Chimamanda Ngozi Adichie : Americanah.

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helmutf-berlin
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Chimamanda Ngozi Adichie : Americanah.

Beitrag von helmutf-berlin » Dienstag 10. März 2015, 10:33

Chimamanda Ngozi Adichie : Americanah

Klappentext
Aus dem Englischen von Anette Grube. Die große Liebe von Ifemelu und Obinze beginnt im Nigeria der neunziger Jahre. Dann trennen sich ihre Wege: Während die selbstbewusste Ifemelu in Princeton studiert, strandet Obinze als illegaler Einwanderer in London. Nach Jahren kehrt Ifemelu als bekannte Bloggerin von Heimweh getrieben in die brodelnde Metropole Lagos zurück, wo Obinze mittlerweile mit seiner Frau und Tochter lebt. Sie treffen sich wieder und stehen plötzlich vor einer Entscheidung, die ihr Leben auf den Kopf stellt.
Biografie der Autorin nach Munziger: Wissen, das zählt
Chimamanda Ngozi Adichie wurde am 15. Sept. 1977 als eines von sechs Kindern des Mathematik-Professors James Nwoye Adichie und seiner Frau Grace Ifeoma in Enuga (n.a.A. Abba) im Bundesstaat Anambra geboren. Sie wuchs auf dem Campus der Universitätsstadt Nsukka im südöstlichen Nigeria auf. In dem Haus hatte vorher der bekannte nigerianische Autor Chinua Achebe gewohnt.
Ihre Mutter war in der Universitätsverwaltung angestellt. Der Vater war erster Statistik-Professor des Landes und wurde später Vizekanzler der Universität. A. gehört der katholischen Igbo-Ethnie an. Sie hat ihre beiden Großväter im Biafra-Krieg (1967-1970) verloren.
Adichie besuchte die Universitätsschule und begann nach dem Abitur ein Medizin- und Pharmazie-Studium an der Universität in Nsukka. Bereits während dieser Zeit arbeitete sie redaktionell an einer von katholischen Medizinstudenten herausgegebenen Zeitschrift mit.
Mit 19 Jahren ging sie mit einem Stipendium der Drexel University Philadelphia in die USA, wo sie Kommunikationswissenschaften studierte. 2001 schloss sie dieses Studium mit dem Bachelor's Degree an der Eastern Connecticut State University mit summa cum laude ab.

Erna Subklew.

Erna
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Re: Chimamanda Ngozi Adichie : Americanah.

Beitrag von Erna » Dienstag 10. März 2015, 13:25

Hallo, liebe Lesefreundinnen.
Helmut hat für uns das nue Buch ins Forum gestellt. Schönen Dank dafür. Wer also schon zu lesen angefangen hat, darf etwas hineinschreiben. Öffentlicher Termin ist der 15.03. Hoffentlich ist das Buch so interessant wie "Der Circle".
Viel Spaß
Erna

Marlis Beutel
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Re: Chimamanda Ngozi Adichie : Americanah.

Beitrag von Marlis Beutel » Montag 16. März 2015, 10:28

Liebe Mitlesende,

es war vielleicht doch keine restlos gute Idee, den Roman in Englisch zu lesen, denn dann kann man schlechter zitieren. Ich versuche es trotzdem.
Eine alte Dame wird so geschildert:"...Mrs. Akin-Cole, a famously old woman from a famously old family, who had the supercilious (hochnäsig) expression, eyebrows always raised, of a person used to receiving hommage (Huldigung); Obinze often imagined her belching (rülpsend) champagne bubbles." S. 28
Die Schilderungen dieser Autorin faszinieren mich. Man kann sich die Situationen gut vorstellen. Ich hoffe, einiges über Afrika und auch Amerika zu lernen.

Grüße von der Bergstraße,
Marlis
Marlis Beutel

Erna
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Re: Chimamanda Ngozi Adichie : Americanah.

Beitrag von Erna » Samstag 21. März 2015, 12:35

Liebe Marlis,
ich habe gerade mit dem neuen Buch angefangen und das erste Kapitel gelesen. Es hat mir gut gefalle, es ist sehr plastisch erzählt. Den Laden, in dem die Zopfflechterinnen arbeiten habe ich mir ganz genau vorgestellt. Ebenso die einzelnen Angestellten, die dort arbeiten Ein bisschen machen mir im Augenblick die Namen zu schaffen.
Außer Dir, liebe Marlis, liest auch Annemarie Werning das Buch auf Englisch und ich nehme an, dass Renate Breiter es auf Englisch lesen wird.
Grüße
Erna

Marlis Beutel
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Re: Chimamanda Ngozi Adichie : Americanah.

Beitrag von Marlis Beutel » Samstag 21. März 2015, 13:56

Liebe Erna,

mit dem ersten Kapitel erging es mir wie Dir: An die Namen muss man sich gewöhnen, an die Berufe und wie sie ausgeübt werden, ebenfalls.
Die Autorin schildert eine uns fremde Welt. Wie sie das macht, ist faszinierend. Ich denke, die Lektüre wird uns bereichern.

