Weltbevölkerung und weltweite Migration

Vom Umgang mit den Ressourcen unseres Planeten.
Erna
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Beitrag von Erna » Donnerstag 19. April 2007, 17:24

Samstag, 21. April 2007, 18:05 Uhr in hr2
Bald menschenleer?! "Kinder sind Zukunft" heißt das Motto der ARD-Themenwoche. Aber in Deutschland kommen immer weniger Kinder auf die Welt, Demographen entwerfen düstere Zukunftsszenarien einer überalterten und verarmenden Gesellschaft. Der Geburtenrückgang ist ein Glücksfall, schrieben dagegen die Soziologen Karl Otto Hondrich und Rabea Krätschmer-Hahn in einem provozierenden Artikel.
Weil das Thema gut zu unserer Diskussion passt, mache ich Euch auf diese Diskussion aufmerksam.
Erna

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Uwe Bartholl
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Beitrag von Uwe Bartholl » Dienstag 24. April 2007, 20:08

Geburtenrückgang - ein Glücksfall für die Bevölkerungsentwicklung, Jobverlagerung ins Ausland - ein Glücksfall für die Wanderungsbewegung.
Doch national betrachtet Katastrophen für das Sozialsystem und und die Wohlstandswahrung. Wie alles, was in Zukunft der Erde zu lesen ist, ist Voraussetzung für Lösungsansätze globales Denken. Mein Nächster ist der Arbeitslose hier und der Arbeitslose dort. Ein Wertesystem, in dem Familienleben als hohes Gut verankert ist, ist hier wie dort Lebensgrundlage einer jeden Gesellschaft. Ich vermisse Schritte aus diesem Konflikt heraus, immer nur sich selbst der Nächste zu sein. Weltweit. Ich habe gerade ein preiswertes ***-Hotel in Berlin für das Wochenende gefunden. Fördere ich damit die Beschäftigung von Menschen ohne Aufenthaltsgenehmigung? Wenn ich will, kann ich das ja positiv sehen. Mich macht das Wissen, das mir dieses Buch vermittelt, zunehmend rat- und hilfloser.

Erna
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Beitrag von Erna » Mittwoch 25. April 2007, 17:27

Du hast mit Deinen Bemerkungen nur zu Recht. Was auf der einen Seite von Vorteil ist, ist der Nachteil der anderen Seite, des Anderen. Aus diesem Dilemma kommen wir einfach nicht hinaus. Vielleicht ist das Leben einfach so konzipiert.
Erna

Helmut K.

Beitrag von Helmut K. » Mittwoch 25. April 2007, 19:08

Erna hat geschrieben:Du hast mit Deinen Bemerkungen nur zu Recht. Was auf der einen Seite von Vorteil ist, ist der Nachteil der anderen Seite, des Anderen. Aus diesem Dilemma kommen wir einfach nicht hinaus. Vielleicht ist das Leben einfach so konzipiert.
Erna
Momentan bin ich mitten drin in der Lektüre von "Kollaps" von Jared Diamond (Fischer TB, ca. 700 Seiten, ca 10 Eu). Beispielsweise "geglückte" Methoden der Bevölkerungssteuerung auf Tikopia, einer kleinen "winzigen tropischen Insel im Westpazifik", die seit 3.000 Jahren ununterbrochen mit ca. 1.200 Einwohnern besiedelt ist: Coitus interruptus, Abtreibung, Kindesmord, Selbstmord bzw. gefährliche Seereisen und Kriege zwischen den dort lebenden Großfamilien. Ganz schön grauslich, solche nachhaltige Bevölkerungspolitik! Das Buch ist faszinierend und höchst lesenswert (bin auf Seite 375), finde ich, weil es nüchtern untersucht, "warum Gesellschaften überleben oder untergehen" - mit globalem Modellcharakter. Helmut K.

Erna
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Beitrag von Erna » Sonntag 29. April 2007, 18:38

Die Diskussion über den Beitrag von Münz: "Weltbevölkerung und Migration" neigt sich dem Ende zu.
Über Anwachsen und Rückgang der Bevölkerung einzelner Länder gibt es zwei Meinungen: Die einen sagen, das sei von Vorteil - die anderen sehen mit der schrumpfenden Bevölkerung auch den schrumpfenden Wohlstand des Landes.
Vor 5 Monaten stand in der "Welt" ein Artikel von Uwe Müller und Joachim Peter, "Mit dem Volk schrumpft der Wohlstand" der die Dramatik des Bevölkerungsschwundes beschreibt.
Wir müssen damit rechnen, dass die heute noch 82,4 Mill. Bewohner im Jahre 2050 auf zwischen 75,1 und 68,7 Mill. gesunken sein werden. Dabei geht vor allem die Zahl der Menschen zurück, die im erwerbstätigen Alter steht. Bisher hat man alles nur unter dem Gesichtspunkt der Sozialsysteme betrachtet. Aber es passiert viel Dramatischeres:
Die Infrastruktur der Kommunen wird zu groß und damit zu teuer. Für die Führungskräfte gibt es keine Nachfolger mehr. Auch der Anschluss an den technischen Fortschritt können wir, mangels Experten, nicht mehr halten usw.
Neben der ständig sinkenden Geburtenrate verringert sich auch kontinuierlich die Zuwanderungsrate, die wir bisher noch als Regulativ ansahen.Während 2003 noch 280 000 Menschen einwanderten, von denen 80 000 deutschstämmig waren, sind unter den Einwanderern von 2005 nur noch 50 000 deutschstämmige. In den Frühnachrichten vor 2 Tagen sagte der Sprecher, dass die Anzahl der auswandernden Deutschen bereits die Zahl der einwandernden deutschstämmigen überträfe. Aber auch die Zahl der anderen Einwanderer geht zurück.
Erst bei einer Geburtenrate von 1,6 und 200 000 Einwanderern ist die Bevölkerungsgröße konstant zu halten. Bei 2,1 Kinder je Frau wäre sie es auch ohne Einwanderung.
Unsere Regierung versucht nun durch Besserstellung der Familien, die Kinderzahl zu erhöhen. Nur glaube ich nicht, dass mit solchen Mätzchen, wie der Themenwoche der ARD "Kinder sind Zukunft" auch nur ein Kind mehr geboren wird.

