Erste Eindrücke

Archiv für Sachbuch vor 2007
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Carmen Stadelhofer
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Erste Eindrücke

Beitrag von Carmen Stadelhofer » Mittwoch 18. Mai 2005, 19:34

Liebe Mitglieder, von der Stiftung "Forum für Verantwortung" haben wir Exemplare des Buches "Kulturelle Werte Europas", herausg. von Hans Joas und Klaus Wiegandt, Fischer Taschenbuch 2005, kostenlos überlassen bekommen für interessierte ViLE-und ZAWiW-Teilnehmende. Wir haben im Vorstand darüber diskutiert und würden dieses Buch gerne als Grundlage nehmen für ein neues Leseprojekt. Einige ViLE-Mitglieder haben sich auch schon gemeldet, sie sind an einer gemeinsamen Diskussion der im Buch enthaltenen Themenstränge interessiert und bereit, bei der Moderation mitzumachen.

Ziel des Projektes ist es, sich gemeinsam mehr Hintergrundsinformationen zur Entstehungsgeschichte Europas, kulturelle Vielfalt und auch Vielfalt der Werte zu erarbeiten, neue Fragen zu formulieren, die wir dann ggf an ExpertInnen stellen, etc.

Bevor wir das Projekt öffentlich bekannt machen, sollten wir nun intern eine Konzeption entwickeln, wie der Ablauf sinnvoll gestaltet sein könnte.
Wir sind auf euer Mitdenken/eure Vorschläge angewiesen.

Vorschlag von mir:
Jede/r der mitmacht, bekommt kostenlos ein Exemplar des Buches.
Die einzelnen Kapitel des Buches werden zeitgleich intensiv gelesen und übers Netz diskutiert, pro Kapitel in einem noch zu bestimmenden Zeitraum (4 -6 Wochen pro Kapitel ??) - wobei nicht alle bei allen Kapiteln mitmachen müssten, aber es sollte doch eine ausreichende Zahl Interessierter gefunden werden.

Eigene Webseite, Mailingliste, Forum und Chat werden wie immer benützt.

Für jedes Kapitel gibt es zwei (??) Verantwortliche, die eine Art "Einleitung" schreiben (2 Seiten?) und darin Fragen stellen (auch Verständnis und Hintergrundsfragen) bzw. Thesen aufwerfen, die sich aus dem Kapitel ergeben und die dann gemeinsam diskutiert werden. Am Schluss Zusammenfassung der Diskussion des jew. Kapitels, dann nach und nach natürlich auch Querverbindungen zu den vorher gelesenen.

Zu jedem Kapitel werden im Internet von den Teilnehmenden interessante Links für Hintergrundsinformationen gesammelt, die kurz kommentiert ins Netz gestellt werden. Glossar?

Beginn: wir sollten das Projekt vielleicht zum 1.7. starten? da ViLE in letzter Zeit in vielen Medien genannt wird, wird es gut sein, wenn wir zumindest bald neue konkrete Projekte ankündigen und auch durchführen. Dadurch dass kapitelweise die Diskussion erfolgt, ist der Leseumfang in den einzelnen Etappen überschaubar.

Ich bitte um Meldung, wer Lust hat, bei diesem Projekt mitzumachen und um Konkretisierungen/Ergänzungen/Alternativvorschläge
Liebe Gruesse, Carmen

Horst Glameyer
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Leseprojekt "Kulturelle Werte Europas"

Beitrag von Horst Glameyer » Donnerstag 19. Mai 2005, 12:28

Liebe Carmen,
das Leseprojekt verspricht, sehr interessant zu werden, und ich möchte mich daran beteiligen.
Bei der Durchsicht der Kapitelüberschriften sind mir die Beiträge von Orlando Patterson "Freiheit, Sklaverei und die moderne Konstruktion der Rechte" sowie von Mark Mazower "Der dunkle Kontinent - Europa und der Totalitarismus" besonders aufgefallen. Natürlich lässt sich aus ihnen noch nicht entnehmen, ob sie auch die folgenreichen Entdeckungsreisen mit der Kolonialisierung der eroberten Gebiete behandeln.
Mein Stiefonkel, ein Bauernsohn, musste als Soldat an der Niederschlagung des Boxeraufstands in China teilnehmen. Bis zum Ende des II. Weltkriegs erinnerten in Cuxhaven die Bezeichnungen "Tsingtau-Platz" und "Kiautschou-Kaserne" an die früheren deutschen Kolonien in China. Vermutlich war Cuxhaven der Ausgangspunkt der o.g. militärischen Expedition, an der mein Stiefonkel teilnahm.
Einer meiner Klassenkameraden hat in Afrika u.a. die Niederschlagung des Herero-Aufstands untersucht und darüber ein Buch veröffentlicht.
Neben den hohen kulturellen Werten, die in Europa entwickelt wurden, gab es aber auch die Nachtseite Europas, die bis auf den heutigen Tag viel Elend in anderen Kontinenten verursacht hat. Ich hoffe, das Buch geht nicht einseitig darüber hinweg.
Liebe Grüße
Horst Glameyer

