Weltbevölkerung und weltweite Migration

Vom Umgang mit den Ressourcen unseres Planeten.
Erna
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Weltbevölkerung und weltweite Migration

Beitrag von Erna » Mittwoch 14. März 2007, 15:15

Nun diskutieren wir also einen anderen Beitrag aus diesem Buch, das sich mit unserem Planeten befasst, zu dem es, trotz aller Suche, noch kein Ausweichquartier gibt.
Rainer Münz Thema ist das Anwachsen der Weltbevölkerung.
Die Zeitspanne, in der die Weltbevölkerung der Erde jeweils um eine Milliarde Menschen anwächst, wird imm er kürzer. Statistiken besagen, auch eine neue von der EU, dass Mitte des 21. Jahrhunderts die Erde von 9 Millionen Menschen bevölkert sein wird. Dabei ist das Wachstum in den unterentwickelten Regionen der Welt wesentlich höher als in den entwickelten. In den unterentwickelten Regionen leben weit mehr potenzielle junge Eltern, als in den entwickelten. Das hat zur Folge, dass die jetzt schon herrschende Armut immer größer wird und die Menschen in die Regionen, in denen es Arbeit gibt, drängen. Meines Erachtens nach wird der Druck so groß werden, dass alle Abschottung nichts mehr nutzen wird und sich der Strom der jungen Leute aus den unterentwickelten Gebieten nicht aufhalten lässt.
Was für Folgen kann das, vor allem für Europa haben, wie wird sich unser Kontinent verändern?

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Uwe Bartholl
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Beitrag von Uwe Bartholl » Samstag 17. März 2007, 10:27

Zu diesem Kapitel ist zu fragen: Stößt die Bevölkerungszunahme an die Grenze des Möglichen? Wenn ich die Zusammenfassung der elementaren menschlichen Bedürfnisse, die nicht gedeckt sind, bedenke, dann ist die Grenze längst überschritten. Wir in den Industrienationen, wir packen es nicht einmal, im eigenen Haus wirkungsvoll der Armut und der Arbeitslosigkeit zu begegnen. Auch hier könnte schon in der Überflussgesellschaft so mancher überflüssig sein. Könnte, nein, für viele Menschen im eigenen Lande gilt das bereits. Sollten wir nicht froh sein, dass so wenige Kinder geboren werden? Spätestens auf dem Arbeitsmarkt sind viele von ihnen unwillkommen. Und wir kennen auch unseren Anteil an dem Hunger in der Welt durch unser Marktverhalten. Die Zeitungen sind voll davon. Fairer Handel, Eine-Welt-Denken, beides sind Pflänzchen, denen der Mensch mit Marktmacht und grenzenloser Gier deren Wachstumsbedingungen streitig macht. Nicanor Perlas, alternativer Friedenspreisträger, bringt es mit der einfachen Aussage auf den Punkt: Es wird sich nichts ändern, wenn Du in Deinem Herzen nicht damit beginnst. Ein mitverantwortliches Eine-Welt-Denken in den Köpfen muss dem Bevölkerungswachstum begegnen. Üben können wir das in unserem Land, wenn die Welt zu groß ist, in der Wiederkehr der Sozialverantwortlichkeit eines Jeden: Teilen.

Erna
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Beitrag von Erna » Dienstag 20. März 2007, 18:50

Ich glaube nicht, dass wir ans Ende unserer Möglichkeiten gelangt sind. Wenn wir unsere Erde richtig bearbeiten, gibt sie auch die Ernährung für 9 Milliarden her. Man muss nur an Afrika denken, dass früher ein Agrarüberschussland war und sich heute nicht mehr selber ernähren kann.
Meines Erachtens ist die Migration aus Afrika, Asien usw. auch nicht dadurch bedingt, dass man dort verhungern müsste, weil die Erde nichts hergibt, sondern weil es Krieg, Missstände usw. gibt, die ein sinnvolles Leben nicht ermöglichen. Was nötig ist, ist die Länder zu befrieden und Bildung zu ermöglichen
Nach Ansicht von Münz kippt die Anstiegskurve doch das Älterwerden der Gesellschaft sowieso.
Erna

