Siri Hustvedt: Ein Sommer ohne Männer

Hier diskutieren wir über belletristische Bücher.
Marlis Beutel
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Re: Siri Hustvedt: Ein Sommer ohne Männer

Beitrag von Marlis Beutel » Donnerstag 11. August 2011, 09:43

Liebe Mitleserinnen,

vor allem freut es mich, dass auch Hildegard wieder schreiben konnte und dass unsere Diskussion in Gang kam. Danke auch an Erna!
Mir gefällt der Titel des Buches. Man hätte ihn mit einem Fragezeichen versehen können, aber ein Fragezeichen wäre ein zu plumper Hinweis darauf gewesen, dass es ohne Männer überhaupt nicht geht. Wie würde sich "ein Sommer ohne Frauen" lesen? Würde man die Frauen tatsächlich weglassen, der Roman würde vermutlich langweilig. Wer würde ihn lesen? Seien wir froh, dass es beide Geschlechter gibt und somit ein unerschöpfliches Thema, nicht nur für Romane.

Viele Grüße, Marlis
Marlis Beutel

Brigitte Höfer
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Re: Siri Hustvedt: Ein Sommer ohne Männer

Beitrag von Brigitte Höfer » Freitag 12. August 2011, 13:57

Hier eine sehr schöne Rezension aus der Süddeutschen:

http://www.sueddeutsche.de/kultur/2.220 ... -1.1076079

Deutschlandradio: http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/kritik/1414864/

Eine Video vom Schweizer Fernsehen: http://www.videoportal.sf.tv/video?id=1 ... 547a16c4f1

Weitere Rezensionen bei buecher.de: http://www.buecher.de/shop/ehe/der-somm ... /32470385/

Gruß, Brigitte

Erna
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Re: Siri Hustvedt: Ein Sommer ohne Männer

Beitrag von Erna » Dienstag 16. August 2011, 19:16

Bei unserem Treffen in der vergangenen Woche hatte Renate die englische Fassung des Buches mitgebracht. Das war für mich sehr interessant. Die ganze Zeit hatte ich überlegt, warum die deutsche Ausgabe des Buches in dieser eigenartigen Form erschienen ist. Auf manchen Seiten standen nur ein oder zwei Sätze. Ich musste feststellen, dass die englische Fassung ganz normal in einem Fließtext erschienen ist. Ich weiß also immer noch nicht, warum es im Deutschen nicht so ist. Desweiteren habe ich mich über das "Kreative Schreiben" gewundert, in welchem die Teilnehmerinnen Gedichte ohne Reim oder Rhythmus oder was sonst zum Gedicht gehört schrieben. In der englischen Fassung sind sowohl Reime als auch Rhythmus vorhanden. Eine Übersetzung weicht also ganz erheblich von der Originalausgabe ab. Für mich ein Lernprozess.
Erna

Marlis Beutel
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Re: Siri Hustvedt: Ein Sommer ohne Männer

Beitrag von Marlis Beutel » Montag 22. August 2011, 11:51

Liebe Erna,

danke für die Information! Das erstaunt mich auch. Die Gedichte machten so wenig Sinn beim Lesen. Ich hatte das Gefühl, nicht mitzukommen mit moderner Poesie.
Das Buch selbst las sich natürlich sehr angenehm durch diese Einteilung.
Übrigens kaufte ich mir die "zitternde Frau" als Ferienlektüre, angeblich ein Spiegel-Bestseller. Ich überflog nur und begriff nicht, wie man einen solchen "Roman" veröffentlichen kann. In welche Kategorie fällt dieses Buch? Psychiater brauchen es sicher nicht als Nachhilfe, und dem naiven Leser bietet es weder Erleuchtung noch Lesevergnügen.

Viele Grüße von der Bergstraße, Marlis
Marlis Beutel

Brigitte Höfer
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Re: Siri Hustvedt: Ein Sommer ohne Männer

Beitrag von Brigitte Höfer » Montag 22. August 2011, 21:12

Liebe Marlis,
es ging mir ganz anders als Dir: Auch ich habe die zitternde Frau gelesen und fand es eine außergewöhnlich ehrliche und offene Beschreibung der Redehemmungen, die sich einstellten, wenn die Protagonistin über ihren Vater vor einen großen Publikum sprechen sollte. Es hat mich an meine Prüfungsängste und -probleme erinnert: Um mich vor Prüfungen zu beruhigen, habe ich Futter in mich hineingestopft, um das Angstgefühl zu überlagern und zu betäuben.
Es hat mir gut gefallen, wie behutsam Siri Hustvedt mit der Protagonistin (die sicherlich autobiographisch geprägt ist) umgeht. Sie nähert sich dieser neuen Seite ihres Selbst erst ungläubig, dann neugierig und dann akzeptierend und teilweise verstehend. Der letzte Teil dieser körperlichen Reaktion bleibt unerklärlich. Auf diese Weise bleibt der Mensch sich selbst ein Rätsel.
Der Mensch, der zugibt, sich selbst nicht bis in alle Einzelheiten zu kennen, ist mir wesentlich sympathischer als der, der behauptet, sich selbst voll und ganz zu kennen. Da drängt sich mir dann der Begriff vom blinden Fleck oder aber dem Balken im eigenen Auge auf.
Sich selbst zu erforschen kann nur ein Versuch sein, der nie ganz abgeschlossen ist. Erkenne dich selbst! - eine alte Forderung, die nie ganz eingelöst werden kann.
Liebe Grüße, Brigitte

Marlis Beutel
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Re: Siri Hustvedt: Ein Sommer ohne Männer

Beitrag von Marlis Beutel » Montag 22. August 2011, 22:29

Liebe Brigitte,

danke für Deine Antwort! Sie ist mir sehr wichtig, denn ich kam ja mit dem Buch überhaupt nicht klar und bin froh, dass wir es nicht gemeinsam lesen.
Siri Hustvedt hat viel in der Fachliteratur nachgeschlagen, um ihren Zustand besser zu verstehen. Genau das möchte ich eigentlich nicht wissen, und natürlich hat das mit mir zu tun. Klar. Ich habe mich auch gefragt, wieso dieses Buch ein "Spiegel-Bestseller" ist. Jetzt bin ich natürlich neugierig auf die Reaktion anderer Leser geworden.
Aber vor allem freue ich mich auf Philip Roth und unsere neuen Diskussionen.

Herzliche Grüße, Marlis
Marlis Beutel

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