Die unsichere Zukunft der menschlichen Ernährung

Vom Umgang mit den Ressourcen unseres Planeten.
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Uwe Bartholl
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Die unsichere Zukunft der menschlichen Ernährung

Beitrag von Uwe Bartholl » Dienstag 1. Mai 2007, 20:48

Liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die ihr mitlest und mitdiskutiert,
ich läute die nächsten 6 Wochen ein. Wir wollen Meinungen und Informationen austauschen über den Beitrag von Klaus Hahlbrock: Die unsichere Zukunft der menschlichen Ernährung.
Dazu gleich ein Beitrag aus dem Stader Tageblatt vom 27.04.2007 mit der Überschrift: Verband: Weltweit gute Perspektiven für Bauern. Genug Ressourcen für Lebensmittel und Biosprit. Darin heißt es: "Die wirtschaftlichen Chancen für Landwirte sind nach Ansicht des Deutschen Bauernverbandes derzeit weltweit positiv." Steigende Nachfrage nach Agrarprodukten lasse die Erzeugerpreise steigen. "Ein Konflikt zwischen der Produktion von Nahrungsmitteln und den nachwachsenden Rohstoffen werde nicht befürchtet, weil weltweit genug Ressourcen vorhanden seien." Wenn ich die Zusammenhänge, wie ich sie in diesem Buch erfahre, anwende, dann komme ich aus dem Staunen nicht heraus. Ich sehe ein Riesenkonfliktpotential in der Verwendung der Ressourcen für die Produktion von Nahrungsmitteln und Biosprit. Das gesamte Paket der Sicherstellung der Ernährung und die Umweltverträglichkeit der Produktion scheint ausgeblendet. Hier wie überall scheint es nur um die Gewinnerwartungen zu gehen. Wie kommen wir da weiter?

Ich bin gespannt auf einen anregenden Gedankenaustausch.
Uwe

Helmut K.

Re: Die unsichere Zukunft der menschlichen Ernährung

Beitrag von Helmut K. » Mittwoch 2. Mai 2007, 14:30

Uwe Bartholl hat geschrieben:Wenn ich die Zusammenhänge, wie ich sie in diesem Buch erfahre, anwende, dann komme ich aus dem Staunen nicht heraus. Ich sehe ein Riesenkonfliktpotential in der Verwendung der Ressourcen für die Produktion von Nahrungsmitteln und Biosprit. Das gesamte Paket der Sicherstellung der Ernährung und die Umweltverträglichkeit der Produktion scheint ausgeblendet. Hier wie überall scheint es nur um die Gewinnerwartungen zu gehen. Wie kommen wir da weiter?

Ich bin gespannt auf einen anregenden Gedankenaustausch.
Uwe
Wenn die ärmeren Mexikaner sich Mais für ihre Tortillas mehr leisten können, weil der zur Spritherstellung verwendet und in die USA exportiert wird, dann ist das schlicht verlogene Meinungsmache der Bauernverbands-Funktionäre. Und ist ebenso skandalös wie das Abholzen tropischer Wälder, um Soja für die Viehfütterung in Europa zu produzieren. Es geht wohl wie stets wieder um viel Geld: Bei uns um dreistellige Millionenbeträge an Sübventionen , beispielsweise für Raps (Getreide soll ja auch bald in größerem Umfang in Sprit verwandelt werden) und international zugleich um gigantische Marktinteressen der globalen Ernährungs- und Energiewirtschaft. Ich habe leider viel zu wenig fachliches Wissen über die wirtschaftlichen Zusammenhänge und bin froh, dass das Thema jetzt bei uns zur Debatte steht und ich dazu lernen kann.

