Jonas Jonasson: Der Hundertjährige stieg aus dem Fenster und

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Erna
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Re: Jonas Jonasson: Der Hundertjährige stieg aus dem Fenster

Beitrag von Erna » Dienstag 21. August 2012, 16:07

Nach Wolf und Aichinger hat man zunächst wirklich einige Schwierigkeiten mit der Sprache von Jonasson. Wenn man sich aber eingelesen hat, finde ich, dass sie dem Thema und der Handlung oder besser den verschiedenen Handlungen entspricht. Ich finde es einfach genial, wie der Autor, allein über Sprengung - Atombombe - und den Alkohol die Verbindung zu den einzelnen Erzählorten und -zeiten herstellt.Dabei muss ich gestehen, dass ich doch tatsächlich bei google nach Herbert Einstein gesucht habe. Leider habe ich nur den von Jonasson gefunden.
Auch die Abendessenszene mit Stalin gefiel mir sehr gut. Es ist für mich erstaunlich, wie präzise er allgemein die Menschen beschreibt, trotz der etwas schnodrigen Herangehensweise.
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Re: Jonas Jonasson: Der Hundertjährige stieg aus dem Fenster

Beitrag von Erna » Freitag 24. August 2012, 19:50

Wie bei Herbert Einstein musste ich doch bei google nachsehen, ob Wladiwostok wirklich gebrannt hat. Es hat nicht. Also gibt es auch Ereignisse, die J. Jonasson erfunden hat.
Erna
Interessant finde ich auch wie Amanda Regierungschefin von Bali wird!

Marlis Beutel
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Re: Jonas Jonasson: Der Hundertjährige stieg aus dem Fenster

Beitrag von Marlis Beutel » Montag 3. September 2012, 15:24

Was für ein Mensch ist Jonassons Hundertjähriger eigentlich? Er hat offensichtlich keine Ziele, lebt in den Tag hinein und ist erstaunt über das, was ihm widerfährt. Und ihm widerfahren die erstaunlichsten Ereignisse der letzten hundert Jahre. Ganz umsonst reist er durch die Welt und trifft alle politischen Größen, die auch nur Menschen sind, wenn man sie näher kennenlernt.
Allan ist sehr unproblematisch und anspruchslos, nimmt auch mit dem Gefängnis vorlieb, wenn er genug zu essen hat.
Wenn wir diese Lebensreise mit unserer eigenen vergleichen, dann haben wir zwar nicht unbedingt alle politischen Größen persönlich kennen gelernt, aber es passierte ebenfalls viel Unerwartetes und Ungeplantes. Wie sind wir damit umgegangen?
Sicher nicht so unbekümmert wie Allan. Die Ereignisse haben bei uns Spuren hinterlassen. Bei Allan hinterlassen sie keine Spuren.
Beneidenswert! Vielleicht sollten wir von ihm lernen.

Viele Grüße von der Bergstraße, Marlis
Marlis Beutel

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Re: Jonas Jonasson: Der Hundertjährige stieg aus dem Fenster

Beitrag von Erna » Montag 3. September 2012, 18:47

Jetzt ist doch wieder mein schon geschriebener Beitrag verschwunden.
Mir sagt das Buch, nimm die Tage wie sie kommen, setze dich in die Schaukel und sei gelassen.
Weiterhin bringt es die politischen Größen auf ein "menschliches" Maß zurück und wenn ich die anderen Personen betrachte, so sind sie doch alle mit kleinen (oder größeren) Fehlern behaftet, so dass ich mir sagen kann: du bist schon recht, so wie du bist.
Es ist doch schön, mehr mit sich zufrieden sein zu können.
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Re: Jonas Jonasson: Der Hundertjährige stieg aus dem Fenster

Beitrag von Marlis Beutel » Mittwoch 5. September 2012, 11:14

Liebe Erna,

Dein Bild mit der Schaukel gefällt mir. Es ist das Gegenteil zu Goethes "Wer immer strebend sich bemüht, den können wir erlösen." Allan strebt überhaupt nicht. Vielleicht hatte Jonasson die Idee, einen solchen Menschen darzustellen als Gegenbild zu dem, was heute in unserer Kultur erwartet wird und vielleicht ist das Buch auch deshalb ein solcher Erfolg. Die witzigen Ideen des Autors zu den politischen Ereignissen, die ja den Ereignissen ihren Ernst nehmen, unterhalten bestens, jenseits aller Problematik. Es scheint alles eine Frage der Interpretation zu sein. Setzen wir uns also in die Schaukel!

Viele Grüße, Marlis
Marlis Beutel

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Re: Jonas Jonasson: Der Hundertjährige stieg aus dem Fenster

Beitrag von Erna » Mittwoch 5. September 2012, 17:52

Liebe Marlis,
ich finde die Art wie Allan sein Alter genießt, nachdem er dem Zwang (Heim) entkommen ist, sehr schön. Manchmal wollte ich, ich hätte auch die innere Ruhe, mich in die Schaukel zu legen.
Grüße aus Frankfurt
Erna

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