Alaa al-Aswani: Der Jakubijan-Bau

Hier diskutieren wir über belletristische Bücher.
Brigitte Höfer
Beiträge: 440
Registriert: Donnerstag 9. Februar 2006, 17:51
Wohnort: 61440

Alaa al-Aswani: Der Jakubijan-Bau

Beitrag von Brigitte Höfer »

Ab Juli lesen wir den Roman des 1957 geborenen Ägypters, der in Kairo als Zahnarzt und Journalist tätig ist und mit seinem Buch für Unruhe sorgte. Nach der Verfilmung wurde es zum Bestseller in Ägypten, Frankreich und Italien.

Erna
Beiträge: 878
Registriert: Freitag 1. April 2005, 10:47

Re: Alaa al-Aswani: Der Jakubijan-Bau

Beitrag von Erna »

Der zentrale Ort dieses Romans ist das große Wohnhaus in Kairo mit seinen vielen Apartements für die Bürger und den Einzimmer-Behausungen auf dem Dach, in denen die weniger Begüterten wohnen. Die Bewohner bieten das ganze Kaleidoskop der Stadt: Arme und Reiche, Frauen und Männer, Verliebte und Enttäuschte, Fromme und Atheisten, Homosexuelle und Politiker, verbitterte Familienangehörige. Obwohl jeder Protagonist seine eigene Lebensgeschichte hat, ist ihr Schicksal eng miteinander.
verknüpft.
Zunächst hatte ich meine Bedenken wegen der vielen Personen, die im ersten Teil des Buches vorgestellt werden, aber ich musste feststellen, dass ich eigentlich weniger Schwierigkeiten hatte, als ich gedacht hatte.

HildegardN
Beiträge: 262
Registriert: Mittwoch 20. September 2006, 14:13

Re: Alaa al-Aswani: Der Jakubijan-Bau

Beitrag von HildegardN »

Liebe Mitleserinnen,
wie Erna schon andeutete, ist es nicht ganz einfach, sich mit den vielen und so unterschiedlichen Personen, die in diesem Roman auftreten, zu befassen und sich mit iihnen auseinanderzusetzen. Deshalb habe ich Brigittes Vorschlag aufgegriffen und werde mich in der angesagten Diskussion auf eine Person beschränken.
Ausgewählt habe ich Taha al-Schäsli,einen jungen Mann, der Polizeioffizier werden will, zu seinem Pech aber als Türhütersohn geboren ist und der sich in seiner Frustration, abgewiesen zu sein, beim islamistischen Terror Hoffnung für seine Rache schöpft, der er erliegt.
Beeindruckt hat mich der Ergeiz des jungen Mannes und vor allem sein Einsatz, sein berufliches Ziel,
zu erreichen, und ich erlebte seine Enttäuschung und mehr noch die Tragik, dass er ein solches Ende erlebte.
Mit Grüßen aus Bad Homburg, Hildegard

Marlis Beutel
Beiträge: 364
Registriert: Mittwoch 5. April 2006, 18:54
Wohnort: 64646 Heppenheim

Re: Alaa al-Aswani: Der Jakubijan-Bau

Beitrag von Marlis Beutel »

Liebe Mitleserinnen,
dieser Roman geht dem Leser sehr nah. Was mich betroffen machte, ist der Umgang der Menschen miteinander. Man ist sehr freundlich, hat aber längst Erkundigungen über den Geschäftspartner eingezogen und weiß, wie man ihn behandeln muss, um auf seine Kosten zu kommen.
Erschütternd ist auch, wie die erwachsene Schwester Daulat und mit dem Bruder Saki Bey umgeht. Und wie man ein ganzes Leben im Müßiggang verbringen kann wie dieser Bruder es tut, lässt sich auch nicht leicht nachvollziehen.
Aber es ist unfair, solche Beispiele aus dem Kontext zu lösen. Manche Schicksale sind tragisch, andere Menschen haben mehr Glück. Als Leser ist man sehr betroffen, und das liegt natürlich an dem begnadeten Autor.
Marlis Beutel
Marlis Beutel

HildegardN
Beiträge: 262
Registriert: Mittwoch 20. September 2006, 14:13

Re: Alaa al-Aswani: Der Jakubijan-Bau

Beitrag von HildegardN »