Horst Glameyer
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Die Zukunft der Erde

Beitrag von Horst Glameyer » Mittwoch 2. Mai 2007, 19:53

Der Biochemiker Prof. Klaus Hahlbrock hält in seinem Beitrag „Die unsichere Zukunft der menschlichen Ernährung“ ein beeindruckendes Plädoyer für die Grüne Gentechnik, an der nach seinen Ausführungen mit Blick auf die Folgen des Klimawandels wohl kaum mehr ein Weg vorbei führt, wenn Hungersnöte in aller Welt vermieden werden sollen. Nicht minder bedeutsam sind die fünf ethischen Grundregeln (s. Seite 214), die es dabei zu beachten gilt. So schreibt er: „Gentechnik sollte dann – und nur dann – angewendet werden, wenn damit die folgenden, auch in dieser Reihung unstrittigen Handlungsziele besser erreicht werden können als mit anderen Mitteln.“

Leider findet sich in seinem Beitrag kein Wort über das Bestreben kleiner und großer gentechnischer Industrieunternehmen, sich transgene Nahrungspflanzen patentieren zu lassen. Es geht ihnen weniger darum, die Menschheit vor dem Hungertod zu bewahren als sich auf lange Sicht große Gewinne zu sichern.
Dank der modernen Gentechnik lassen sich die Nutzpflanzen derart manipulieren, dass sie zwar gegen bestimmte Krankheiten und Schädlinge resistent sind, die Bauern aber aus ihnen nach der Ernte kein Saatgut mehr gewinnen können. Deshalb müssen die Bauern Jahr für Jahr ihr Saatgut von den großen Chemieunternehmen kaufen und geraten dadurch in wirtschaftliche Abhängigkeit. Besonders arme indische Bauern hatten schon darunter zu leiden, weil sie bei Missernten die Saatgutkredite nicht zurückzahlen konnten.

Prof. Hahlbrock verweist auf die Vorteile, die durch die Gentechnik in der Medizin, speziell in der Medikamentenentwicklung erzielt worden sind, erwähnt jedoch nicht die Probleme einiger Entwicklungsländer mit den Herstellern von Markenarzneimitteln, als sie vor allem im Kampf gegen Aids für ihre arme Bevölkerung Generika herstellen lassen wollten.

Manches in seinem Beitrag liest sich wie in einer Hochglanzbroschüre für Grüne Gentechnik, die von einem führenden Chemiekonzern zwecks Überzeugungsarbeit und Kundenwerbung herausgegeben werden könnte. Es klingt ansprechend, durchaus einleuchtend und verfolgt edle Motive. Dahinter verbirgt sich jedoch ein knallhartes Gewinnstreben, und es bleibt offen, ob sich bei fortschreitender Klimaerwärmung arme Entwicklungsländer die für sie geeigneten transgenen Nahrungspflanzen werden leisten können, um ihrer Bevölkerung das Überleben zu sichern.
Horst

Helmut K.

Beitrag von Helmut K. » Montag 7. Mai 2007, 13:08

Zuerst nochmals herzlichen Dank Uwe für die prägnant geschriebene und exzellent formulierte Anmoderation zum Kapitel; ich habe sie nochmals mit Vergnügen gelesen.

Horst hat einen sehr gewichtigen Einwand formuliert, der auch bei der Ulmer Frühjahrsakademie nach dem Vortrag von Hahlbrock erhoben und für mich ziemlich unbefriedigend beantwortet wurde. Aber als Biochemiker, ehemaliger Direktor am Max Planck-Institut für Züchtungsforschung ist er natürlich alles andere als "industriefern" - wo sollen auch sonst die Forschungsaufträge und Drittmittel herkommen? Im übrigen war mein persönlicher Eindruck schon: Hoch kompetent, sehr aufgeschlossen gegen Bedenken und nachdenklich, persönlich sehr authentisch und vielfach überzeugend.

Ich denke, es macht Sinn, wenn wir etwas weiter recherchieren. Fündig wurde ich - ohne gründliche Lektüre bisher - beim Öko-Institut Freiburg. Da geht es auch u.a. um die Frage, was passieren kann, wenn genveränderte Pflanzen auswildern: http://www.oeko.de/arbeitsgebiete/siche ... dok/68.php
Vielleicht sollten wir wirklich weiter auf "Kontrastprogramm" recherchieren (ich bin allerdings ab 13. bis 24.5. leider auf Reisen, danach aber daran sehr interessiert).