Roli Huber

Beitrag von Roli Huber » Mittwoch 21. März 2007, 10:24

Hallo Erna, hallo Uwe,
nach Rainer Münz ist ein Schrumpfen des Bevölkerungswachstums wahrscheinlich. Das hat mich ein bißchen beruhigt. Ich erinnere mich noch an meine Volksschulzeit zwischen 1946 und 1954. Da kam der Lehrer auch mal auf die Weltbevölkerung zu sprechen und hatte die damalige Zahl von ca. 2,5 Milliarden genannt.
Ja, ich finde es gut, dass relativ wenig Kinder in Deutschland und in Europa geboren werden. Und warum soll es ein Problem sein, wenn vorübergehend der Anteil alter Menschen größer ist als bisher?
Warum soll es ein Problem sein, wenn die Bevölkerung der Erde ein bestimmtes Niveau nicht mehr übersteigen wird?
Ich bin wie Ihr überzeugt, dass die Erde heute alle Menschen ernähren könnte. Es sind die Kriege, die Mißstände, die Ausbeutung, die Gewalt in allen Formen, welche das Elend verursachen.
Ich sehe eine lebensfähige und lebenswerte Zukunft nur darin,
daß die Menschen zunehmend sich als Bürger dieser Erde empfinden und weltweite Verantwortung und Solidarität lernen und praktizieren.
Wird die Zeit für diese Veränderung des Bewußtseins noch ausreichen?

helmutf

Weltbevölkerung

Beitrag von helmutf » Mittwoch 21. März 2007, 14:00

Es ist wohl niemand in der lage anzugeben wie viele menschen diese erde tragen (ertragen) kann. Die ernährungsgrundlage reicht sicher für weit mehr menschen als heute auf der erde leben. Die bewirtschaftung der vorhandenen bodenflächen muss jedoch erheblich geändert werden. So werden z.b. in Mittel- und Südamerika riesige fruchtbare flächen für rinderfarmen und obstplantagen genutzt, auf denen produkte für die reichen industriestaaten geerntet und exportiert werden. Von den exporterlösen hat die einheimische bevölkerung recht wenig. Würden auf diesen flächen die für die heimische bevölkerung notwendigen nahrungsmittel angebaut brauchte dort niemand hungern. Wahrscheinlich könnten sogar noch überschüsse für einen export erwirtschaftet werden. Das gleiche gilt für grosse regionen in Afrika.
Die grossen und reichen industrienationen werden dafür sorgen müssen, dass die unterentwickelten regionen langsam aber sicher anschluss finden. Andernfalls werden sie von „armuts“-migranten überrollt. Ich weiss, dies ist drastisch formuliert.

Schrumpfende bevölkerungszahlen in Europa müssen nicht nachteilig sein. Zuwanderungen werden einen teil ausgleichen. Was arbeitsplätze betrifft gibt es berechnungen die vorher sagen, dass ab 2010-2015 schon ein mangel an arbeitskräften eintreten könnte. Die menge der arbeitnehmer die in den ruhestand gehen können geburtenschwache jahrgänge nicht ausgleichen.

Wie gross die zahl der menschen ist welche die erde – abgesehen von der ernährung – verkraften kann liegt an uns menschen selbst. Mitunter ist zu lesen: der mensch zerstört die erde, das ist falsch! Der mensch zerstört nicht die erde sondern seinen lebensraum. (z.b. klima- und umweltsünden) Gemessen am erdalter lebt der mensch erst einen wimpernschlag lang darauf und die erde wird dieses „intelligente“ lebewesen mensch überleben. Vielleicht entsorgt uns die erde eines tages wie einen lästigen insekt. Die erde existierte vor dem menschen und wird nach im bestand haben.