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Carmen Stadelhofer
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Beitrag von Carmen Stadelhofer » Donnerstag 19. Mai 2005, 13:59

Lieber Horst, das Buch geht heute an dich ab, ich denke, die Diskussion kann spannend werden und unser aller Horizont erweitern. Könntest du dir vorstellen, zu einem der Kapitel die Moderation zu übernehmen? Kannst du noch etwas zu meinen Vorschlägen bez. methodisch-inhaltlichem Ablauf schreiben? Liebe Gruesse, Carmen

Horst Glameyer
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Die kulturellen Werte Europas

Beitrag von Horst Glameyer » Freitag 20. Mai 2005, 15:00

Liebe Carmen, herzlichen Dank für die rasche Übersendung des Taschenbuches. Gern übernehme ich die Moderation eines Kapitels, wenn es gewünscht wird und ich es mir aussuchen kann. Ich hoffe, bis Ende Mai die meisten Kapitel durchgelesen zu haben. Mit dem einmaligen Lesen wird es allerdings nicht getan sein; denn bereits das Vorwort und die Einleitung enthalten sehr viel Wesentliches, mit dem man sich eingehend auseinandersetzen muss. Mit den besten Grüßen Horst

Horst Glameyer
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die kulturellen Werte Europas

Beitrag von Horst Glameyer » Samstag 21. Mai 2005, 20:18

Liebe Carmen, inzwischen habe ich das Vorwort, die umfangreiche Einleitung und das 1. Kapitel von Shmuel Eisenstadt "Die Achsenzeit in der Weltgeschichte" durchgelesen. Die Einleitung von Hans Joas ist gut verständlich und sehr informativ. Was das 1. Kapitel betrifft, so setzt es beträchtliche Vorkenntnisse hinsichtlich nicht nur der Antike um 500 v.Chr., sondern auch des Mittelalters und der beginnenden Neuzeit sowie der verschiedenen religiösen Lehren und Philosophien weltweit, einschließlich der religionssoziologischen Schriften Max Webers, zum Verständnis voraus. Entsprechend umfang- und inhaltsreich und noch dazu sehr abstrakt ist Eisenstadts Darstellung geraten, obgleich sie sprachlich durchaus verständlich (wenig Fachausdrücke) geschrieben ist. Es fehlen jedoch anschauliche Beispiele aus den verschiedenen Kulturkreisen.
Um über dieses Kapitel auch mit weniger informierten TeilnehmerInnen diskutieren zu können, bedürfte es m.E. einer anschaulicheren Darstellung der weltweiten kulturellen Geschehnisse, die von 2 ModeratorInnen auf 2 Seiten kaum zu leisten sein wird, selbst wenn sie mit dieser Thematik aufgrund eigener Studien vertraut sein sollten.
Da dieses Kapitel aber zum Verständnis der kulturellen Werte Europas im Vergleich mit denen in anderen Kulturkreisen und ihrer gegenseitigen Beeinflussung nicht einfach übergangen werden kann, fällt mir für eine verständliche Zusammenfassung noch keine befriedigende Lösung ein. Vielleicht finden andere TeilnehmerInnen eine geeignete Möglichkeit, die Thematik anschaulich in Kurzform auf 2 Seiten aufzubereiten.
Liebe Grüße
Horst

Helmut K.