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Uwe Bartholl
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Beitrag von Uwe Bartholl » Montag 7. Mai 2007, 22:53

Ich freue mich über den Austausch zur Gentechnik. Ich bin da auch zu unbeleckt. Hahlbrock jedoch hat mir aufgezeigt, wie sehr die Menschheit bereits durch jede Art von Züchtung in die Schöpfung eingegriffen hat. Ich komme zu dem Schluss, dass Gentechnik unter Anwendung der ethischen Grundstandards für die Sicherstellung der Ernährung kein Tabuthema sein kann. Mich interessieren die Risiken, die es zu händeln gilt. Da gehe ich gleich mal auf die von Helmut genannte Seite. Horst weist auf die neu entstehende Marktmacht der Saatgutvermehrer hin. Für die Obstsortenzüchtung und Kartoffelsortenentwicklung gibt es hier im norddeutschen Raum gut funktionierende Genossenschaften. Ob so etwas auch bei Gensaatgut denkbar ist? Ich will da mal unsere Bauern fragen.

RenateBowen
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Beitrag von RenateBowen » Mittwoch 9. Mai 2007, 12:18

Sehr deutlich wurde mir beim Lesen bewusst, wie sehr die Veränderung der Pflanzen durch Züchtungen über einen lange Zeitraum, uns in eine Abhängigkeit von Düngemitteln und Pflanzenschutzmitteln gebracht hat, die unsere Gewässer verunreinigen. Wie können wir diesem Kreislauf entrinnen?
Nach dem Lesen der Ausführungen von Prof. Hahlbrock hatte ich den Eindruck, es gibt für uns nur zwei Alternativen, entweder wir verwenden in der Zukunft gentechnisch veränderte Pflanzen in unserer Ernährung, oder wir stellen unsere Ernährung um auf pflanzliche Nahrung. (Für die fleischliche Nahrung soll ja das Zehnfache an Ackerfläche für die Produktion benötigt werden.)
Es wird niemand die Einstellung vertreten, der Erhalt der Stabilität der irdischen Biosphäre tangiere ihn nicht. Nur dann können wir weiter leben wie bisher.

Auf der von Helmuth genannten Seite wird ein weiterer Weg als Lösung empfohlen.

"Das Öko-Institut sieht eine umfassende Lösung nur darin, alle Bereiche des landwirtschaftlichen Produktionsprozesses auf ganzer Fläche umweltschonender zu gestalten. Dafür müssen umweltfreundliche Leistungen honoriert werden. Bestrebungen auf EU-Ebene, die geltende Agrarpolitik umzugestalten, bieten eine gute Gelegenheit für die benötigte Wende zur Nachhaltigkeit. "

Oder könnte die Verbreitung der Gentechnik in dieser Zeit der globalen Verzahnung von den Entwicklungsländern ausgehend unser Leben beeinflussen, und die in Deutschland oft betonten negativen Argumente würden unberücksichtigt bleiben. Wie Prof. Hahlbrock erwähnt, wird in vielen Entwicklungsländern an Projekten der Grünen Gentechnik gearbeitet.

Renate

Clemens

Beitrag von Clemens » Mittwoch 9. Mai 2007, 17:44

Ich habe in Ulm auch den Vortrag von Prof Hahlbrock gehört. Mir ist nicht bewußt, ob die Datenbasis, die er zugrunde legt, ausreichend ist, um z.B. "Grüne Gentechnik" nach seinen Vorstellungen einzuführen/ umzusetzen.
Wenn der bisherige Kurs das Erkunden der Grenzen von Wachtum, Macht und Genuß war, so kann der zukünftige nach seinen Vorstellungen nur von Gemeinsinn und Vorsorge bestimmt sein.
Wenn dem so ist, dann ist es natürlich Aufgabe von Generationenen, zu denen wir die Weichen stellen müssen.

Ich würde bei der Problematisierung auch nicht die mögliche Profitsucht einzelner Unternehmen in den Vordergund stellen, aber bei Abwägen von Vor- und Nachteilen natürlich berücksichtigen.

Das Grundproblem liegt u.a. auch darin, dass wir etwas tun sollen, was uns unmittelbar heute nicht direkt vor Ort betrifft. Aber in anderen Teilen der Erde und in nachfolgenden Generationen.