Erna
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Beitrag von Erna » Donnerstag 22. März 2007, 10:26

Bei Süd- und wahrscheinlich auch Mittelamerika ist m.E. nicht die Frage, dass die Leute hungern, weil nicht das Richtige angebaut wird, sondern dass sie nicht das Einkommen haben, um sich das Nötige zu kaufen. Die Produktionserhöhung der Nahrungsmittel scheint nicht die Frage zu sein. Sonst könnte man ja auch nicht überlegen, dass man bei erneuerbaren Energien auch die Verbrennung von Getreide in Erwägung zieht, oder die Nutzung von Zuckerrohr als Treibstoff.
Erna

Roli Huber

Alles hängt miteinander zusammen

Beitrag von Roli Huber » Freitag 23. März 2007, 12:00

Ich kann der klaren Argumentation von Helmut nur zustimmen. Und die Ergänzung von Erna ist für mich kein Widerspruch dazu. Ich brauche auch keine weiteren Beispiele anführen. Wir sind vermutlich ausreichend
über die Weltwirtschaft informiert.
Ich möchte deshalb einen Schritt weitergehen.
Helmut schreibt über Amerika wie Afrika:
Würden auf diesen flächen die für die heimische bevölkerung notwendigen nahrungsmittel angebaut brauchte dort niemand hungern. Wahrscheinlich könnten sogar noch überschüsse für einen export erwirtschaftet werden.
Erna sagt:
Bei Süd- und wahrscheinlich auch Mittelamerika ist m.E. nicht die Frage, dass die Leute hungern, weil nicht das Richtige angebaut wird, sondern dass sie nicht das Einkommen haben, um sich das Nötige zu kaufen.
Ja, warum wird zu viel Soja und (Gen)Mais für die industrielle Viehwirtschaft angebaut?. Warum haben immer größere Bevölkerungsschichten - auch in Europa - kein ausreichendes Einkommen mehr? Wie kommen die Entscheidungen in den großen Weltunternehmen zustande? Betrachten wir die rücksichtslose Wettbewerbswirtschaft, die imer mehr den Wettbewerb ausschaltet - als ein Naturgesetz? Setzen wir uns als Bürger für eine soziale Weltwirtschaft ein? Wie sollen wir uns verantwortlich als globale Verbraucher verhalten?
Sind dafür nur andere zuständig? Die Politiker und die Manager? Oder haben wir keine Chance? Sind wir zu doch zu ohnmächtig?

Klaus Rüger

Wanderung von Ostdeutschland nach Westdeutschland

Beitrag von Klaus Rüger » Freitag 23. März 2007, 16:06

Ich will mich nur einem Teil der Bevölkerungswanderung zuwenden,dem von Ostdeutschland nach Westdeutschland und ins übrige Ausland.
Man verzeihe mir diesen Egoismus, aber dies hat mich doch in den vergangenen Jahren sehr bewegt und bewegt mich noch !!

Münz nennt in seinen Vorträgen (nicht nur in dem diskutierten Artikel) Zahlen über diesen Exodus und den aus dem restlichen Osteuropa.

Hinter jeder Zahl verbergen sich Schicksale, nicht jeder ist freiwillig von seiner Heimat weggezogen bzw. arbeitet wochenlang auswärts,um seiner Familie daheim den Unterhalt zu sichern ! Auch meine Söhne fanden in Sachsen keine Arbeit und mußten in Bayern bzw. Hamburg arbeiten.

Ich frage mich doch manchmal , wem die großen Veränderungen der letzten Jahre(das wunderbare Zustandekommen der deutschen Einheit, das Größerwerden der EU,die Einführung des Euro usw. ) mehr genutzt haben, dem sogenannten "kleinen Mann" oder den großen international agierenden Firmen ? Letztere sind es doch oft, jedenfalls manche der "Globalplayer", die oft die demokratischen Regierungen Europas in Schwierigkeiten bringen und die Demokratie aushebeln !
Wenn die Globalisierung für alle und nicht für wenige ein Erfolg werden soll,
müssen alle Demokraten, ob in einer Regierung oder nicht, gegen diese neoliberalen Auswüchse zusammenstehen !

