Petros Markaris: Faule Kredite

Hier diskutieren wir über belletristische Bücher.
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Erna
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Petros Markaris: Faule Kredite

Beitrag von Erna »

Hier also unser neues Buch. Es fängt mit der Hochzeit der Tochter von Kommissar Kostas an und wird uns Ältere vielleicht an unsere eigene Hochzeit erinnern und die ganze Aufregung, die es dabei gab. Vielleicht sollte man wissen, dass zur Zeit als Katerina heiratete, die kirchliche Trauung, damals in Griechenland noch die einzige Möglichkeit der Eheschließung war. Daher vielleicht doppelt aufregend.
Erna

HildegardN
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Re: Petros Markaris: Faule Kredite

Beitrag von HildegardN »

Liebe Literaturfreunde,
Selten war ein Krimi so brennend aktuell wie "Faule Kredite", las ich in einer Besprechung in der WAZ vom 06.07.2011, noch bevor ich Gelegenheit hatte, Petros Markaris Roman kennen zu lernen.
Von April bis September 2010 hat, wie berichtet wird, Markaris den Roman "Faule Kredite" geschrieben, und ich finde es erstaunlich, wie intensiv der Autor sich mit der aktuellen Krise und der wirtschaftlichen Sitution Griechenland befasst hat, die ja nicht allein Griechenland betrifft, sondern vor allem auch Europa überrollt und viele seiner Finanzmärkte in eine schwierige Lage gebracht hat.
Immer wieder treten in diesem Roman Betroffene und aktive Akteure Griechenlands in Erscheinung und auch "zu Worte", und hier hat mich besonders beeindruckt, dass und wie Markaris einen der Akteure - es ist der Rating-Fachmann - als Mordopfer in das Geschehen, und damit in den Krimi, integriert.
Soviel für heute - mit Grüßen aus Bad Homburg
Hildegard

Erna
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Re: Petros Markaris: Faule Kredite

Beitrag von Erna »

Die faulen Kredite habe ich schon einmal, nämlich im Erscheinungsjahr 2011 gelesen. Jetzt beim zweiten Mal bin ich erstaunt, wie aktuell der Roman noch immer ist und wie gut Petros Markaris sich in dem Fachgebiet informiert hat.
Was ich noch gelernt habe, ist, dass er, im Gegensatz zu den meisten deutschen Kommissaren, zwei Assistenten hat und 14 Monatsgehälter bekommt. Ansonsten menschelt es auch in Griechenland zwischen den einzelnen Abteilungen sehr. Ich finde, alles könnte so in der Realität passiert sein, wie es erzählt wird.
Erna

Marlis Beutel
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Re: Petros Markaris: Faule Kredite

Beitrag von Marlis Beutel »

Liebe Mitlesende,

außer der "Odyssee" hatte ich noch wenig über Griechenland gelesen und freue mich deshalb sehr über unser jetziges Buch. Es ist mir auch gleichgültig, ob es sich um einen guten oder schlechten Krimi handelt. Was mir gefällt, sind die genauen Beschreibungen des Lebens in Athen, mit den verstopften Straßen, den unterschiedlichen Meinungen der Bewohner zu den Ursachen der Wirtschaftskrise, den verschiedenen Hypothesen zu den Morden. Der Kommissar jammert nicht über die Gehaltskürzungen, die ihm zu schaffen machen, sondern tut ganz einfach seine Arbeit, bis er sie erledigt hat. Auch seine Familie ist ist sympathisch.

Grüße von der Bergstraße,
Marlis
Marlis Beutel

Erna
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Re: Petros Markaris: Faule Kredite

Beitrag von Erna »

Weil ich den Roman von P. Markaris so außerordentlich aktuell finde, habe ich einmal gestöbert, um zu sehen, was man für Kritiken vor vier Jahren schrieb, als das Buch erschien. Es gibt eine Reihe davon.
Was ich dabei auch fand, war eine Definition des Genre Kriminalroman von Markaris für die Griechen geschrieben:
„Da die meisten Griechen das Genre Kriminalroman immer noch mit Agatha Christie gleichsetzen, das heißt mit dem Lösen eines Rätsels, das ihr Leserinteresse wachhält, fällt es ihnen nicht leicht zu begreifen, dass der heutige Kriminalroman eher ein Gesellschaftsroman mit Krimihandlung denn ein Krimi im herkömmlichen Sinne ist.“
Sicherlich gilt das für viele Deutsche auch. Mehr aber noch in einem anderen Sinne. Da kann man oft hören, das sind
Leser/innen, die keine Krimis lesen! Als ob ein Krimi kein Niveau hat.
Hier der Link zu einer Rezension
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/b ... letristik/
Erna

Erna
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Re: Petros Markaris: Faule Kredite

Beitrag von Erna »

Der LInk der Rezession ist nicht vollständig, ich bekomme ihn aber nicht weg.
Hier ist ein neuer Link mit neuen Büchern , bei der FAZ aufgeführt. Vielleicht könnte ja eines unser nächstes sein.

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/b ... letristik/

Noch etwas zum Markaris. Obwohl da Köpfe abgeschnitten wurden, fand ich den Roman nicht abstoßend. Die Aufklärung der Verbrechen erfolgte eigentlich immer durchs Überlegen. Kosta ist so unaufgeregt.
Die Beschreibung des griechischen Alltags gefallen mir gut. Sie gibt einen Einblick in die griechische Familie, der in manchem unserem Leben sehr ähnelt und andererseits Werte hochhält, die bei uns so nicht mehr so vorkommen:das Füreinander-Dasein.
Erna

Marlis Beutel
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Re: Petros Markaris: Faule Kredite

Beitrag von Marlis Beutel »

Liebe Erna,
danke für Deine Hinweise und Bemerkungen zu unserem Buch! Es liest sich so einleuchtend, dass man gar nicht das Bedürfnis hat, dem Autor zu widersprechen. Durch die vielen griechischen Namen und Ortsbeschreibungen fühlt man sich beinahe nach Athen versetzt, was ich ganz reizvoll finde. Nur sollte man in der Realität die griechische Schrift gut lesen können.
In den Buchbesprechungen fiel mir Harper Lees Buch "Gehe hin, stelle einen Wächter" auf, das man anscheinend mit der "Spottdrossel" (Nachtigall) zusammen lesen sollte. Das wäre allerdings eine ziemlich umfangreiche Aufgabe.
Grüße von der Bergstraße,
Marlis
Marlis Beutel

HildegardN
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Re: Petros Markaris: Faule Kredite

Beitrag von HildegardN »

Liebe Literaturfreunde,
anders als die hier bisher "zu Worte gekommenen" Diskussiosteilnehmerinnen hahe ich Griechenland nicht persönlich kennen gelernt, und auch die "Odyssee" habe ich noch nicht gelesen.
Die genauen Beschreibungen des Lebens in Athen seitens des Autors haben mir sehr gefallen und zum Kennenlernen Griechenlands beigetragen. Schwierigkeiten bereiteten mir allerdings die vielen griechischen Namen und besonders auch die vielen griechischen Straßenbezeichnungen, die mir besonders anfangs das Lesen erschwerten, obwohl der Autor seinen Text sehr leserfreundlich gestaltet hat.
Ich habe Petros Markaris' Roman "Faule Kredite" gern gelesen, und ganz besonders hat mich der Bezug zum griechischen Alltag, zur wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Situation Griechenlands beeindruckt.
Grüße aus Bad Homburg
Hildegard


Zuletzt als neu markiert von Erna am Montag 28. September 2015, 12:53.

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