Beitrag von Helmut K. » Sonntag 22. Mai 2005, 12:10

:roll: Liebe Carmen, lieber Horst,
ja, das ist auch mein Eindruck von Eisenstadt: Eine anspruchsvolle Botschaft aus dem akademischen Elfenbeinturm und speziell eine (etwas eitle) Selbstdarstellung der eigenen Forschung. Schwere Kost und für mich "Spitzgras". Ich hatte zwar im Studium (Politische Wissenschaften bei Eric Voegelin :roll:) , wenn ich mich recht erinnere, oberflächlich was mitgekriegt von Jaspers Achsenzeit, mit der sich ja Joas in der - wie ich finde lesenswerten - Einleitung ausführlicher befasst. Besser zu lesen war für mich der Wolfgang Huber-Beitrag, wenn auch hier der Blick durch die etwas enge Brille des Protestantenhäuptlings - wie ich meine - das Blickfeld deutlich einengt - quasi ein Referat aus dem theologischen Oberseminar. Gelesen habe ich dann noch Kurt Flasch "Wert der Innerlichkeit", auch sehr speziell, wie ich finde, aus einer engen (eigenen) Fachperspektive "christliches Abendland" mit Betonung auf dem ersten Wort. Und den ersten Teil von Schluchter "Rationalität ....". Bisheriges Fazit für mich: Wenn man nicht Mitglied im Max Weber Kolleg ist, zu dem wohl einige Autoren enge Beziehung haben, dann ist die Lektüre von wissenschaftlichem Hintergrund bei den von mir bisher Gelesenen fast unvermeidlich. Diese Beiträge sind ferner sehr protestantismus-lastig (Webers Kapitalismus-Idee) und kommen sehr gestelzt und fremdwortgeil daher. Kurz: Ich habe Zweifel, ob das für viele ViLE ein "populäres" Leseprojekt werden kann; für mich zumindest ist das eine etwas mühsame Freizeitbeschäftigung. Aber da sollten wir diskutieren.
Ich werde meine Pfingstlektüre jedenfalls vorerst fortsetzen.
Helmut K.

Erna
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Beitrag von Erna » Sonntag 22. Mai 2005, 13:12

Ich finde die Beiträge bisher sehr interessant. Da ich noch bei Franzens Korrekturen bin, habe ich nur das Kapitel, das ich mir ausgesucht habe, also G. Krämer: Wettstreit der Werte- gelesen. Weil mich das Thema schon immer sehr interessiert, fand ich es verhältnismäßig leicht zu lesen. Trotzdem wären einige Hintergrund Informationen schon gut. Im Internet gibt es dazu:http:www.enfall.de/grund19.htm. Eine islamische Quelle, die über die verschiedenen Schulen Auskunft gibt. Ich glaube auch, dass es für dieses Projekt nicht viele Interssierte gibt, aber einen Versuch ist es wert. Bei Herumfragen bei anderen Lernangeboten, habe ich herausgefunden, dass Angebote im Internet, wenn sie nicht Kaffeekranzniveau haben, selten über 10 Teilnehmer hinauskommen.
Grüße
Erna

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Carmen Stadelhofer
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Beitrag von Carmen Stadelhofer » Montag 23. Mai 2005, 21:51

Lieber Helmut, danke für deine kritischen Anmerkungen, die per se zur Diskussion herausfordern. Ich denke auch, dass das kein "populäres" Lese-Projekt sein wird/ sein kann/ und daher sicher keine "Massen" mitmachen, aber ich habe immerhin Rückmeldungen, dass einige versuchen wollen, sich daran abzuarbeiten. Wenn wir dadurch Hintergrundwissen vertiefen durch gegenseitige Hilfe, kann das ja nur gut sein. Die Frage ist eher, wie wir vorgehen, in welcher Reihenfolge/Zeitabständen der Lektüre und Diskussion, ob wir bestimmte Kapitel vorrangig behandeln, etc. Hast du dazu schon eine Idee? Oder jemand anders? Beste Gruesse, Carmen

Horst Glameyer
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Die kulturellen Werte Europas