Herzliche Grüße,
Marlis
Marlis Beutel

Erna
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Re: Chimamanda Ngozi Adichie : Americanah.

Beitrag von Erna » Samstag 21. März 2015, 18:24

Liebe Marlis,
ich denke auch, dass uns das Buch bereichern wird. Wir wrden uns auf die anderen Kulturen einlassen müssen. Ich finde es nicht besonders gut, dass viele Europäer ihre Kultur als maßgebend für die ganze Welt betrachten. Wir müssn lernen, dass kaum ein afrikanischer Staat nur ein Volk umfasst, meistens sind es mehrere.
Schönen Sonntag
Erna

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Re: Chimamanda Ngozi Adichie : Americanah.

Beitrag von Erna » Freitag 27. März 2015, 20:00

Teil 1 des Buches Americanah habe ich gerade beendet. Mir hat dabei die Einführung der beiden Protagonisten gut gefallen. Die Frau, die sich in das Haarstudio begibt, um sich Zöpfe für die Rückkehr in ihr Heimatland flechten zu lassen und über die man in diesem Zusammenhang schon eine ganze Menge erfährt und über den Mann, den wir bei der Rückkehr von seiner Arbeit und dem Besuch einer Party bei seinem "Chief" kennenlernen. Ich halte dies für eine gelungene Art, uns in die doch recht fremde Welt einzuführen.
Erna

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Re: Chimamanda Ngozi Adichie : Americanah.

Beitrag von Erna » Samstag 28. März 2015, 19:25

Einige Informationern zu Nigeria:
Nigeria hat 168 Millionen Einwohner. Es ist ein Vielvölkerstaat. Die drei größten Völker sind die Haussa-Fullani, die Ibos und Yorubas. Doch bilden sie nur etwas mehr als 50% der Bewohner. Der Rest verteilt sich auf ca 300 andere Völker mit einem mehr oder weniger größerem Anteil. Unter dem folgenden Link gibt es mehr Informationen in englischer Sprache.
http://www.postcolonialweb.org/nigeria/ethnicity.html
Die Amtssprache ist Englisch, andere Verkehrssprachen Ibo, Yoruba, Pidgin-Englisch. Es werden über 400 verschiedene Sprachen gesprochen.
Der Norden Nigerias ist vorwiegend muslimisch, dort ist auch Boko Haram anzutreffen, der Süden christlich, vorwiegend evangelikal, 5% der Bevölkerung ist animistisch.
Mehr Informationen unter:
liportal.giz.de/nigeria/gesellschaft/
in deutscher Sprache. Ein sehr interesssantes Land.
Erna

Marlis Beutel
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Re: Chimamanda Ngozi Adichie : Americanah.

Beitrag von Marlis Beutel » Samstag 28. März 2015, 21:58

Liebe Erna,

danke für die wichtigen und interessanten Informationen! Wenn ich mir überlege, wieviele Menschen heutzutage unterwegs sind, um in einem anderen Land zu leben, dann kommt mir Nigeria nicht mehr so kompliziert vor wie im ersten Augenblick. Ich bin gespannt, welche Einblicke unsere Lektüre uns geben wird. Was mich beim Lesen überrascht hat, war der Umgang der Menschen miteinander, d.h. die Beziehung zwischen Herrin und Dienerin.

Grüße von der Bergstraße,
Marlis














. Was mich überrascht hat
Marlis Beutel

HildegardN
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Re: Chimamanda Ngozi Adichie : Americanah.

Beitrag von HildegardN » Sonntag 29. März 2015, 19:47

Liebe Literaturfreunde,
wie so oft, wenn ich ein neues Buch zu lesen beginne, interessiert mich die Bedeutung und Aussage seines Titels.
In einer Buchbesprechung fand ich hierzu folgende Informationen: "Americanah" nennen Nigerianer diejenigen ihrer Landsleute, die es nach Amerika geschafft haben. Die mit Geld, westlicher Bildung und ostentativ amerikanischem Akzent in die Heimat zurückkehren und sich dann darüber lustig machen, dass sie in Lagos kein gescheites vegetatisces Sandwich bekommen.
Ich habe erst gestern das Buch in unserer Stadtbibliothek für drei Wochen entleihen können und beginne jetzt mit der bereits angesagten sehr interessanten Lektüre.
Mit Grüßen aus Bad Homburg
Hildegard

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Re: Chimamanda Ngozi Adichie : Americanah.