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Uwe Bartholl
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Beitrag von Uwe Bartholl » Dienstag 27. März 2007, 09:51

Wenn gesagt wird, die Erde könnte bei intelligenter Nutzung der Ressourcen sicher auch die anvisierten 9 Milliarden Menschen ernähren, dann bleibe ich bei meiner Skepsis und der Feststellung des zunehmenden Verhungerns in der Welt. In der ganzen Ökonomie ist der Mensch der unsicherste Kantonist. Er handelt, wenn es um das wirtschaften mit knappen Gütern geht, eben oft nicht rational und schon gar nicht sozial. Die eigenen Taschen füllen, dafür wird der Geist angestrengt. Gelingt es nicht, Wirtschaften als Weltverantwortung zu entwickeln, dann reicht das heutige Szenario aus, um in vielen Regionen der Erde den Neugeborenen zu wünschen: Wäret ihr doch nie geboren. Was mich beunruhigt ist die Tatsache, wir haben das Wissen, wie Ernährung zu sichern wäre, doch nur unsere eigene Wohlstandsmehrung treibt uns an, ohne Rücksicht auf Verluste. Gerne würde ich diskutieren, wie notwendige Bewusstseinsänderung wirkungsvoll in Gang zu setzen ist. Oder ist die Katastrophe die einzige Lehrmeisterin?

helmutf

Weltbevölkerung

Beitrag von helmutf » Dienstag 27. März 2007, 16:06

Es dürfte schon so sein, dass auch in südamerika auf grossen flächen von z.b. US-amerikanischen konzernen produkte für den export in die finanzstarken industrienationen angebaut werden.

- Würden mehr nahrungsmittel für den eigen bedarf dieser ländern angebaut würden diese ggf. billiger angeboten und die ärmere bevölkerung brauchte nicht hungern.

- Stünden mehr flächen für den eigenbedarf zur verfügung könnte diese menschen sich in grösseren umfang selbst versorgen.

- Bei der nutzung der landwirtschaftlichen flächen muss der eigenbedarf der einheimischen bevölkerung an erster stelle stehen.

Uwes beitrag vom 27.03.2007 zeigt nicht nur skepsis sondern auch eine sehr pessimistische tendenz. Der mensch ist nun einmal wie er ist. Einen neuen menschen schaffen wollte schon die eine oder andere gesellschaft; wie bekannt ohne erfolg. Wir menschen sind alle, mehr oder weniger ausgeprägt, egoisten. Wirtschaften, ökonomisches handeln als „weltverantwortung“ ein grosses aber utopisches ziel.
In der vergangenheit hat der mensch alle exitenzbedrohenden krisen bewältigt; nicht immer früh genug (was ggf. günstiger gewesen wäre) aber noch immer rechtzeitig.
Nur ökonomisches wachstum sichert den wohlstand und fortschritt einer gesellschaft. Dies sollte aber auch verpflichtung sein unterentwickelte völker zu unterstützen, ihnen zu helfen die unterschiede abzubauen. Eine änderung im bewusstsein von gesellschaft und politik und der wille die verhältnisse zu ändern ist dazu notwendig. Darüber zu diskutieren könnte interessant werden.

Horst Glameyer
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Bewusstseinsänderung

Beitrag von Horst Glameyer » Dienstag 27. März 2007, 20:36

Uwe schreibt: „In der ganzen Ökonomie ist der Mensch der unsicherste Kantonist. Er handelt, wenn es um das wirtschaften mit knappen Gütern geht, eben oft nicht rational und schon gar nicht sozial. Die eigenen Taschen füllen, dafür wird der Geist angestrengt.“

Tatsächlich wurden in den letzten Kriegsmonaten und nach dem Kriegsende die deutschen Flüchtlinge und Heimatvertriebenen nicht überall mit offenen Armen aufgenommen. Sollten infolge der Klimaveränderung Menschen aus unfruchtbar gewordenen Landstrichen auf der Suche nach erträglichen Lebensbedingungen in andere Gebiete strömen, wird das u.U. nicht friedlich abgehen. Schon ein Ansteigen der Meereshöhe an den Küsten Europas würde zur ständigen Überschwemmung von Dörfern und Städten führen, deren Bevölkerung landeinwärts ziehen müsste, um zu überleben.