Beitrag von Horst Glameyer » Dienstag 24. Mai 2005, 13:43

Liebe Carmen, bedauerlicher Weise bin ich bislang außer dir noch allein im Forum. Zum methodischen Vorgehen: Die einzelnen Kapitel scheinen in sich abgeschlossen zu sein, sodass diejenigen Kapitel, für die sich keine Moderatoren finden, übersprungen werden können. Aus der Inhaltsübersicht ist jedoch zu entnehmen, dass sie in geschichtlicher Abfolge angeordnet sind, von der Antike bis in die Gegenwart. Zum besseren Verständnis empfiehlt es sich, diese Reihenfolge möglichst einzuhalten, weil sich Europas kulturelle Werte erst im Laufe der Zeit entwickelt haben. So ist die Abschaffung der Todesstrafe in den Ländern der EU erst neueren Datums und im Vergleich zu anderen Ländern und Kulturen eine bedeutende Errungenschaft.
Lektüre-Hinsweis:
Will und Ariel Durant: Kulturgeschichte der Menschheit (in 18 Bänden),
erschienen als Taschenbuchausgabe im Ullstein-Verlag in den frühen 80er Jahren. Vermutlich in einigen Bibliotheken noch einzusehen.
Kardinal Ratzinger: Über die Herkunft und die Unterschiede der großen Religionen. 2002.
Ich stimme dem zu, was Helmut in seiner eMail über das 1. Kapitel von Shmuel N. Eisenstadt geschrieben hat. Der Autor setzt erhebliche Vorkenntnisse zum Verständnis seines Beitrags voraus, die sich nicht einmal ansatzweise anschaulich auf zwei Seiten darstellen lassen. Was die protestantisch-lastige Darstellung verschiedener Beiträge betrifft, auf die Helmut hinweist, so findet sich vielleicht bei Kardinal Ratzinger etwas dazu aus katholischer Sicht.
Liebe Grüße Horst

Wolfgang Trenkler

Kulturelle Werte Europas

Beitrag von Wolfgang Trenkler » Dienstag 24. Mai 2005, 15:28

Die Kulturellen Werte Europas

Liebe Carmen,

in der letzten Email hatte ich Dir von meiner Position berichtet, wie ich mit den „Kulturellen Werten Europas“ zurechtkommen werde oder Einschränkungen auch für mich persönlich erkennen muss.
Nachdem ich heute die Beiträge im Forum gelesen habe, halte ich es für angebracht diese, meine Position, ins Forum zu stellen.

Darum verehrter Denker-Kreis hier meine Einbringung.

Zum Vorlauf:
Vor 8 Monaten hatte ich an einem Seminar von Prof. Döbler FH WF-BS teilgenommen in dem immer wieder der Weg zu „Schirrmacher , Das Methusalem-Komplott" führte. Ich kaufte mir das Buch, begann zu lesen, die Darstellungen für mich wertend, bejahend oder distanziert bis ablehnend zu betrachten und musste mich mit den zu erwartenden Entwicklungen konfrontieren lassen. Bei Seite 70 brach ich ab und war auf der Suche nach Gesprächspartnern um da etwas sicherer weiterzukommen.

Vor 2 Monaten stieß ich im TV auf ein Interview, in dem Peter Hahne befragt wurde und mir sehr verständliche Kritik und Ziele in unserem Wertegefüge mit religiösem Untergrund zu Ohren kamen und ich mir sein Buch "Schluss mit lustig" besorgte. Jetzt im Urlaub habe ich mehrmals in ihm gelesen, ich konnte es annehmen. Da diese Thematik aber nicht meine Tagesplattform ist brauche ich auch hier die Diskussion mit anderen. Was lag da näher als in die ViLE-Braunschweig einzubringen: Wollen wir bei "Werte im Wandel" etwas mitmachen? --JA.

Wieder am PC, lese ich die o.g. Email von Dir. Mein Buchhändler hatte die "Kulturellen Werte Europas" nicht vorrätig, könnte es aber schnell besorgen. Ich wollte aber nur erst mal die Einleitung lesen.
>
Zu Hause dann http://www.uni-erfurt.de/maxwe/publikat ... le_werte.h angeklickt
> und mich da informell durchgehangelt, die Einleitung war nicht erreichbar aber z.B.. von Prof. Dr. Hans Joas : „Forschungsprojekt1 - Wertbildung und sozialer Wandel.“