Beitrag von Erna » Mittwoch 1. April 2015, 17:33

Es ist schon sehr interessant, ein Buch zu lesen von einem Land, das z.Zt. im Interesse der Öffentlichkeit steht. Dort wurde zum ersten Mal, seit der Eigenständigkeit des Landes, ein Präsident ohne Krawall gewählt und er wurde sogar von seinem Konkurrenten beglückwünscht. Im N des Landes herrscht Boko Haram, wurden dort nicht auch die Schülerinnen entführt?
Nun zum Buch: Ifemelu kommt aus einer Familie, der es nicht gerade leicht fällt, den Alltag zu meistern. Das sieht man an der über drei Jahre ausstehenden Mietschuld, die von Uju bezahlt wird. Aber vielleicht auch daran, dass Uju, die Tante, eine Ärztin, sich von einem General aushalten lässt, anstatt iin ihrem Beruf zu arbeiten. Korruption und Versorgung der Verwandten und Freunde, wenn man ein politisches Amt erreicht hat, ist in der Realität wie im Buch normal.
Anderseits scheint der Bildungswille sehr groß. So kann eine Studentin, als die Dozenten streiken und das Studentenheim geschlossen wird, nicht heimfahren, weil sie den kleinen Betrag für den Bus nicht besitzt.
Bisher ist das Buch so geschrieben, dass es mich veranlasst mir mehr Informationen zu verschaffen.
Erna

Annemarie Werning
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Re: Chimamanda Ngozi Adichie : Americanah.

Beitrag von Annemarie Werning » Donnerstag 2. April 2015, 21:43

Im Kapitel 6 sagt die Tante zu Ifemelu im englischen Text:
"...we live in an ass-licking economy. ... there are many qualified people who are not where they are supposed to be because they won't lick anybody's ass, or they don't know which ass to lick or they don't even know how to lick an ass."
Ich finde das ist eine sehr aussagekräftige Beschreibung der damaligen Zustände in Nigeria, das beste Beispiel ist, wie Ifemelus Vater arbeitslos wurde.

Erstaunlich finde ich, wie normal es offenbar ist, auf der Schule und im Bildungsbürgertum auch privat englisch zu sprechen.

Ein faszinierendes Buch
Annemarie

Marlis Beutel
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Re: Chimamanda Ngozi Adichie : Americanah.

Beitrag von Marlis Beutel » Freitag 3. April 2015, 11:40

Liebe Annemarie,

die alten Römer drückten das sehr viel eleganter aus: "Manus manum lavat" ( "eine Hand wäscht die andere"). Diese Einstellung ist wahrscheinlich auch in Europa noch nicht ganz verschwunden. Sie erscheint harmlos im Vergleich zu dem, was sich möglicherweise ein junger Deutscher über den Alpen einfallen ließ. Welche Möglichkeiten hat der Mensch, vor allem, wenn er Macht besitzt! Hoffen wir, dass er sinnvoll damit umgeht!

Viele Grüße,
Marlis
Marlis Beutel

Erna
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Re: Chimamanda Ngozi Adichie : Americanah.

Beitrag von Erna » Freitag 3. April 2015, 12:33

Hallo, liebe Englisch-Leserinnen, denkt bitte einmal an die, die nicht so gut Englisch können wie Ihr. Könntet, Ihr die Übersetzung dazuschreiben? Ich verstehe zwar meistens den Text bis auf ein oder zwei Wörter, aber ich habe keine Lust, mit dem Wörterbuch zu arbeiten, meine sind auch schon sehr alt. Was heißt also bei Annemarie "ass"?
Viele Grüße
Erna
Übrigens finde ich, dass das Buch die Zustände von Zuwanderern gut beschreibt. Manches finden wir auch hier bei uns ähnliche. Aber stellt Euch einmal Uju vor: drei Jobs und lernen für die Prüfung!

Brigitte Höfer
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Re: Chimamanda Ngozi Adichie : Americanah.

Beitrag von Brigitte Höfer » Montag 6. April 2015, 17:01

Liebe Mitleserinnen,
Auf dem Umschlag des Buches steht eine Bemerkung des "Observers":
"Es gibt Bücher, die erzählen eine große Geschichte und andere, die verändern unseren Blick auf die Welt. 'Americanah' gelingt beides."
Ich weiß nicht, ob das Buch meinen Blick auf die Welt verändert hat, auf jeden Fall ist es der andere Blick auf die Welt, der mich so fasziniert hat, dass ich das Buch nicht aus der Hand legen konnte. Ich war einfach zu gespannt, welche neuen originellen Perspektiven mich noch erwarteten. Dass sie zum Teil einseitig und tendenziös waren, hat mich mehr gereizt als abgestoßen. Auf jeden Fall wird Ifemelu als eigenwillige und kluge Frau geschildert, die sich nicht wie andere widerspruchslos den Verhältnissen anpassen will. (Zu Annemaries Bemerkung: ass-licking meint Arschkriecher.)
Ich hab mal gegoogelt und folgenden Blog gefunden:http://americanahblog.com. Er ist natürlich in Englisch geschrieben und geht von September bis November 2014 über Ereignisse in Lagos. Darin geht es u.a. um Ifem und Ceiling (Decke), um Ebola und Boko Haram.
Liebe Grüße Brigitte
Zuletzt geändert von Brigitte Höfer am Montag 20. April 2015, 21:11, insgesamt 1-mal geändert.

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