Zur Rentendiskussion

Ein Projekt der ViLE Gruppe Lübeck.
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ewald

Zur Rentendiskussion

Beitrag von ewald » Dienstag 13. Mai 2008, 14:45

„Die Rentendebatte – nicht mehr zu durchschauen! „

Man muss befürchten / vermuten das will auch so recht keiner der beteiligten Akteure!

Was will der Bundespräsident a. D. Prof. R. Herzog mit seinem Beitrag in der „Bild“ zur außerplanmäßigen Rentenerhöhung und der Vision

„immer mehr Alte könnten die Jungen ausplündern „

bezwecken?

Dazu bemerkt die Süddeutsche Zeitung am 6.5.08:
„ Alt gegen Jung . Der Generationenkonflikt, die Renten bröckeln ab. Arbeitnehmer von heute werden weniger Alterssicherung vom Staat erhalten. Die heutigen Pensionäre fühlen sich nicht schuldig, schließlich haben sie ihr Leben lang hart gearbeitet, Deutschland droht ein Dauerstreit, der die Gesellschaft entzweit“.

„2004 können Senioren froh sein, wenn sie abends schmerzfrei ins Bett gehen „

Warum gönnt man den heutigen Rentnern ihr verdientes

„ besser ging es uns nie „

nicht? Was hart erarbeitet wurde wird nun wieder ausgegeben oder vererbt. Davon profitieren jetzt auch Alle und auch die Jungen!

Die Alten haben in jungen Jahren für das Alter gespart und nicht nach dem Motto –„ Ich will Genuss, aber bitte sofort “ gelebt! Nun muss sich die arbeitende junge Generation unter den derzeit geltenden Umständen sich etwas einfallen lassen, damit sie im Alter -„ schmerzfrei ins Bett “- gehen kann.

Ewald 7.05.2008

Brigitte Höfer
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Hilfreiche Links zur Rentendiskussion

Beitrag von Brigitte Höfer » Dienstag 13. Mai 2008, 23:02

Lieber Ewald,

vielleicht können die Informationen, die die BAGSO <www.bagso.de> unter dem Menüpunkt "Finanzen" anbietet, bei der Diskussion weiterhelfen. Zu finden ist auch die homepage der Rentenversicherung Bund: <www.deutsche-rentenversicherung-bund.de>

Clemens

Ein virtueller Topf

Beitrag von Clemens » Mittwoch 14. Mai 2008, 09:49

Der virtuelle Topf
Der Riesterfaktor soll für zwei Jahre ausgesetzt werden. Nach dem Gesetzentwurf der Koalitionsfraktionen, sollen die Bezüge der rund 20 Millionen Rentner in Deutschland in diesem Jahr 2008 statt um 0,46 um 1,1 und im kommenden Jahr 2009 um voraussichtlich mindestens zwei Prozent steigen. Dazu wird der so genannte Riester-Faktor für zwei Jahre ausgesetzt. Dieser dämpft den Rentenanstieg und beteiligt die Rentner an den Kosten der Erwerbstätigen für ihre private Altersvorsorge (Riester-Rente). Der Riester-Faktor soll in den Jahren 2012 und 2013 nachgeholt werden.

Das Vorhaben der Regierungskoalition, die Renten in diesem und im kommenden Jahr stärker anzuheben als nach der Rentenformel rechnerisch vorgesehen, öffnet einer Rentenpolitik nach Wahlterminen und Kassenlage Tür und Tor. Der geplante Eingriff in die Rentenformel macht die auf Konsens angelegte Rentenpolitik, die bisher bei allen Parteien im Bundestag unantastbar war, unzuverlässig und schadet insgesamt der Glaubwürdigkeit der Politik.
Zudem schürt sie unnötig den von allen Parteien übereinstimmend verabscheuten sog. Generationenkonflikt, der eigentlich keiner ist, weil Alte und Junge um die gegenseitige Bedeutung ihrer Leistung wissen, aber durch die Medien zu einem solchen hochstilisiert wird.

Unsere Kinder und Enkel werden nicht in der Lage sein, noch mehr als die ohnehin total verschuldeten öffentlichen Haushalte – insgesamt in Billionenhöhe - finanziell zu tragen. Da sollte man ihnen nicht noch obendrein zusätzliche Kosten aufbürden. Ich finde das verantwortungslos.
Man kann trefflich politisch darüber streiten, wofür öffentliches (unser) Geld schwerpunktmäßig überhaupt ausgegeben werden soll, aber neue Schulden lösen nicht nur kein Problem, sondern verschärfen auf lange Sicht alle.