Dazu muss ich an mir feststellen, und nicht erst heute, dass die Sozialwissenschaften und die Philosophie in ihrer Wortwahl und Bedeutung, besonders in der wissenschaftlichen Behandlung z.T. nur über "Nachschlagen" für mich zum Verständnis führen, ein etwas mühsames Verstehen und Übernehmen, aber was ist nicht alles mühsam und ich will ja einiges verstehen was mir bisher nicht ausreichend zugänglich war, zu der mir aber auch Anteile der Grundkenntnisse fehlen.
>
> Im AvL-Kurs musste ich feststellen, dass für die thematische Bearbeitung der "Hausaufgaben" – hier die ODER, wirtschaftlich, kulturell, politisch - von mir aus Zeitgründen, besonders der erforderlichen und geeigneten Recherche mit Verwendbarkeit, sowie Urlaub, von mir nicht ausreichend mitgearbeitet wurde, das muss ich ändern.
>
An Carmen war deshalb und ist die Bitte ausgesprochen:
> Gib mir bitte eine Empfehlung wie ich an dieses komplexe Thema rangehen sollte
1. für mich selbst,
2. in der Gruppenarbeit. Hierzu: Es begegnen mir hier schon Köpfe die was drin haben und formulieren können (auch nach dem zweiten Schlaganfall) aber wir haben noch keine praktische Erfahrung -(und sind noch so jung und klein.).

Also, ich würde gern Empfehlungen in Anspruch nehmen die diesen Bereich der Themenbearbeitung unterstützen.

Zu meiner eigenen Einstellung, zu meinem Ziel möchte ich hinzufügen, dass das Ergebnis der Themenbehandlung mir die Möglichkeit geben soll in meinem Lebensumfeld durch Kenntnisse bestimmter Umstände bei Problemen eine bessere, qualifiziertere Aussage und Einbringung bieten zu können.

In diesem Sinne möchte ich schon, auch die Gruppe ViLE-Braunschweig, an dem Projekt teilnehmen.

Es grüßt aus dem angewärmten Norden alle herzlich
Wolfgang.

dietrich
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Beitrag von dietrich » Mittwoch 25. Mai 2005, 15:40

Liebe Carmen und interessierte Teilnehmer,

ich gebe zu, dass mich der vermeintliche Fehlschlag beim Registrieren in das Forum etwas abgeschreckt hat, sodass ich zunächst darauf verzichtet habe. Inzwischen hat es abergeklappt, sodass ich den Text meiner Mail hier nochmals wiederhole.

Mein Interesse am Thema habe ich ja schon bekundet und das Kapitel "jüdisch-christliche Tradition" ausgewählt. Wenn sich sonst niemand findet, würde ich ein erstes Statement dazu in das Forum stellen.

Die Vorgehensweise könnte vielleicht so sein, dass man Kapitel für Kapitel angeht und eine Zeit dafür vereinbart. 2 Wochen? - Den Start würde ich entweder entsprechend dem Buch ansetzen oder zumindest mit einem Kapitel mit einem breiteren Spektrum. Welches das sein könnte ist mir noch nicht ganz klar, da ich bei weitem noch nicht alles durchsehen konnte. Ich stimme mit Helmuts Beobachtungen überein, dass z. B. der Beitrag von Wolfgang Huber eine sehr spezifische Perspektive darstellt.

Da ich im Juni grossenteils auf Reisen bin, würde ich es begrüssen, wenn das vorgenannte Kapitel erst ab Juli in Angriff genommen würde.


Dietrich

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Carmen Stadelhofer
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Beitrag von Carmen Stadelhofer » Mittwoch 25. Mai 2005, 16:39

Dies schrieb mir Adda Liebelt (Noch nicht Mitglied bei ViLE) zu meiner Anfrage bezüglich der gemeinsamen Lektüre des Buches , hier euch zur Info:

zu Deinen Fragen /Anregungen fällt mir spontan Folgendes ein:
(1) Virtuelles Projekt - Europäische Werte in dem Forum - Tagungsband "Kulturelle Werte Europas" sind die historischen Wurzeln der europäischen Kulturentwicklung von ihrem geschichtlichen Ursprung bis zur Moderne abgehandelt worden (teilweise langatmig). Konkrete Ansatzpunkte und weiterführende Betrachtungen würde ich im folgenden Kontext sehen:
(1.1) Europäische Union Verfassung und kulturelleWerte Europas -Analyse der vorliegenden EU-Verfassung auf die erkennbaren kulturhistorischen Wertungsmaßstäbe Europas. - Unvereinbarkeit divergierender Werte: Grundrecht auf Religionsfreiheit versus Diskussion eines Gottesbezuges als jüdisch-christliche Wurzel europäischer Religionsgeschichte(sog."Präambel Gott" in der EU Verfassung) .
(1.2)
Globalisierung/Weltordnung und kulturelle Werte Europas - Analyse der
Einflußmöglichkeit Europas seine Wertmaßstäbe für eine globalisierte
Weltordnung einzubringen. - Können die Europäer der Führungsmacht/ USA und ihrer Kreuzzugsidee für eine demokratische Weltordnung (Grobeinteilung in sog." Schurkenstaaten", demokratische "Schwellenstaaten" und westlich orientierte Staaten nach amerikanischem Vorbild) Alternativen entgegensetzen?
Diese Thematik ist hochinteressant und zukunftsorientiert;l eider bin ich
hierin absolut unbedarft.