Liebe Mitleserinnen,
mein Interesse an diesem Roman wurde vor allem auch durch die Beschreibung eines Hauses geweckt, das den Hintergrund des Geschehes und in gewisser Weise auch seinen Mittelpunkt bildet. Alaa al-Aswany hat das Gebäude, in dem er seine Zahnarztpraxis betrieb, und seine Bewohner den Lesern ausführlich vorgestellt (S.23-28).
DerJakubijan-Bau, einst ein hochherrschaftliches Wohnhaus im Zentrum Kairos, wird in diesem Roman zum Spiegelbild der ägyptischen Gesellschaft. Erbaut in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts, als Kairo sich ein Vorbild nahm an der europäischen Moderne. Das Gebäude hat zehn Geschosse. Die Balkone sind geschmückt mit steingehauenen griechischen Gesichtern. Säulen, Treppen und Gänge sind aus naturbelassenem Marmor, und das Haus verfügt über einen modernen Aufzug.
Der Autor war vertraut mit den Räumen des Jakubijan-Baus. Hier kannte er die Treppen Gänge und Etagen und auch die Verschläge, in denen die ärmsten Bewohner auf dem Dach ihr Dasein fristeten. Hier wurde er mit dem Leben ägyptischer Männer und Frauen konfrontiert, die unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten und Milieus entstammten, und unter anderem auch von gesellschaftlichem Aufstieg, von Anerkennung und Erfolg träumten, wie z.B. Taha al-Schäsli, der Sohn des Türhüters, der mich durch seine Strebsamkeit besonders beeindruckt hat.
War es allein sein berufliches Ziel ein angesehener und erfolgreicher Polizeioffizier zu werden, was ihn bestimmte, sich in der von Alaa als-Aswani beschriebenen Weise so einzusetzen oder war es auch – vielleicht sogar vorrangig, die gehobene gesellschaftliche Position, die Taha erstrebte oder ihn zumindest beflügelte? Ich habe die Antwort darauf noch nicht gefunden und werde noch einmal das Buch zur Hand nehmen und nachschlagen.
Und dies ist das Postitive und auch der Gewinn einer Diskussion, wie sie hier in unserem Leserkreis stattfindet, weil man immer wieder motiviert wird, sich mit einem Sachverhalt intensiver zu befassen und/oder auseinander zu setzen. Und ganz sicher tragen die anderen Diskussionsteilnehmer durch ihre Beiträge und auch gelegentiche Fragen zu einem produktiveren Lesen (und auch Nachdenken) bei.
Allen aktiven Mitleserinnen gebührt hier ein Dankeschön!!
Mit herzlichem Gruß, Hildegard

Marlis Beutel
Beiträge: 364
Registriert: Mittwoch 5. April 2006, 18:54
Wohnort: 64646 Heppenheim

Re: Alaa al-Aswani: Der Jakubijan-Bau

Beitrag von Marlis Beutel »

Liebe Hildegard,

es ist gar nicht so einfach, sich die fremdartigen Namen der Bewohner zu merken und ihnen die jeweils richtigen Schicksale zuzuordnen. Das versuche ich beim zweiten Lesen.
Der Autor macht es dem Leser auch nicht gerade leicht, denn er hat den Roman nicht in einzelne Kapitel eingeteilt. Es sieht so aus, als würden alle ständig interagieren in diesem riesigen Haus, das Raum bietet für ganz reiche und ganz arme Menschen und alle dazwischen. Die Schicksale der Bewohner sind dramatisch genug. Es geht um Macht und Reichtum. Kann man den Mitmenschen wirklich vertrauen?

Viele Grüße von der Bergstraße, Marlis
Marlis Beutel

HildegardN
Beiträge: 262
Registriert: Mittwoch 20. September 2006, 14:13

Re: Alaa al-Aswani: Der Jakubijan-Bau

Beitrag von HildegardN »

Liebe Mitleserinnen,
wie Marlis schreibt bzw. auch nur andeutet, ist es immer wieder schwierig, das Verhalten der so verschiedenen Menschen, die in unserem Roman auftreten, zu verstehen und ihre Handlungen nachzuvollziehen. Zudem erschweren die einzelnen und fremd klingenden Namen oftmals die Zuordnung und erfordern eine ständige Konzentration des Lesers. Ich habe mich jedenfalls beim Lesen dieses Buches ziemlich bemühen müssen, um einen gewissen Leseerfolg und auch einen -Gewinn zu erreichen. Ohne einige Schwerpunkte, die mein Interesse geschärft haben, wäre mir dieses auch kaum gelungen. -