Mir sind auch die Gefahren der Grünen Gentechnik nicht deutlich genug geworden.

Erna
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Beitrag von Erna » Mittwoch 9. Mai 2007, 18:56

Soweit ich Hahlbrock verstanden habe, ist jede Züchtung schon ein Eingriff in die Gentechnik. Und er sagt: Niemand hätte voraussehen können, dass die Biosphäre als Ganzes ein solches Ausmaß an Toleranz bestitzt- doch genau so wenig vorhersehbar ist die Grenze der Toleranz. Dazu eine Meldung, die heute in den Nachrichten kam:
In Amerika hat ein großes Bienensterben begonnen. Ein großer Teil der Bienenvölker sind einfach nicht mehr da. Wenn man die Rahmen herausnimmt, krabbeln keine Bienen herum. Man findet aber auch keine toten Bienen. Das ist für die amerikanische Landwirtschaft bedrückend, denn die Bienen müssen arbeiten, d.h. man reist mit den Bienenstöcken durch Land herum und stellt sie immer dort auf, wo es zum Befruchten der blühenden Pflanzen nötig ist. Man befürchtet schon jetzt, dass das Bienensterben zu Missernten führen kann.
Erna

Horst Glameyer
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Die Zukunft der Erde

Beitrag von Horst Glameyer » Mittwoch 9. Mai 2007, 19:46

Liebe Renate, ob es vielen Verbrauchern in der EU und insbesondere in Deutschland behagt oder nicht, die Einfuhr, der Anbau und die Entwicklung genveränderter Nahrungspflanzen wird sich infolge starker wirtschaftlicher Interessen kaum verhindern lassen, dafür sorgen schon die Freihandelsabkommen, die Ausnahmen kaum zulassen.

Wie Prof. Hahlbrock in seinem Artikel nahezu zwingend darlegt, kann die Ernährung der ständig ansteigenden Weltbevölkerung ( s. Abb. 1, Seite 183) nur durch die Grüne Gentechnik gesichert werden. Zunächst weist er den Leser darauf hin, dass schon seit frühesten Zeiten unsere Nahrungspflanzen durch intensive Züchtung genetisch verändert worden sind. Eindrucksvolle Darstellungen (s. Abb. 3, Seite 194) belegen das. Die Grüne Gentechnik stellt demnach bloß einen Methodenwechsel in der Züchtungsgeschichte dar und ist eigentlich gar nichts Neues. Weshalb lehnen hierzulande viele Menschen sie trotzdem immer noch ab, obwohl nach Meinung des Autors sich die künftigen Ernährungsprobleme einer ständig wachsenden Weltbevölkerung nur mit ihrer Hilfe lösen lassen?

Die moderne Gentechnik kann jedoch sowohl im pflanzlichen als auch im tierischen Bereich hybride Organismen erzeugen, die aus zwei völlig fremden Lebewesen nach Art der Chimären der Antike entstehen. Sicher will das niemand; aber die technische Möglichkeit besteht. Bislang nutzte man bei allen Züchtungen die natürlichen Kreuzungsmöglichkeiten verwandter Arten. Die jetzige Technik ist dagegen nicht mehr darauf beschränkt, sondern kann etwas zuvor nie Dagewesenes konstruieren und in unsere Lebenswelt einführen, von dem wir nicht wissen, wie es sich verhalten wird und ob es uns bekommt, wenn wir es essen. Es ist kein evolutionärer Schöpfungsakt, sondern eine nach menschlicher Vorstellung und ausschließlich menschlichen Bedüfnissen geschaffene Konstruktion, die sich u.U. ungehindert ausbreiten und anderes verdrängen kann. Darauf beruhen die meisten Vorbehalte gegen die moderne Gentechnik insgesamt.