Bislang zeigten sich bei Naturkatastrophen in fernen Ländern die Menschen in den nicht betroffenen Gebieten sehr hilfsbereit, gewährten den Opfern technische Unterstützung, sammelten für sie beträchtliche Geld- und Sachspenden. Ob aber dieselben hilfsbereiten Menschen bereit wären zusammenzurücken, um Völkerwanderungsscharen bei sich aufzunehmen, die nicht mehr in ihre Heimat zurückkehren können, bleibt zumindest fraglich. Schon jetzt tun sich unsere Politiker schwer, Kriegsflüchtlingen und Asylbewerbern zeitlich unbefristete Aufenthaltsgenehmigungen auszustellen.

Uwe fragt: „Gerne würde ich diskutieren, wie notwendige Bewusstseinsänderung wirkungsvoll in Gang zu setzen ist. Oder ist die Katastrophe die einzige Lehrmeisterin?“
Ein Beispiel gibt uns Daniel Barenboim mit seinem israelisch-palästinensischen Jugendorchester. Trotz aller Gegensätze zwischen Israel und Palästina ist es ihm als Israeli gelungen, junge Menschen zu gemeinsamem Musizieren friedlich zusammenzuführen.

Je mehr man die musischen Fächer in den Schulen aus Kostengründen in den Hintergrund drängt oder ganz ausfallen lässt, um so nachhaltiger schwächt man das Gemeinschaftsgefühl der nachfolgenden Generationen. Der Sport ist dafür kein vollwertiger Ersatz, weil er bei den Zuschauern nicht selten Emotionen weckt, die sich gegen vermeintliche Gegner richten.
Viele Filme, Fernseh- und Videospiele zeigen leider zu oft, dass sich Probleme angeblich am leichtesten mit Gewalt lösen lassen, und prägen sich dem Betrachter oder Spieler durch die ständige Wiederholung ein.
Eine Bewusstseinsänderung kann nur im Elternhaus und in der Schule einsetzen und somit bei uns Erwachsenen. Es sei denn, die Katastrophe lehrt uns, was wir nicht beizeiten lernen wollten.
Herzlichen Gruß
Horst

Horst Glameyer
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Landreform als Problemlösung?

Beitrag von Horst Glameyer » Dienstag 27. März 2007, 22:26

helmutf empfiehlt für Südamerika als Lösung der dortigen Armuts- und Hungerprobleme eine Landreform, wie sie der brasilianische Präsident Lula seinen Wählern während des Wahlkampfes zu seiner ersten Amtsperiode versprach. Im Oktober 2006 wurde er für die Zeit von 2007 – 2010 wiedergewählt, obwohl die angekündigte Landreform, sofern sie schon irgendwo verwirklicht wurde, anscheinend noch nicht viel dazu beigetragen hat, Armut und Hunger im Lande zu verringern.

Bereits vor mehr als 2000 Jahren machte im Jahre 133 v.Chr. der Volkstribun Tiberius Sempronius Gracchus einen Gesetzesvorschlag für eine Landreform zum Erhalt des Kleinbauerntums in der römischen Republik, weil die Großgrundbesitzer ihre von Sklaven bewirtschafteten Ländereien auf Kosten der Kleinbauern ständig vergrößerten. Sein Vorgänger war klug genug, einige Jahre zuvor einen ähnlichen Gesetzesvorschlag wegen des starken Widerstands zurückzuziehen.
Als sich Ti. Gracchus zum zweiten Mal um das Amt des Volkstribuns bewerben wollte, wurde er bei den Vorbereitungen zusammen mit 300 seiner Anhänger von Senatoren erschlagen.
Caius Gracchus nahm 123-122 das Reformprogramm seines älteren Bruders wieder auf, musste fliehen und ließ sich im Jahre 121 v. Chr. von seinem Sklaven töten. Gegen 3000 seiner Anhänger wurden Todesurteile ausgesprochen.
Vermutlich handelt es sich um zwei der ältesten bekannten Versuche, eine Landreform durchzuführen. Großgrundbesitzer ließen schon damals nicht mit sich spaßen.