Roli Huber

Beitrag von Roli Huber » Freitag 27. Mai 2005, 10:23

Hallo allerseits,
ich habe mich nun auch im Forum der ViLe-Denker registrieren lassen.
Gern möchte ich bei der Diskussion über die "Kulturellen Werte Europas" mitmachen.
Ich warte noch auf die Zustellung des angekündigten Taschenbuches.
Schöne Grüsse
Roland

Werner

Erste Annäherung

Beitrag von Werner » Montag 30. Mai 2005, 17:50

Hallo Europäerinnen und Europäer der ethnischen ViLE - Sektion.
Nachdem es mir mit Brigittes Hilfe und Geduld endlich gelungen ist im Forum zu sein, meinen ersten Eindruck zu dem Thema.
Wie wir die Kommunikation organisieren werden weiss ich auch nicht.
Eine Anmoderation halte ich nicht für sinnvoll. Jeder kann schließlich entscheiden, ob er durch genaues lesen des vorgegebenen Textes Gegenargumente entwicklen will.
Aber ich spiele so oder so, im Rahmen meiner Möglichkeit, mit.

Meine ersten Überlegungen bei der Lektüre des Inhaltsverzeichnisses anbei.
Tschuess
Werner

Die kulturellen Werte Europas.
Dickes Buch! Was fang ich damit an? Europa ist ja „in“.
Das mit der „europäischen Verfassung“ ist mir auch noch nicht geheuer.
Einerseits dafür, aber andererseits?
Also, mir kam dieses Buch gerade recht.
Erst mal quergelesen.
So schlecht liest es sich nicht. Natürlich manches etwas weit über meinem
Klärungsbedarf. Abgehoben, alles andere als brennende Fragen aufwerfend.
Jedoch, für mich, manches frag-würdig.
Wenn ich das Inhaltsverzeichnis durchgehe, um zu sehen wo wird mein Interesse geweckt wird,
ergibt sich folgendes Selbstgespräch:
Vorwort – später mal.

Joas „Die kulturellen Werte Europas“
Ja, haben wir Europäer denn Werte, die es in außereuropäischen Kulturkreisen nicht gibt?
Beziehungsweise, die es vor der Europäisierung – Kolonialisierung – nicht gab?

Eisenstadt „Die Achsenzeit in der Weltgeschichte“
Ob man das Bestreben zu einer Europäischen Staatsform, Verwaltungseinheit,
Nation (was ich nicht hoffe), oder was auch immer, zu kommen wirklich mit dem Übergang von
Jägern und Sammlern zu sesshaften Bauern und Produzenten vergleichen kann?

Huber „Die jüdisch-christliche Tradition“
Damit soll es ja im zukünftigen Europa schlecht bestellt sein. Christlich-Konservative Kreise bemühen sich verzweifelt den Gottesbezug in die Verfassung zu bekommen.

Meier „Die griechisch-römische Tradition“
Angelesen! Interessant auch ohne Bezug zu der heutigen Europa-Debatte.
Wie schrieb einst Bertrand Russel über die Quellen des christlichen Abendlandes:
...“wurde aus drei verschiedenen Quellen gespeist. Ihre heilige Geschichte war jüdisch, ihre Theologie griechisch, ihre Verfassung und ihr kanonisches Recht waren zumindest mittelbar römisch.“ Russel bezieht diesen Satz zwar auf die katholische Kirche, aber ich finde, es trifft auch ziemlich auf unsere „europäischen Werte“ zu.

Borgolte „Wie Europa seine Vielfalt fand“
„Über die mittelalterlichen Wurzeln für die Pluralität der Werte“
Vielleicht ergeben sich da Anhaltspunkte wie man diese Vielfalt bewahren kann.
Auch gegen Brüsseler europäische Standards. (So nötig die sein mögen.)