Mithin ist die nachhaltige Landwirtschaft, wie sie die Bio-Bauern betreiben, kaum mehr als ein Luxus, den sich nur Verbraucher leisten können, die gesund leben wollen und ihn auch bezahlen können. Mit dieser Landwirtschaft lässt sich die Ernährung der Weltbevölkerung nicht sichern. Obendrein wird es den Bio-Bauern auf Dauer nicht gelingen, ihre Äcker von genveränderten Pflanzen freizuhalten, sofern sie nicht riesige Schutzvorrichtungen über ihren Anbauflächen errichten. Gesetze und Haftungsvorschriften gegen den Anbau genveränderter Nahrungspflanzen in der Nähe genunveränderter Pflanzen nützen da wenig, wenn die Grüne Gentechnik sich dank der Freihandelsabkommen weltweit durchgesetzt hat. „Bio“ ist dann wohl nur zu kaum erschwinglichen Preisen in Delikatessengeschäften zu haben.

Zwar wehren sich auch viele konventionelle Landwirte noch gegen die Grüne Gentechnik; aber der harte Wettbewerb im globalen Markt wird sie in absehbarer Zeit dazu zwingen, ihren Widerstand aufzugeben.

Ob es dem Verbraucher gefällt oder nicht, auch seine Ernährung unterliegt weitgehend wirtschaftlichen Interessen, und sollte sie ihm nicht bekommen, wird die Gen-Industrie gewiss Mittel und Wege finden, zumindest eine erträgliche Befindlichkeit wiederherzustellen. Der Mensch gewöhnt sich an fast alles, wenn ihm keine andere Wahl bleibt.
Horst

RenateBowen
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Beitrag von RenateBowen » Freitag 11. Mai 2007, 11:40

Horst schreibt, dass sich mit der Landwirtschaft der Bio Bauern die Ernährung der Weltbevölkerung nicht sichern lässt. Ich denke, er hat Recht. Die Ansätze unseres Denkens müssen sich ändern, wir können nicht von der Befindlichkeit in Deutschland ausgehen, sondern müssen in unserem Empfinden für Solidarität die Entwicklungsländer einschließen.

Für die Verbreitung der Gentechnik sind wirtschaftliche Interessen mitbestimmend. Sie standen auch in der Zeit im Mittelpunkt, als man mit den Züchtungen der Kulturpflanzen begann, Erträge sollten erhöht und Verluste durch Schädlinge niedrig gehalten werden.

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Uwe Bartholl
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Beitrag von Uwe Bartholl » Sonntag 13. Mai 2007, 21:44

Liebe Diskutanten, ich bin immer total neugierig, wie es hier mit unserem Gedankenaustausch weitergeht. Jetzt hat mir Horst mit seinem Begriff" Methodenwechsel" sehr viel weitergeholfen im Hinblick auf die durch Menschen verwandelte Kulturpflanzenwelt. Gentechnik ist nicht etwa ein neuer Sündenfall. Mit dem neuen Spektrum an Neuschöpfungsmöglichkeiten steigt allerdings das Ausmaß an Verantwortung. Wie mit der Nuklearwissenschaft oder Stammzellforschung bleibt die bange Frage, ob die Menschheit Grenzen respektiert oder aber alles Machbare auch macht, wie es vielfach als unabwendbar hingestellt wird.

Mark
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Beitrag von Mark » Mittwoch 23. Mai 2007, 17:33