Von einer durchgeführten, anscheinend aber nicht gelungenen Landreform unserer Tage berichten die Medien aus Simbabwe, der früheren britischen Kolonie Rhodesien. Präsident Mugabe vertrieb die weißen Farmer und überließ deren Land seinen Befreiungskämpfern. Einst wurde Getreide ausgeführt, heute muss Simbabwe Getreide einführen. Die Bevölkerung hungert. Es herrscht eine hohe Arbeitslosigkeit. Nicht jeder „Landlose“ scheint auch ein guter Kleinbauer zu sein. Obendrein werden in Simbabwe unter dem herrschsüchtigen Präsidenten die Menschenrechte mit Füßen getreten.
Herzlichen Gruß
Horst

RenateBowen
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Beitrag von RenateBowen » Samstag 31. März 2007, 18:08

Uwe erwähnte, es muss eine Entwicklung geben zum Eine-Welt-Denken und Roland schrieb, wir müssen weltweit Verantwortung übernehmen. Es ist deutlich geworden, viele Probleme, die heute in den Ländern der Welt diskutiert werden, kann man nur global lösen. Bei der Betrachtung des Zustandes der Ungleichheit für die Entwicklung, ja sogar für das Überleben der Menschen in den verschiedenen Regionen dieser Welt, kann es nach historischen Erfahrungen nicht gut gehen.
Für mich ergibt sich daraus, dass die Welle der Immigration der Menschen aus den ärmsten Ländern der Welt in der Zukunft enorm steigen wird. Wie Erna erwähnte, die Abschottung Europas wird nichts nützen. Früher hat man im Zustand der Unwissenheit die Entsagungen in den unterentwickelten Ländern als gegeben hingenommen, heute sieht man im Fernsehen den Lebensstil der Menschen im Norden.

Renate

Erna
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Beitrag von Erna » Montag 9. April 2007, 15:45