Und damit komme ich auf mein hier bereits vorgestelltes Thema zurück, das Taha al-Schärli betrifft, der das Ziel verfolgte, ein erfolgreicher Polizeioffizier zu werden. Meine Frage, ob er mit diesem Beruf zugleich auch einen gesellschaftichen Aufstieg erstrebte, fand ich auf Seite 94 beantwortet. "Er hatte sich angestrengt", heißt es hier, "um durch das Schlupfloch Polizeiakademie in ein anständiges, angesehenes Leben entkommen zu können"...
Tahas Enttäuschung über seine Zurückweisung, verbunden mit weiteren Demütigungen führten ihn zum Islam und den Terrorismus.
Herzliche Grüße, Hildegard

Marlis Beutel
Beiträge: 364
Registriert: Mittwoch 5. April 2006, 18:54
Wohnort: 64646 Heppenheim

Re: Alaa al-Aswani: Der Jakubijan-Bau

Beitrag von Marlis Beutel »

Liebe Mitleserinnen,

jetzt habe ich mich mit der Beziehung zwischen Suad und Hagg Asam beschäftigt, die der Autor sehr einfühlsam geschildert hat. Es gibt offensichtlich eine Männerwelt und eine Frauenwelt, und diese beiden Welten begegnen sich beim Sex und vermutlich bei den Mahlzeiten.
Wenn ich an meine Kindheit zurückdenke, dann war das bei uns durchaus ähnlich. Die Frauen waren fürs Haus zuständig, die Männer für das Familieneinkommen. Das hat sich hier gründlich geändert, vermutlich durch die Kriege, aber auch durch den wesentlich höheren Lebensstandart und die ganz andere Ausstattung der Haushalte. Auch die Pille dürfte eine Rolle gespielt haben.
Was Suad passiert, ist demütigend genug, und sie ist eine intelligente und selbständige Frau, die sehr leidet.

Viele Grüße von der Bergstraße, Marlis
Marlis Beutel

HildegardN
Beiträge: 262
Registriert: Mittwoch 20. September 2006, 14:13

Re: Alaa al-Aswani: Der Jakubijan-Bau

Beitrag von HildegardN »

Liebe Marlis,
"Männerwelt und Frauenwelt" - da denke ich wie Du an meine Kindheit, als diese beiden Welten in einigen Bereichen fast getrennt waren. Es war in den dreißiger Jahren als ich im 'Danziger Land' als Tochter eines Landwirts heranwuchs und erlebte, dass bei geselligen Zusammenkünften meiner Eltern mit Verwandten, Freunden und Nachbarn die Onkel und Tanten getrennt Platz nahmen und unterschiedlich bewirtet wurden. Während die weiblichen Gäste sich an Kuchen und Torten labten und anschließend eine Limonade oder einen Saft angeboten bekamen, stärkten sich ihre männlichen Partner mit Käse, Wurst und Schinken und tranken viel Bier und teils auch hochprozentigen Alkohol. Lange Zeit hatte ich den Eindruck, dass Männer Kuchen und Süßspeisen nicht mögen und die Frauen den Alkohol ablehnen. - Immer, wenn ich heute einen Mann genussvoll ein Eis schlecken sehe, denke ich an diese Zeit und meine Eindrücke zurück.
Weitaus gravierender aber waren einst die getrennten Zuständigkeiten in der Familie, die ich noch hautnah erlebte. Mein Vater war für die Heranbildung menes einzigen Bruders zuständig, meine Mutter für die Erziehung und Ausbildung der Töchter, also meiner Schwester und mir. Da jeder von beiden in erster Linie von eigenen Interessen ausging und diese an die Nachkommen zu vermitteln suchte, blieben manche, wenn nicht viele Zukunftsvorstellungen der Kinder unberücksichtigt.
Heute, im Rahmen der "Gleichberechtigung" und u.a. auch durch die Berufstätigkeit der Frauen haben die Männer- und Frauenwelten sich immer mehr angeglichen, und das nicht nur in Europa. - In unserer derzeitigen Lektüre wird uns dieses Thema noch einige Male begegnen und vielleicht neue Fragen aufwerfen.
Herzlichen Gruß aus dem Taunus, Hildegard

Marlis Beutel
Beiträge: 364
Registriert: Mittwoch 5. April 2006, 18:54
Wohnort: 64646 Heppenheim

Re: Alaa al-Aswani: Der Jakubijan-Bau

Beitrag von Marlis Beutel »

Liebe Hildegard,

was Du erzählst, liest sich sehr spannend. Man kann es sich richtig vorstellen.
Ich erinnere mich an eine sehr begabte Mitschülerin in der Grundschule, die in die Hauptschule gehen musste, weil die kein Geld kostete. Ihre Lehrerin sagte den Eltern, die Tochter bekäme eine Freistelle, müsse also gar nicht bezahlen. Aber die Eltern meinten, sie könnten ihr auch nicht die passende Kleidung für die andere Schule kaufen.
Wie haben sich die Dinge geändert, wie geht es uns gut! Im Roman sind die Menschen noch sehr an ihre Gesellschaftsschicht gebunden. Suad begreift es und versucht, sich zu befreien, aber es gelingt ihr nicht.