Die Mehrzahl der heutigen Generation der Rentner hat fürwahr intensiv und lange gearbeitet, viele geschuftet. Ihre Lebensleistung will niemand in Frage stellen. Natürlich ist es wünschenswert, allen – nicht nur den Rentnern - „vom Kuchen“ abzugeben, aber „den Kuchen“ gibt es leider nicht. Er wäre letztlich ein auf Pump künstlich gegen alle Vernunft mit Augenwischerei durch Wahlkampfgetöse aufgeblähter virtueller Topf, der - wegen knapp 11 Euro im Monat ! – die beiden nächsten Generationen um Milliarden (Fachleute sprechen von 10 -15 Mrd ) betrügen würde. Wollen wir das?

Ich sage ausdrücklich nicht, dass es unseren Rentnern gut geht, aber der großen Mehrheit geht es auch nicht schlecht.

Erna
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Beitrag von Erna » Mittwoch 14. Mai 2008, 11:00

Es gibt kein "die Rentner", ebenso wenig, wie es ein " die Arbeitnehmer" usw. gibt. Die Unterschiede zwischen den Renten, die die Einzelnen erhalten, sind doch sehr groß, wobei ich glaube, dass die meisten, die hier schreiben zu denen gehören, die eine auskömmliche Rente haben. Es gibt aber sicherlich Rentner, die die Rentenerhöhung nötig haben, bei der Preissteigerung.
Was mich ärgert, ist, dass man die Absicht erkennt. So etwas von Rattenfängerei ist doch unmöglich! Oder meint man, dass die Alten ihren kritischen Verstand beim Wechsel in die Rente abgegeben haben?
Wer mir aber sehr leid tut, sind die Familien mit Kindern in den unteren Einkommensklassen. Da ich selber vier Kinder aufzog, weiß ich, wie jede Preiserhöhung ein kleiner Abstieg ist.
Manchmal ärgert mich bei der Rentendiskussion, vor allem im Fernsehen, dass man sich Beispiele aussucht, die überhaupt nicht als Norm gelten können, z.B. letztens bei "Hart aber fair" die ältere Dame die einfach zu wenig Jahre als Voraussetzung für die volle Rente hatten.
ERna

hwest

Werden wir mit Zahlen verwirrt?

Beitrag von hwest » Mittwoch 14. Mai 2008, 11:09

Die diesjährige Rentenerhöhung führt zu geradezu kuriosen Meinungsäußerungen. Wenn Altbundespräsident Roman Herzog vor der Gefahr einer Rentnerdemokratie warnt, so kann man ihm nur Realitätsverlust bescheinigen. Ein überwiegender Teil der älteren Generation hat seit Jahrzehnten immer dieselbe Partei gewählt und wird das sicher auch künftig tun. Von daher drohen unseren Politikern nur wenige Gefahren.

Da muss es schon schlimmer kommen. Und erste Anzeichen gibt es. Die EU-Kommission prognostiziert für dieses Jahr einen sprunghaften Anstieg der Teuerungsrate auf durchschnittlich 3,2 Prozent nach 2,1 Prozent 2007. Wie wird es weitergehen? Für viele alte Menschen ist der Anstieg der Lebensmittelpreise schon jetzt bedrohlich.

Wenn manche Politiker die Ruheständler mit dem Argument zur Bescheidenheit aufrufen, schon jetzt komme jeder dritte Euro der Rentenkasse aus dem Bundeshaushalt, so vergessen sie geflissentlich, dass es die Politik war, die der eigentlich sicheren Rentenkasse (Blüm) die Rentnerlast der ehemaligen DDR aufgebürdet hat, weil man in der Eile keine andere Lösung fand. Es wird immer ein Rätsel bleiben, warum die Kohlregierung das Lippenbekenntnis zur Wiedervereinigung so sträflich vernachlässigt hat, dass sie keine realisierbaren Pläne für die Zusammenführung in der Schublade hatte. Es gab dafür ja sogar ein Ministerium. Trotzdem ist alles, was falsch laufen kann, falsch gelaufen.