am: 09.04.2007 09:36 Titel:
Die Veränderung der Umwelt ist bestimmender Faktor in unserem Denken, überhaupt seit dem der neue Umweltbericht erschienen ist. Dies hat auch unsere Diskussion über die Statistiken der Weltbevölkerung stark beeinflusst. Natürlich weiß ich auch, dass die Menschen zu dieser Veränderung beitragen, sie sind aber m. E. nur ein Faktor. Dieser Eindruck verstärkte sich, als ich hörte, dass sich die "Athmosphäre" des Mars' in nur 40 Jahren um ein halbes Grad erwärmt hat, viel schneller als die unserer Erde und ohne Menschen und Autos.
Das nur als Vorwort, um zum Artikel von Münz zurückzukommen. Münz sagt, dass bis zum Ende des 21. Jahrhunderts die Weltbevölkerung ansteigen und dann rückläufig, aufgrund der Überalterung, sein wird. Diese Überalterung tritt überall in der Welt auf, bedingt durch die bessere gesundheitliche Versorgung. Zwar wird sie in den zivilisierten Ländern mit ihren negativen Auswirkungen eher zu spüren sein, siehe Japan, als in den weniger entwickelten. Aber auch dort tritt dieses Phänomen auf. Das bedeutet, dass die jeweilige sog. "Sandwichgeneration" eine größere ökonomische Last zu tragen hat, als die vorhergehende. Der bessere gesundheitliche Zustand der "Alten" müsste demnach auch zu einer längeren Arbeitsdauer führen, um die Sandwich-Generation zu entlasten. (Da ich selbst bis 69 gearbeitet habe, z. T. körperlich sehr schwer, darf ich auch davon sprechen.) Wenn ich mich aber an die Aufregung erinnere, die die Arbeitszeitverlängerung auslöste, für mich und vielleicht auch volkswirtschaftlich gesehen viel zu langsam, dann kann ich das nicht verstehen. Natürlich ist richtig, dass es im Augenblick noch nicht für alle Arbeit gibt, die wird es übrigens nie geben, aber schon jetzt werden Arbeitskräfte in qualifizierten Berufen gesucht.
Natürlich bedeutet eine Arbeitszeitverlängerung ein weniger hohes Einkommen bei der Rente. Aber auf die Zukunft hingesehen, können wir doch diese Lasten nicht immer von Generation zu Generation erhöhen und verschieben. Ich bin mir bewusst, dass ich noch zu einer privilegierten Altenschicht gehöre, die es so nicht mehr geben wird. Allerdings hätte ich es auch anders hinnehmen müssen. Die Heraufsetzung der Arbeitsgrenze ist für mich gerechtfertigt und unumgänglich.
Daneben halte ich es für unbedingt erforderlich Bildung und Arbeitsmöglichkeiten in den Entwicklungsländern zu ermöglichen. Der Drang in die entwickelten Länder wird dadurch zwar nicht aufgehoben aber gemildert werden.
Erna

RenateBowen
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Beitrag von RenateBowen » Mittwoch 18. April 2007, 19:43

In einem Artikel der Zeitung DIE ZEIT vom 8.3.07 wird über die Migration folgendes berichtet. „Weltweit suchen etwas 30 bis 40 Millionen illegale Einwanderer ein besseres Leben, schätzen die UN. Ewa sechs Millionen sind es in der Europäischen Union. Die Hochrechnungen für Deutschland variieren zwischen 500 000 und einer Million – gesicherte Zahlen gibt es nicht. Einem UN-Bericht zufolge überwiesen Migranten allein 2005 weltweit etwa 230 Milliarden Dollar in die Heimat, was mehr ist als das Doppelte der globalen Entwicklungshilfe.“

Es wird dann auch darüber berichtet, dass Experten davon ausgehen, dass 15 bis 20% des Umsatzes im Hotel- und Gastronomiegewerbe in Deutschland mit illegaler Beschäftigung erwirtschaftet werden. Sie werden schlecht bezahlt. Der Kostendruck auf die Betriebe wird als Grund dafür genannt, dass es zu diesen Arbeitsverhältnissen kommt. Übervorteilen wir als Gäste dieser Hotels und Restaurants nicht diese armen Menschen? Sie leben unter uns mit einem Gefühl der Angst vor Entdeckung, bei Krankheiten können sie keinen Arzt aufsuchen. Wäre hier nicht ein weiterer Weg, Entwicklungshilfe zu praktizieren? Unsere Politiker könnten beschließen, eine bestimmte Anzahl von diesen illegalen Migranten für einen festgelegten Zeitraum legal in diesen Jobs als Geringverdiener arbeiten zu lassen. Ein großer Teil des Verdienstes fließt in die Heimatländer und lindert dort die Not. Sicherlich wäre es noch nützlicher für die Bevölkerung, wenn z.B. auch nach Afrika Jobs ausgelagert würden. Erna erwähnte schon, die Bildung muss verbessert und Verdienstmöglichkeiten müssen geschaffen werden. Die Armut auf der Welt muss verringert werden, um die Migration der Millionen zu stoppen. Wenn es stimmt, dass Armut Kinder erzeugt, dann wäre gleichzeitig etwas gegen das Bevölkerungswachstum getan. Ich denke, Gleichgültigkeit gegenüber den Ärmsten der Welt können wir uns in den reichen Ländern nicht mehr erlauben.

Renate

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