Herzliche Grüße von der Bergstraße, Marlis
Marlis Beutel

Annemarie Werning
Beiträge: 126
Registriert: Sonntag 16. September 2007, 17:28
Wohnort: 61449 Steinbach

Re: Alaa al-Aswani: Der Jakubijan-Bau

Beitrag von Annemarie Werning »

Liebe Mitleserinnen,
was mich beim Lesen des Buchs sehr erschüttert hat, ist die grundsätzliche Undurchlässigkeit der Gesellschaftsschichten. Am deutlichsten sieht man es bei Taha. Er hätte die Aufnahmeprüfung für die Polizeiakademie bestanden, wäre nicht sein Vater ein Türsteher, der sich noch in Galabiya und Schneidersitz vor das Haus setzt. Er konnte dann zwar studieren, dann aber auch nur Kontakt mit Studenten seiner Schicht haben. Man sieht es auch bei Suad. Sie wurde als Zweitfrau - um der Religion zu genügen - gekauft, wurde aber zur Abtreibung gezwungen, als sie schwanger wurde und dadurch die Möglichkeit bestand, dass zumindest ihr Kind die Gesellschaftsschicht hätte wechseln können. Das gleiche gilt für Abduh, den Geliebten von Hatim. Er hätte nur dann eine Chance auf ein finanziell gesichertes Leben gehabt, wenn er weiterhin Hatim willfähig geblieben wäre. Einzig Buthaina ist es gelungen, in eine höhere Gesellschaftsschicht zu gelangen. Dafür aber mußte sie sich sexuell dem viel älteren Saki hingeben. Es war ihr und Sakis Glück, dass sie ihn nach und nach gern hatte und Saki sie wohl auch deshalb heiratete, um sich an seiner Schwester zu rächen.

Was mir auch aufgefallen ist, ist die sehr starke Betonung des Sexuellen. Die Männer scheinen in dem Bewußtsein zu leben, die Frauen bzw. Geliebten kaufen zu können. Man sieht es bei den Arbeitgebern von Buthaina, bei Saki, bei Hagg Asam, bei Hatim. Eine Ausnahme ist allein Taha in seiner tiefen Gläubigkeit. Und gerade er wurde im Gefängnis vergewaltigt. Nach Zeitungsbrichten soll das auch im heutigen Ägypten noch geschehen sein.

Das Buch zeigt sehr eindringlich die Verhältnisse in Ägypten, man kann nur hoffen, dass sie sich bessern.
Viele Grüße
Annemarie

Marlis Beutel
Beiträge: 364
Registriert: Mittwoch 5. April 2006, 18:54
Wohnort: 64646 Heppenheim

Re: Alaa al-Aswani: Der Jakubijan-Bau

Beitrag von Marlis Beutel »

Liebe Annemarie,

ja, das Buch ist erschütternd. Der Autor hat in den USA studiert und ist dadurch mit westlichem Denken vertraut. Ich habe mich auch gefragt, wie verschiedene Nationen zusammenarbeiten können, wenn die Voraussetzungen und das Denken so unterschiedlich sind. Wir erleben bereits in Europa, dass sich die Verhaltensregeln in der einen Nation nicht auf eine andere übertragen lassen.