Auch die Veränderung der Bevölkerungsstruktur – immer mehr alte Menschen, zu wenig junge – war seit langem bekannt, wurde aber von der Politik ignoriert. Dazu kann man nur den Statistiker Gerd Bosbach zitieren: „Die Bevölkerung wird mit Zahlen verwirrt. Ihr wird eine kommende Katastrophe vorgegaukelt, um sie für Sozialkürzungen empfänglich zu machen.“ Schließlich zeige ein Blick in die Vergangenheit, dass die Alterung der Gesellschaft viel stärker als heute war. Von 1900 bis zum Jahr 2000 sei die Lebenserwartung um über 30 Jahre gestiegen. Jetzt würden sechs weitere Jahre bis 2050 erwartet.

Außerdem sagte er: „Wer beklagt, dass die Arbeitenden immer mehr Alte ernähren müssen, der übersieht, dass die Arbeitenden auch die Kinder und Jugendlichen mitfinanzieren müssen - das ist nicht nur Geld für Essen, Kleidung, Wohnung, sondern auch für Universitäten, Kindergärten, Schulen, Gesundheit und so weiter. Und die Jungen werden weniger. Berechnet man das mit ein, so sieht die Lage schon viel weniger dramatisch aus. Der zweite Grund ist die steigende Produktivität. Es geht bei der Finanzierung von Rentnern doch nicht um deren absolute Anzahl, sondern um die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Arbeitenden. Selbst bei einer geringen Steigerung der Beschäftigten-Produktivität um 1,2 Prozent pro Jahr, kann jeder in 50 Jahren 80 Prozent mehr produzieren. Damit könnten wir alle volkswirtschaftlich betrachtet auch in einer alternden Gesellschaft leben wie Gott in Frankreich.“ Das Loch in der Rentenkasse habe mit Demografie nichts zu tun, sondern mit der Beitragsentwicklung - also mit der Entwicklung der Lohnsumme.
Horst

Mark
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Rentenrechnung

Beitrag von Mark » Mittwoch 14. Mai 2008, 17:08

Clemens schreibt: „… durch Wahlkampfgetöse aufgeblähter virtueller Topf, der - wegen knapp 11 Euro im Monat ! – die beiden nächsten Generationen um Milliarden (Fachleute sprechen von 10 -15 Mrd ) betrügen würde.“

Die außerplanmäßige Rentenerhöhung kostet dieses Jahr ca. 1 Mrd. € der Rentenkasse und 72 Mio dem Staatshaushalt. Selbst wenn es nächstes doppelt so viel sein sollte, würde mich interessieren, auf welche Weise, bzw. mit welcher Rechnung man auf 10-15 Mrd kommt.

Friedel

Clemens

Re: Rentenrechnung

Beitrag von Clemens » Mittwoch 14. Mai 2008, 22:19

Mark hat geschrieben:Clemens schreibt: „… durch Wahlkampfgetöse aufgeblähter virtueller Topf, der - wegen knapp 11 Euro im Monat ! – die beiden nächsten Generationen um Milliarden (Fachleute sprechen von 10 -15 Mrd ) betrügen würde.“

Die außerplanmäßige Rentenerhöhung kostet dieses Jahr ca. 1 Mrd. € der Rentenkasse und 72 Mio dem Staatshaushalt. Selbst wenn es nächstes doppelt so viel sein sollte, würde mich interessieren, auf welche Weise, bzw. mit welcher Rechnung man auf 10-15 Mrd kommt.

Friedel
"Die für die Rentenanhebung bis 2011 veranschlagten Kosten von etwa 9,5 Milliarden Euro dürften angesichts der steigenden finanziellen Reserven der Rentenkassen ohne weitere Belastungen der Beitragszahler verkraftet werden können, erklärte Engelen-Kefer, die Mitglied des SPD-Parteivorstandes ist."
(Quelle: manager-magazin.de mit Material von dpa)

und z.B.
"die zusätzlichen Rentenleistungen.. kosten die Rentenkassen bis zum Jahre 2013 ca. 11 Mrd. Euro und müssen im Wesentlichen durch die Beitragszahler finanziert werden." (Quelle: vbw- Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft).


und z.B.
"... die versprochene Rentenerhöhung soll die Rentenkasse in den nächsten fünf Jahren 12 Milliarden Euro kosten, so die Rechnung der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA)."

und z.B.
"BDA-Präsident Dieter Hundt beklagte sich, die Rentenerhöhung bedeute eine Mehrbelastung von mehr als zehn Milliarden Euro. Alexander Gunkel, Mitglied der Hauptgeschäftsführung des BDA und Vorstandsvorsitzender der Deutschen Rentenversicherung Bund, sprach sogar von zwölf Milliarden Euro. "Die außerplanmäßigen Rentenerhöhungen 2008 und 2009 kosten die Rentenkassen in den nächsten fünf Jahren rund 12 Milliarden Euro zusätzlich", verkündete er Ende März 2008 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung."

