27. Juni 2005, 16:48

Liebe MitleserInnen,
hier nun einige Informationen aus der "Werkstatt": wir haben heute den Themenstrang zum Projekt Gemeinsam Lesen im ViLE-Forum ganz nach oben auf die Liste gesetzt und aus dem Mitglieder-Bereich heraus genommen. Ihr könnt es jetzt schon sehen. Wir hoffen, daß das nun in Eurem Sinne ist, in unserem ist es so, könnte es doch eine Anregung sein für interessierte Nicht-Mitglieder. Wir haben aus alten GemeinsamLernen-Projekten und ihren Foren die Erfahrung gewonnen, daß z.B. auch über Suchmaschinen der Weg zu solchen Projekten hergestellt wird. Da wäre es schade, wenn dann keine Möglichkeit zum Mitreden wäre.
Zudem werden wir die entsprechenden Beiträge aus dem "alten" Themenstrang in den neuen verschieben, so daß alle bisherigen ersten Eindrücke und Stellungnahmen zum neuen Projekt nachgelesen werden können. Der Strang heißt dann "erste Endrücke". Ich glaube für alle Neuhinzukommende ist dies sinnvoll.

Vorgehensweise: Vier Wochen pro Kapitel sind sicherlich anzustreben. Ob wir allerdings auch alle Kapitel lesen bzw. bearbeiten und diskutieren werden, ist derzeit offen, da ja für alle Kapitel ModeratorInnen vorhanden sein müssen. Aus der Liste auf unserer Webseite (Inhalt) könnt Ihr das dann nachlesen. Derzeit ist diese Liste noch unvollständig. Ob es dann auch immer vier Wochen werden...? Da werden wir sicherlich noch drüber reden müssen, je nach Bedarf.

Eine persönliche Meinung: ich glaube ein spannenderes Gespräch kommt sicherlich zustande, wenn es um den eigenen Standpunkt geht. Das muß ja nicht heißen, das der andere außer acht gelassen wird. Und an irgendwas muß man sich ja reiben. Ein wenig liegt das auch immer an der Moderation. Ich denke, da sollten wir flexibel sein. Maria ist mir eben zuvor gekommen und ich kann jetzt nur noch sagen, daß wir da alle nicht so weit auseinanderliegen.

Soweit der Bericht aus Ulm. Wir arbeiten täglich an der Webseite (trotz Hitze), so daß es sinnvoll sein kann des öfteren mal rein zu schauen.
Ellen

Helmut K.

Beitrag von Helmut K. » Freitag 1. Juli 2005, 12:29

:idea: Also, wenn Horst nicht ältere Ansprüche reklamiert, könnte ich mich für die Moderation von Mark Mazowers "Der dunkle Kontinent - Europa und der Totalitarismus" erwärmen. Obwohl der US-Prof ein in diesem Kontext aus meiner Sicht wichtiges Buch: Hannah Arendt "Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft" nicht einmal per Fußnote erwähnt. Also: Alle MitleserInnen einverstanden?
Helmut K.

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Beitrag von ellen » Freitag 1. Juli 2005, 13:02

Lieber Helmut, habe ich dankbar registriert und gleich in die Liste aufgenommen (siehe Webseite Inhalt)

Wolfgang-S

Plan B

Beitrag von Wolfgang-S » Donnerstag 14. Juli 2005, 00:19

Vor der Abstimmung zur Europäischen Verfassung in Frankreich
war im Falle der Niederlage die Rede von einem Plan B.
Inoffiziell wurde dieser Plan B von einigen Vertretern der
neuen Mitgliedsstaaten gegenüber der JA/NEIN-Abstimung
bevorzugt. Welche Werte stehen im Mittelpunkt eines Plan B?

Auch wenn Luxemburg jetzt zugestimmt hat zur Verfassung,
so erscheint es doch sinnvoll Näheres zum PLan B zu erfahren.

Was wissen die unter uns, die ein Ohr in Brüssel haben, dazu?

Oder ist PLAN B nur die Erfindung einer sogenannten Expertengruppe?

MfG Wolfgang

ErnaS

Jüngere haben andere Werte

Beitrag von ErnaS » Montag 15. August 2005, 09:52

Den oben angeführten Artikel habe ich in der "Neuen Presse" v. 13.08.05 gefunden und möchte ihn gern weiter geben:
Das Moralverständnis junger Menschen unterscheidet sich einer Studie zufolge völlig vom Wertesystem der älteren Generation. Universelle Prinzipien wie Gleichheit, Unparteilichkeit, Achtung der Menschenwürde und Schadensvermeidung sind maßgeblich für die junge Generation, wie die Münchener Soziologin Getrud Nunner-Winkler feststellte. Religiöse Argumente, Konventionen und Traditionen stoßen bei jungen Menschen eher auf Ablehnung.
In der Studie hat Nunner-Winkler die Überzeugung von je etwa 100 Personen aus vier Altersgruppen verglichen. Verbote von religiösen Autoritäten und Traditionen sind danach für ältere Menschen besonders wichtig. So verurteilt die Hälfte der Befragten im Alter zwischen 65 - 75 Jahren jemanden der aus der Kirche austritt oder sein Kind nicht taufen lässt. Homosexualität beurteilen mehr als 60 % der Älteren aber nur 20% der Jüngeren als widernatürlich, krankhaft oder kriminell. Obwohl sich die Werte gewandelt hätten, ist die Gesellschaft insgesamt nicht unmoralischer geworden.
Die überprüfte Stichprobe halte ich allerdings für sehr klein.

Gesperrt