Viele Grüße von der Bergstraße, Marlis
Marlis Beutel

HildegardN
Beiträge: 262
Registriert: Mittwoch 20. September 2006, 14:13

Re: Alaa al-Aswani: Der Jakubijan-Bau

Beitrag von HildegardN »

Liebe Mitleserinnen,
„Was mich beim Lesen des Buches sehr erschüttert hat, ist die grundlose Undurchlässigkeit der Gesellschaftschichten“, schreibt Annemarie in ihrem Diskussionsbeitrag und führt als Beispiel hierfür Taha an.
Tahas Ergehen, die Ablehnung seiner Aufnahme in die Polizeioffiziersakademie, sind Folge seiner gesellschaftlichen Ausgrenzung. Inwieweit diese und weitere Ereignisse seine Entwicklung und schließlich sein Schicksal beeinflussen, erfahren wir als Leser im weiteren Verlauf dieses Romans.
Hier fand ich auch meine Frage beantwortet, welche Umstände einen jungen Mann wie Taha, der noch fast am Beginn seines Lebens steht, beeinflussen, sich dem Islam und darüber hinaus dem Radikalismus zuzuwenden.
Als Taha seine Hoffnung auf die Polizeiakademie endgültig begraben hatte, schrieb er sich an der Universität ein und stellte fest, dass sich hier die reichen Studenten von den armen trennten, die sich darauf aneinander drängten. Taha schloss sich an Tahid Abdalrahim an, der ihm noch ärmer schien als er selbst es war und weil er tief religiös war. Dieser stellte ihn dem Scheich Schakir vor und leitete damit Tahas weiteres Schicksal ein.
Scheich Schakir war ein sehr tatkräftiger geistiger Führer und Prediger, „der die ewiggültige göttliche Lehre und prophetische Botschaft ganz in Konfrontation zur herrschenden Schicht und zur Regierungspolitik auslegt und damit den islamistischen Terror mit Nachwuchs versorgt“.
Unter dem Einfluss von Scheich Schakir veränderte sich Tahas Aussehen und Verhalten. „Alle seine bisherigen irdischen Maßstäbe waren zusammengebrochen. An ihre Stelle war eine wahrhafte, islamische Bewertung getreten... Auch kleidete er sich in islamische Tracht und ließ sich einen Bart wachsen“ (S.175) . Scheich Schakir förderte bei jeder Begegnung Tahas Glauben an Gott und seine Kenntnis des Islam.
Eine studentische Protestaktion „gegen das Töten von Muslimen im Bruderland Irak“ endete mit Gewalt des eingesetzten Militärs. Taha wurde verhaftet und misshandelt. Auf dem Boden liegend dachte er, „falls er stürbe, würde ihm das Paradies zuteil“. - Taha wurde weiter geschlagen und vergewaltigt.
Kein Wunder, dass dieses Erlebnis zu Tahas Enttäuschung, die ihn bereits dem Islam zugetrieben hatte, Racheverlangen und Hass hinzutraten, die ihn nun unerbittlich verfolgten und schließlich sein Schicksal besiegelten.
Aus Bad Homburg herzliche Wochenendgrüße, Hildegard

Annemarie Werning
Beiträge: 126
Registriert: Sonntag 16. September 2007, 17:28
Wohnort: 61449 Steinbach

Re: Alaa al-Aswani: Der Jakubijan-Bau

Beitrag von Annemarie Werning »

Liebe Mitlesenden,
beim erneuten Lesen habe ich mich darüber amüsiert, wie es den Menschen der Unterschicht gelingt, kleine Vorteile zu erlangen.
Abascharon - der von Saki gut entlohnt wird - betrügt ihn auf recht schlaue Art und Weise. Er zweigt von den gekauften Lebensmitteln kleine Mengen ab, die er ihm dann mit einer neuen Rechnung wieder in Rechnung stellt. Schön ist auch die Szene, in der er durch das Zeigen seiner Prothese 1000 Pfund Provision spart.
Aber letztlich wird in Ägypten anscheinend überall betrogen. Der Hausverwalter verlangt Provision, wenn er etwas vermietet. Die Polizei kassiert Schmiergeld, damit die Schwulen-Bar weiter betrieben werden kann. Hagg Asam wird - vermutlich durch Stimmenkauf - ins Parlament gewählt.
Das Buch hat viele Aspekte.
Viele Grüße
Annemarie

HildegardN
Beiträge: 262
Registriert: Mittwoch 20. September 2006, 14:13

Re: Alaa al-Aswani: Der Jakubijan-Bau

Beitrag von HildegardN »

Liebe Mitleserinnen,
ja, dieser Roman hat viele Aspekte, und wir profitieren alle, wenn sie von den Lesern nicht nur aufgegriffen, sondern auch, wie z.B. jüngst von Annemarie, aufgezeigt werden. Ich habe mich bisher besonders oder fast nur auf Taha konzentriert, da ist manches "auf der Strecke geblieben". Deshalb empfinde ich die Diskussionsbeiträge in unserer Runde immer als Anregung und Gewinn.
Mit herzlichem Gruß, Hildegard

Antworten