Patterson „Freiheit, Sklaverei und die moderne Konstruktion der Rechte
Man beachte die Reihung! Verheißt nichts Gutes.

Flasch „Wert der Innerlichkeit“
Wenn die sozialen Bedingungen danach sind, werden sie sich entfalten können.

Schluchter „Rationalität – das Spezifikum Europas?
Ob Rationalität ein europäisches Spezifikum ist kommt auf die Definition »Rational« und den Kontext an.

Reinhard „Die Bejahung des gewöhnlichen Lebens“
Ich will doch hoffen, dass ich als Europäer nicht gezwungen werde »außergewöhnlich«
zu leben.
(Inzwischen gelesen. Müsste im Kontext zum dem Beitrag „Wert der Innerlichkeit“ diskutiert werden).

Menke „Innere Natur und soziale Normativität“
„Die Idee der Selbstverwirklichung“
Selbstverwirklichung hat ja nicht den besten Ruf. Mal sehen was der Autor da empfiehlt.
Inzwischen habe ich den Beitrag halb gelesen. Die zweite Hälfte nur unter Androhung
von Kerker. Wenn ich gewusst hätte wie schwierig und mit welchen Risiken Selbstverwirklichung behaftet ist, nie und nimmer wäre ich auf die Idee gekommen mich selbst zu verwirklichen. Da kann mir doch der Kant mit seiner Aufklärung gestohlen bleiben.
Der Autor bevorzugt ein Abstraktionslevel, der vermuten lässt, es geht um eine Auseinandersetzung im akademischen Revier.

Koselleck „Über den Stellenwert der Aufklärung in der deutschen Geschichte“
Wie bekomme ich jetzt »deutsche Geschichte« in den europäischen Zusammenhang?
Doch wieder deutscher Sonderweg?

Mazower „Der dunkle Kontinent - Europa und der Totalitarismus“
Da werden wahrscheinlich die Fallstricke der europäischen Geschichte beschworen.

Thome „Wertewandel in Europa aus der Sicht der empirischen Sozialforschung“
Hoffentlich erfahr ich in diesem Aufsatz um welche Werte es denn eigentlich geht und was sich da geändert hat.

Senghaas „ Die Wirklichkeit der Kulturkämpfe“
Vielleicht brauchen wir ja nicht zu kämpfen! Obwohl, die Verfasser der Europäischen Verfassung wollen ja dem militärischen Potential Verfassungsrang geben.

Krämer „Wettstreit der Werte: Anmerkungen zum zeitgenössischen islamischen Diskurs“
Beruhigungspille oder Wachsamkeitstablette?

Wagner „Hat Europa eine kulturelle Identität?
Hat Europa eine kulturelle Identität nötig?

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Die kulturellen Werte Europas

Beitrag von Horst Glameyer » Dienstag 31. Mai 2005, 13:54

Vielleicht habe ich es überlesen; aber mir fällt auf, dass bei der Suche nach den kulturellen Werten Europas anscheinend diejenigen übersehen wurden, deretwegen Nicht-Europäer nach Europa reisen, nämlich sich mit den so genannten Kulturgütern Europas zu bechäftigen: Kirchen und Dome, Schlösser mit ihren ausgedehnten Parkanlagen und selbst alte Burgruinen, einerlei in welchem europäischen Land sie stehen. Viele Bauwerke davon sind von der UNO zum Weltkulturerbe erklärt worden.
Offenbar gehört es zum Wesen der Europäer, diese kulturellen Werte zu bewahren und ungeachtet aller kriegerischen Zerstörungen zu restaurieren. Nur selten wurden sie abgerissen. Hinzu kommen noch die Bürgerhäuser in Städten und Dörfern mit ihrer ganz eigenen Architektur. All diese Bauwerke unterscheiden sich deutlich von denen in Asien und Indien.
Nicht zu vergessen sind die Werke der Malerei, der Blidhauerkunst, der Literatur und der Musik. Sie alle sind Zeugen des europäischen Schöpfergeistes über Jahrhunderte und Landesgrenzen hinweg. Stellen sie etwa keine kulturellen Werte Europas dar? Vielleicht ist es angebracht, Europa einmal von außen zu betrachten, um bei aller Vielfalt das Gemeinsame der europäischen Kultur und ihrer Werte zu erkennen.

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