Mansura Eseddin: Hinter dem Paradies

Hier diskutieren wir über belletristische Bücher.
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Erna
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Mansura Eseddin: Hinter dem Paradies

Beitrag von Erna »

Hallo, liebe Leserinnen,
wir beginnen am Sonntag mit unserem neuen Buch.
Ich habe schon einmal etwas hineingelesen, es scheint interessant zu sein.
Es beginnt mit einer Handlung, die ich eher am Ende eines Romans vermutet hätte: Salma (Selma) verbrennt im Innenhof eines Gebäudes eine Kiste mit alten Papieren. Gleichzeitig damit verbrennt sie symbolisch Personen, die in ihrem Leben wohl eine bedeutende Rolle gespielt haben.
Salma will ein neues Leben anfangen ohne lästige Erinnerungen, ohne Raschid, Samich, Gabir und noch anderen. Daran möchte sie mit einem frischen Geist gehen.
Viel Spaß beim Lesen
Erna

Marlis Beutel
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Registriert: Mittwoch 5. April 2006, 18:54
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Re: Mansura Eseddin: Hinter dem Paradies

Beitrag von Marlis Beutel »

Liebe Erna und liebe Lesegruppe,
zunächst hatte ich Schwierigkeiten, die fremden Namen auseinanderzuhalten , bzw. richtig zuzuordnen und fing deshalb noch einmal von vorn an zu lesen. Was auffällt, ist der andere Umgang miteinander und mit den zum Teil dramatischen Ereignissen. Aber wenn man sich auf diese fremde Welt erst einmal eingelassen hat, ist das Buch richtig spannend.

Viele Ostergrüße von der Bergstraße, Marlis
Marlis Beutel

Erna
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Re: Mansura Eseddin: Hinter dem Paradies

Beitrag von Erna »

Liebe Marlis,
mit den Namen hast Du recht. Ich nehme an, dass Du sie hinten noch einmal gefunden hast. Vor allem weil die Autorin ja auch ähnliche Namen gewählt hat: Hischam und Hijam, Gebir und Sabir. Dann hat sie auch eine Vorliebe, die Zeitebenen zu ändern. Genau wie wir es schon bei Ruge und Christa Wolf hatten. Dabei war es bei Ruge noch am einfachsten, denn er schrieb ja immer die Jahreszahl über das Kapitel.
Eseddin schreibt von einer nicht sehr entfernt liegenden Zeit und ich wundere mich ständig, wie wenig Frauen sich emanzipiert haben, vor allem auf dem Land. Dabei ist diese Emanzipation, die ich vermisse, wahrscheinlich vor allem äußerlich. Denn sonst sind die Frauen stark, gleich ob man Rachma oder Soraja oder selbst Buschra nimmt. Aber es fehlt die Schulpflicht für die Mädchen! Wobei mir auffällt, dass die Männer dieser nicht einmal armen Familie, ja auch nur sehr rudimentär lesen und schreiben können.
In der Stadt dürfte das Bild ein anderes sein, da tragen die koptischen Frauen, die ja nicht im Hidschab gehen, sehr zu dem Bild bei.
Es ist aber doch eine ganz andere Welt als unsere.
Grüße aus dem kalten Frankfurt.
Erna

Marlis Beutel
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Re: Mansura Eseddin: Hinter dem Paradies

Beitrag von Marlis Beutel »

Liebe Erna und liebe Lesegruppe,

Es ist eine unglaublich farbige Welt, die sich in diesem Buch für uns auftut. Die Großfamilien bestimmen das Leben der einzelnen Mitglieder, soweit die nicht stark genug sind, sich aus diesem Bann zu lösen. Ich staune, dass es üblich ist, anderen und sich selbst ins Gesicht zu schlagen, um sich abzureagieren statt über die Ereignisse zu reden. Allerdings wurden in meiner Kindheit die Kinder auch eher geschlagen als dass die Erwachsenen sich die Mühe machten, einen Sachverhalt zu erklären. Nahm man damals die Kinder ernst?
Entwickelt sich Salma eigentlich weiter? Am Beginn des Romans verbrennt sie Papiere, " um neu anzufangen, mit frischem Geist und befreit von schmerzlichen Erinnerungen." S.6
Am Ende muss sie eine gescheiterte Beziehung verarbeiten und liegt nach einem Unfall im Krankenhaus, die Psychiaterin bei sich, mit der sie aber nicht wirklich zusammenarbeitet.

Viele Grüße von der Bergstraße, Marlis
Marlis Beutel

Erna
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Re: Mansura Eseddin: Hinter dem Paradies

Beitrag von Erna »

Hallo, Marlis,
über die Benachrichtigung von ViLE, dass Du geschrieben hast, bin ich jetzt auch ins Forum gekommen.
Am Freitag haben wir beim Treffen ausgiebig noch einmal über Chr. Wolf gesprochen. Inge und Annelie, die eine Wolf-kennerin ist, haben uns sehr viel über den "geteilten Himmel" und auch über die anderen Bücher berichtet. Dabei zeigte es sich, dass Ch.W. eine sehr mutige Frau war, die die Zustände in der ehemaligen DDR sehr früh erkannte und auch benannte.
Wir sprachen anschließend auch über M. Essedin. Dabei stellten wir fest, dass auch sie, wie schon Ruge und Chr. Wolf, nicht cxhronologisch erzählt, sondern munter einmal bei der Kindheit, dann wieder bei der Zeit als Erwachsene ist. Über das Buch wird noch manches zu sagen sein.
Erna

Erna
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Re: Mansura Eseddin: Hinter dem Paradies

Beitrag von Erna »

Durch den Ausfall des Forums ist das Buch von Mansura Eseddin zu kurz gekommen. Es ist fast keine Diskussion entstanden, die beim letzten Treffen, vor vier Wochen, eigentlich sehr rege war. Vielleicht gelingt es mir, noch einige Leserinnen zu aktivieren.
Von den Schilderungen Ägyptens. in dem Buch bin ich etwas enttäuscht. Bei eigenen Besuchen im Land, habe ich es als viel fortschrittlicher empfunden. Wenn ich aber lese, dass Äg. 50% Analphabeten hat, dass die Schulpflicht nur 6 Jahre beträgt und es keine 10 Universitäten gibt, bei einem Einwohnerpotential von ca 80 Mill. kann es gar nicht anders sein. Man braucht nur die Produktion der Ziegeln zu betrachten!
Das Verhältnis Mann und Frau ist, obwohl die Frauen eine ihren Platz haben, fast immer noch so wie vor der Zeit Jehan Sadats.
Erna

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