Ich finde, es ist sehr schwierig, sich eine Meinung zu bilden, wenn man kein „Experte“ ist. Ich glaube jedoch, dass die Lobby der großen Nahrungsmittelproduzenten sehr groß ist und deshalb über die Gefahren der Genmanipulation kaum etwas zu hören ist. Googelt man z.B. „Gefahren der Genmanipulation“ sind im Wesentlichen nur die Stimmen von Greenpeace und ähnlichen Organisationen zu hören. Was man dort jedoch erfährt (alles nachweisbar und nicht frei erfunden), ist so erschreckend, dass man geneigt ist, allen anzuraten, die Finger von dieser Manipulation zu lassen. Man erfährt dort auch, dass die Genmanipulation zur Vergrößerung des Nahrungsangebotes auch gar nicht notwendig ist, bevor nicht andere Mittel zur Nahrungsmittelausweitung und –verteilung ausgeschöpft sind.
So liest man z.B. bei WIKIPEDIA unter dem Stichwort Gentechnik -
Kritik an der Gentechnik u.a. nach der Schilderung einzelner Gefahren heißt es auch:
Dem Argument, Gentechnik zur Bekämpfung des Hungers einzusetzen, wird entgegnet, dass die Kapazitäten zur Nahrungsmittelproduktion schon jetzt ausreichend seien und Hungerkatastrophen andere Ursachen hätten, darunter Missmanagement vor Ort und Verteilungsungerechtigkeiten im Welthandel etwa durch Agrar-Exportsubventionen. Der UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung Jean Ziegler sagt unter Berufung auf Daten der FAO, dass mit derzeitigen und konventionellen Mitteln bis zu 12 Milliarden Menschen ausreichend ernährt werden könnten. Auch Mangelernährung, etwa in Form von zur Erblindung führendem Vitamin-A-Mangel, wird auf andere Ursachen wie durch unzureichende Hygiene verursachte Durchfallerkrankungen zurückgeführt. Dadurch fehlt dem Körper die Zeit, Beta-Carotin in Vitamin A umzuwandeln und dem Stoffwechsel hinzuzufügen. Zudem ist für diesen Prozess Fett notwendig. Eine gesteigerte Nahrungsproduktion durch den Einsatz der Gentechnik könne an diesen Problemen nur wenig ändern, im Gegenteil würden neue Abhängigkeiten geschaffen, da das Gentechnik-Saatgut von den Saatgutunternehmen jährlich neu und zu einem relativ hohen Preis erworben werden muss.
Daneben stehen eine Reihe weitere Argumente im Raum.
Eine sachliche Debatte wird erschwert durch die weit verbreitete Unkenntnis über die Möglichkeiten und Gefahren der Gentechnologie in der Bevölkerung, so dass, ähnlich wie bei der modernen EDV (z. B. zur Überwachung einzelner Personen), die Möglichkeiten und Gefahren gleichzeitig unter- und überschätzt werden. Der Kenntnisstand könnte höher sein, wenn die Gentechnik-Industrie die Ergebnisse der eigenen Risikoforschung öffentlich zugänglich machen würde. Das ist allerdings nicht immer der Fall; so mussten genkritische Organisationen die Veröffentlichung solcher Forschungsergebnisse im Sommer 2005 gerichtlich erzwingen (Fütterungsversuche an Ratten mit gentechnisch manipuliertem Mais). Ein zur Zeit in den Diskussionen über Bioethik wichtiger Aspekt ist, inwiefern auch andere Eingriffs- und Manipulationsmöglichkeiten eingeschränkt oder ausgeweitet werden sollten. Dabei sollen auch die möglichen Vor- und Nachteile ins Auge gefasst werden und nicht allein die Methoden, mit denen sie bewirkt werden."

Roli Huber

Beitrag zu Pfingsten

Beitrag von Roli Huber » Freitag 25. Mai 2007, 11:04

Der Vortrag von Klaus Hahlbrock war für mich sehr lehrreich. Ich habe z.B. begriffen, wie sehr die Menschen schon mit den konventionellen Methoden massiv in die Natur eingegriffen haben. Ich schätze außerdem seine Sachlichkeit und Offenheit für einen Dialog.
Unserer gemeinsamen Ohnmacht als einzelner unter Milliarden von Mitmenschen bin ich mir bewußt. Trotzdem können wir immer etwas mehr verstehen lernen. Dazu dient das Buch und auch unser Meinungsaustausch.
Wir könnten Einfluß ausüben, als kleines Sandkorn im Getriebe. Jeder von uns ist in einem individuellen minimalen Ausmaß mitverantwortlich, was auf der Erde angerichtet wird. Und dann gibt es ja noch den Heiligen Geist. Er soll bekanntlich wehen, wo er will. Vielleicht hat er auch Heiner Geissler beeinflusst, als er vor kurzem in Attac eingetreten ist.

