Dieter David Seuthe: Frankfurt verboten

Hier diskutieren wir über belletristische Bücher.
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Brigitte Höfer
Beiträge: 440
Registriert: Donnerstag 9. Februar 2006, 17:51
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Dieter David Seuthe: Frankfurt verboten

Beitrag von Brigitte Höfer »

In dem Roman „Frankfurt verboten“ entdeckt in Neuseeland die schon gealterte Tochter die jüdische Vergangenheit ihrer Mutter – nach deren Tod. Sie findet beim Aufräumen unter dem alten Ehebett einen Karton mit vergilbten Briefen, mit vier alten Postkarten in Schwarz-Weiß. Sie zeigen eine eiserne Brücke „vor dem Hintergrund einer altertümlichen Stadtlandschaft“. Und auch einen imposant anmutenden Bau im griechisch-römischen Stil, der sich als das alte Frankfurter Opernhaus entpuppt. Schließlich entdeckt Sarah ein verblasstes Exemplar der Frankfurter Zeitung vom 12. Juli 1936. Sie nimmt die Spur auf in die unbekannte Vergangenheit ihrer Mutter …
Hier geht es zu den Veranstaltungen rund um das Buch von David Seuthe:
http://www.frankfurt-liest-ein-buch.de/2016/
Und hier geht es zu der Biographie des Autors:
http://www.weissbooks.com/autoren/diete ... ta-seuthe/
Brigitte

HildegardN
Beiträge: 262
Registriert: Mittwoch 20. September 2006, 14:13

Re: Dieter David Seuthe: Frankfurt verboten

Beitrag von HildegardN »

Liebe Literaturfreunde,

„Immer wieder ist in Zusammenhang mit Verfolgung oder Flucht die Frage der nächsten Generationen aufgekommen, weshalb solche Erlebnisse kaum jemals weitergegeben werden“, bemerkt der Autor am Ende seines Romans und fügt hinzu: Daraus ist das Motiv meines Romans „Frankfurt verboten“ entstanden.
Es ist ein Roman über die Zeit des Nationalsozialismus in Frankfurt , die Erzählung einer fiktiven Geschichte, eng angelehnt an die Ereignisse in Frankfurt und anderen deutschen Städten zwischen 1933 – 1936.
Im Mittelpunkt des Romans „Frankfurt verboten“ steht die junge, begabte Pianistin Elise, eine Jüdin, die, ihre Karriere als Musikerin kaum begonnen, durch die braunen Machthaber wieder verliert, und bald auch Max, ihre große Liebe. Als Jüdin erlebt sie Repressalien sowie Demütigungen und lebensbedrohende Verfolgung. Sie flieht schließlich nach Neuseeland und baut sich hier ein neues Leben, eine neue Zukunft auf. Elise heiratet einen Neuseeländer, und bald wird ihr eine Tochter, Sarah, geboren, die musikalisch in ihre Fußstapfen tritt. -
Ich habe dieses Buch gern und recht zügig gelesen, ist doch das Interesse an dem geschilderten Geschehen in der Zeit des Nationalsozialismus bei Angehörigen meiner Generation, die in dieser Zeit aufgewachsen und nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges – teils flucht- und integrationserfahren – erwachsen geworden sind, oft noch präsent.
„Es ist wichtig, dass diese Geschehnisse nicht in Vergessenheit geraten“, betonte ein 85-jähriger Musikwissenschaftler bei einer Buchpremiere. -- Dieter David Seuthe hat mit seinem Roman „Frankfurt verboten“ dazu beigetragen.
Der Roman klingt aus mit einem versöhnlichen Schluss. Sarah, die in Neuseeland beheimatete Tochter Elises, eine 56jährige erfolgreiche Pianistin, veranstaltet zum Gedenken ihrer Mutter im Clara Schumann-Saal des Konservatoriums Dr. Hoch ein Konzert, das sie persönlich leitet und auch bestreitet. Sie erfüllt damit einen Wunsch und ein Vermächtnis ihrer Mutter, dass Elises Flügel, der einst ihre Musik- und ihre Karrierejahre am Frankfurter Konservatorium begleitet und in die Welt hinaus getragen hat, wieder heimkehren soll ins Konservatorium Dr. Hoch nach Frankfurt.

Herzliche Grüße aus Bad Homburg
Hildegard

Erna
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Registriert: Freitag 1. April 2005, 10:47

Re: Dieter David Seuthe: Frankfurt verboten

Beitrag von Erna »

Das Buch "FRankfurt verboten" hat bei unserem letzten Treffen ein gutes Echo gehabt. Die meisten Leserinnen äußerten sich recht positiv dazu. Mir, die ich dieseZeit persönlich erlebt habe, wenn auch als Kind, hat es Tatsachen ins Bewußtsein gerufen, die ich längst vergessen hatte. Die Anlage des Romans fand ich sehr interessant und das Buch gut recherchiert, auch wenn ich manche Begenheiten anders empfunden habe. Der doch verhältnismäßig lockere Umgang mit Homosexualität hat mich z. B.erstaunt, ich fand dies ist nie diskutiert worden.Vielleicht lag das aber auch an meinem Alter. Bei uns wurde auch Alice nie wie Elise ausgesprochen.
Manchmal empfand ich den Erzählstil nahe bei den Frauenromanen. Die Menschen sind so edel. Außer der Ohrfeige von Elise ist niemand aus der Haut gefahren. Kleider spielen eine wichtige Rolle, bis dahin, dass Hugo Boss erwähnt wird, den es wirklich zu dieser Zeit schon gab
Erna

Marlis Beutel
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Registriert: Mittwoch 5. April 2006, 18:54
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Re: Dieter David Seuthe: Frankfurt verboten

Beitrag von Marlis Beutel »

Liebe Mitlesende,
Das Buch von Seuthe macht sehr deutlich, dass die Juden in Deutschland wie Deutsche lebten und erst durch die Nazis stigmatisiert wurden.
Ich wurde 1933 eingeschult, der Rektor hielt flammende Reden in SA-Uniform. Als die Synagoge angezündet wurde, reagierte meine katholische Lehrerin sehr betroffen.
Natürlich begegnete ich später Juden, war aber nie unbefangen. Waren es die Juden mir gegenüber? Ich weiß es nicht.
Bei Seuthe wird die Jüdin gerettet, die sich aber nie mit der Vergangenheit aussöhnen kann, weil der Retter mit seinem Leben für ihre Rettung bezahlen musste.
Ein erschütterndes Buch also? Nein, darauf legt es der Autor nicht an. Aber es macht sehr nachdenklich und versucht, eine aus den Fugen geratene Welt wieder ins Gleichgewicht zu bringen.
Marlis Beutel
Marlis Beutel

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