Horst Glameyer
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Zukunft der Erde

Beitrag von Horst Glameyer » Dienstag 1. Mai 2007, 20:06

Die Klimaerwärmung lässt sich allenfalls hinauszögern; aber nach den wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht mehr aufhalten. Beklagt wird die geringe Geburtenrate in der deutschen Gesellschaft. Weitaus angebrachter wäre es, mehr für Kinder und Jugendliche zu tun, ohne dabei ständig auf die Statistik zu starren. Vor allem sie frühzeitig zu verständnisvollem und hilfsbereitem Miteinander zu erziehen.

Technologisch sind wir eifrig dabei, den CO2 –Ausstoß zu verringern und unseren Energiebedarf mittels nachwachsender Rohstoffe, mittels Windrädern, Solar-, Wasserkraft- und ggf. Atomkraftanlagen für die Zukunft zu sichern. Deiche sollen verstärkt, Entsalzungsanlagen für sauberes Trinkwasser sorgen, wenn die Dürre überhand nimmt. Und alles geschieht weltweit nach den Gesetzen des Marktes, nach Angebot und Nachfrage im gegenseitigen Konkurrenzkampf, in dem es letztlich nur Sieger und Verlierer gibt. Selbst kriegerische Auseinandersetzungen und brutale Vertreibungen zur Sicherung des jetzigen und künftigen Rohölbedarfs gehen munter weiter.

Es ist, als säßen die Menschen auf den verschiedenen Kontinenten am Rande sich unaufhaltsam ausbreitender Wüsten und steigender Meere, denen sie trotz modernster Technik schutzlos ausgeliefert sein werden, wenn sie nicht wieder lernen, ihr global alles beherrschende Konkurrenzdenken und ihren Egoismus aufzugeben, um miteinander zu teilen, was jeder Einzelne bei schwindenden Ressourcen zum Überleben braucht.

Weder Bevölkerungswachstum noch Technik allein können helfen, den Gefahren der Klimaerwärmung rechtzeitig zu begegnen. Unser Denken muss -weg von der Gewinner- und Verlierermentalität- wieder zu gemeinsamem und sich gegenseitig unterstützendem Tun zurückkehren. Jeder wird gebraucht, auch der Schwächste. Nur so konnten sich unsere Vorfahren an der Küste durch gemeinschaftlichen Deichbau vor Sturmfluten schützen und gelang es Moses auf angeblich vierzigjährigem Marsch durch die Wüste sein Volk von Ägypten ins Gelobte Land zu führen.
Horst

Erna
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Beitrag von Erna » Mittwoch 2. Mai 2007, 10:19

Dein Beitrag, lieber Horst, könnte auch ebenso gut in die neue Diskussionsrunde passen. Es hängt alles mit allem zusammen.
Die 10Mill. Menschen, die uns zu einer Verhinderung des Problems des Rückganges fehlen, machen überhaupt nichts aus im Vergleich zum Bevölkerungszuwachs in anderen Ländern. Vor allem in denen, die nicht fähig sind, sich selber zu ernähren, auch durch unsere Schuld.
Zum Bekenntnis zum Kind gehört nicht nur Geld und Möglichkeiten die Kinder in Krippen unterzubringen, es gehört vor allem dazu, bereit zu sein, ein Stück seines Anspruches aufzugeben. Und das sowohl von Mann als auch von Frau. Wenn ich alles haben muss und dies auch noch möglichst vollkommen und sofort, dann kann ich mich nicht um den "Anderen" kümmern und seien es die eigenen Kinder.
Damit bin ich weder gegen die Krippen, noch gegen Kindertagesstätten. Allerdings nicht allein, um den Eltern zu ermöglichen schnell wieder zu arbeiten, sondern weil immer mehr Eltern nicht in der Lage sind, die Kinder in den ersten Lebensjahr so zu fördern, wie es in unserer schnelllebigen Zeit nötig wäre.
Erna

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