Erna
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Beitrag von Erna » Donnerstag 15. Mai 2008, 11:37

Kann man die Rentendiskussion nicht zu den Projekten an den Anfang des Forums stellen?
Erna

Horst Glameyer
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Zur Rentendiskussion

Beitrag von Horst Glameyer » Montag 19. Mai 2008, 12:04

Mit der gesetzlichen Renten- und Krankenversicherung ist nicht nur die finanzielle bzw. medizinische Leistung verbunden, sondern auch das Vertrauen der Versicherten in den Staat, der aufgrund von Gesetzen die Beitragshöhe und Versicherungsleistungen festlegt und außerdem bestimmt, wer sich gesetzlich versichern lassen muss. Als der frühere Bundesarbeitsminister Norbert Blüm vor Jahren fast beschwörend wieder und wieder erklärte: „Die Renten sind sicher!“, hätte das hellhörig machen sollen. Inzwischen ist bekannt, dass in Zukunft die gesetzlichen, umlagegedeckten Versicherungen die ursprünglich zu erwartenden Leistungen aus vielfältigen Gründen nicht mehr in voller Höhe erbringen werden. Ob diese Gründe zutreffen, die von den Versicherungsfachleuten genannt werden, können die meisten Versicherten kaum nachprüfen und müssen sie deshalb glauben. Nun sollen sie sich für ihre Altersvorsorge privat mit der Riester-Rente versichern. - Arbeitslose und Geringverdienende können ohnehin nicht die Beiträge für eine kapitalgedeckte Privatversicherung aufbringen. Ihnen nützt auch der staatlich gewährte Zuschuss nichts. - Wenn schon die gesetzlichen Versicherungen nicht mehr halten können, was der Staat einst versprochen hat, nämlich Sicherheit im Alter und kostengünstige medizinische Versorgung, wieviel Vertrauen kann der zusätzlich Privatversicherte da noch den Versicherungsunternehmen entgegenbringen, deren Geschäftsführung er auch nicht durchschaut?

Das Vertrauen der Bevölkerung in den Staat ist ein hohes Gut, das nicht leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden darf. Es ist die Grundlage für unser gemeinschaftliches Zusammenleben. Als kürzlich die hohen Verluste vieler, auch staatlicher Banken durch die nicht rückzahlbaren amerikanischen Immobilienkredite bekannt wurden, versuchte der Staat sehr rasch mit Steuermitteln das Vertrauen in die Banken zu sichern. Das Vertrauen, das staatliche und viele angesehene private Institutionen genießen, ist mehr wert als einige Milliardenbeträge. Wie mit den gesetzlichen Versicherungen in den vergangenen Jahren umgegangen und über sie in den Medien diskutiert wurde, hat das Vertrauen in den Staat nicht gestärkt. Die wachsende Politikverdrossenheit darf nicht in Staatsverdrossenheit umschlagen. Vielleicht sollten sich manche Politiker bei ihren Äußerungen in den Medien hin und wieder bewußt bleiben, dass sie ihren Wahlsieg bei einer Wahlbeteiligung von etwas über 50 oder 60 Prozent oft nur wenig mehr als einem Viertel aller Wahlberechtigten verdanken.
Horst G.

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Diskussionsstrang verschoben

Beitrag von Admin » Montag 19. Mai 2008, 23:15

Ich habe den Diskussionsstrang nun in den hoffentlich richtigen Themenstrang verschoben. Ich denke, ich habe Horst richtig verstanden?
Ellen

Roli Huber

Nachdenkseiten im Internet

Beitrag von Roli Huber » Montag 2. Juni 2008, 21:30

Gut zum Nachdenken und zum Härtetest für die Mainstream-Meinungen der Parteien und der Medien

Homepage: www.nachdenkseiten.de/

von den zwei verdienten Senioren Albrecht Müller und
Wolfgang Lieb.

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