Die folgende Website und die dahinter stehende kleine Gruppe "Dialog Regional" ist ein Experiment in diese Richtung.

www.einkaufen-im-hegau.de

Wir haben vor, mit Firmen und Organisationen Kontakt aufzunehmen und Fragen zu stellen. Warum z.B. die hiesigen Blumenhändler keine Fair-gehandelte Blumen anbieten?

Ich würde mich freuen, wenn Ihr die Homepage mal anschauen würdet.
Virtuelle MitstreiterInnen könnten uns beraten und an anderen Orten Ähnliches versuchen.
Roli

helmutf

„ Die unsichere Zukunft der menschlichen Ernährung“

Beitrag von helmutf » Dienstag 29. Mai 2007, 14:54

Ist eine „grüne“ gentechnik notwendig um in zukunft die ernährung aller menschen sicher zu stellen? Dies frage wird wohl niemand objektiv beantworten können. Im prinzip wird sie von der jeweiligen interessenlage vorgegeben.
In Hahlbrocks ausführungen wird deutlich, dass unsere heutigen kulturpflanzen züchtungen sind, entstanden durch auswahl, kreuzungen u.ä. – aber innerhalb der „familie“. Die gentechnik geht jedoch einen vollkommen anderen weg und niemand kann genau vorhersagen wie sich diese so veränderten pflanzen entwickeln und welche folgen für die umwelt entstehen können. Es wird zwar immer wieder versichert: die folgen sind übersehbar und schäden für mensch und natur sind nicht zu erwarten. Nur, die vergangenheit zeigt, dass diesen argumenten nicht rückhaltlos zu trauen ist. Immer sind in den verschiedensten bereichen negative folgeerscheinungen an neuen entwicklungen aufgetreten mit denen angeblich niemand der verantwortlichen gerechnet hatte.

Das problem einer ausreichenden ernährung für alle menschen dieser welt liegt nicht allein in der produktion der entsprechenden nahrungsmittel. Nach angaben verschiedener institutionen können auf den heute zur verfügung stehen anbauflächen nahrungsmittel für mehr als 10 milliarden menschen erzeugt werden. Eine wichtige voraussetzung dabei ist, dass vor ort die produkte angebaut werden die für die ernährung der bevölkerung notwendig sind. Lt. eines berichts der welthungerhilfe gehören weltweit 75% der privaten anbauflächen nur 3% der grundbesitzer. Vielfach werden, gerade in den entwicklungsländern, auf den ertragreichsten flächen exportprodukte wie soja, baumwolle oder tabak angebaut. Diese erzeugnisse gehen in die industrienationen, die ihrerseits hochsubventionierte nahrungsmittel zu dumpingpreisen in entwicklungsländer liefern. Gegenüber diesen billigimporten sind einheimische bauern nicht mehr konkurrenzfähig und geben auf.
Für eine ausreichende versorgung der bevölkerung mit nahrungsmittel ist eine regionale eigenproduktion voraussetzung.
Ein weiteres problem ist vielfach die verfügbarkeit also der transport und die verteilung. Eine schlechte infrastruktur kann so dazu führen, dass grosse mengen an nahrungsmittel verderben obwohl hunger im lande herrscht. Dies gilt besonders für von krieg und krisen heimgesuchte regionen.

Die unsichere ernährung vieler menschen auf dieser erde hat also viele gründe. Einer davon, sicher ein sehr wichtiger, ist die produktion der nahrungsmitteln. Mit hilfe zur selbsthilfe können, nein müssen die entwicklungsländer mit unterstützung der industrienationen zu selbstversorgern entwickelt werden. Nur so wird m.e. eine ausreichende ernährung einer wachsenden weltbevölkerung möglich sein.

Erna
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Registriert: Freitag 1. April 2005, 10:47

Beitrag von Erna » Dienstag 29. Mai 2007, 19:22

Die Großgrundbesitzer waren immerhin in der Lage, den Menschen in ihren Ländern die Möglichkeit der Ernährung zu geben.Als das Land aufgeteilt wurde, klappte die Versorgung in den meisten Ländern überhaupt nicht mehr. Was man vergessen hat, ist, das man zuerst Wissen transportieren muss, ehe man die Arbeit übergibt.
Erna

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