"Seminar in Barendorf "Lebendige Demokratie"

Dieses Forum eröffnet Teilnehmer/-innen des Seminars "Lebendige Demokratie" (Barendorf 29.5.-1.6.2007) Möglichkeiten für Fragestellungen und Stellungnahmen.
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Carmen Stadelhofer
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"Seminar in Barendorf "Lebendige Demokratie"

Beitragvon Carmen Stadelhofer » Montag 7. Mai 2007, 23:53

Vom 29. Mai bis 1. Juni 2007 findet in Zusammenarbeit von ViLE e.V. und dem ZAWiW der Universität Ulm im Bildungs- und Tagungszentrum Ostheide bei Lüneburg ein Seminar zum Thema "Lebendige Demokratie" statt. Unter der Leitung von Frau Bouwer (Tagungsstätte Ostheide), Herrn Dr. Bambach (Politologe, Philosoph und Wirtschaftswissenschaftler) und Thu Phong Vuong: ( Chinaexperte, Trainer für interkulturelle Kommunikation und Persönlichkeitsentwicklung) findet eine interessante Auseinandersetzung statt zu Fragen wie: was ist Demokratie, welche unterschiedlichen Formen kann Demokratie haben, wie kommt sie in unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen vor, in wie weit kann Demokratie auch als Lebensform verstanden werden? Was heißt Demokratie in einer zunehmend globalisierten Welt?

Die Teilnehmenden und alle sonst an dieser Fragestellung Interessierten sind eingeladen, im Vorfeld des Seminars hier ihre Fragestellungen, Anmerkungen und Überlegungen einzubringen
Carmen

Clemens

Beitragvon Clemens » Mittwoch 9. Mai 2007, 17:59

Mit Demokratie beschäftigen wir uns eigentlich nicht, wir haben sie!??

Was haben wir denn eigentlich? Was sind die wesentlichen Merkmale "der Demokratie"? Wie sähe eine Alternative aus? Gäbe es sie?

Gibt es einen Zusammenhang zwischen Politikverdrossenheit und Demokratie? Haben wir eine Parteinendemokratie? Fehlen uns die Bürgerbeteiligungen? Ist die repräsentative Demokratie nicht schlechter als die "direkte Demokratie"?

Ist die mangelhafte Wahlbeteiligung (Kommunen, Land, Bund, vor allen Dingen Europa) Ausdruck demokratischen Verhaltens?

Wie können wir jungen menschen am ehesten die "Vorzüge" der Demokratie deutlich machen?
(....die interessieren sich doch eh nicht für 1848........ oder doch?)


Ein kleiner Strauß an Fragen um unser Thema?

Gruß
Clemens

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Carmen Stadelhofer
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Beitragvon Carmen Stadelhofer » Mittwoch 9. Mai 2007, 18:07

Lieber Clemens, du sagst so selbstverständlich "wir"- wen meinst du damit, wir Deutsche, wir Europäer/innen?
Woran machst du "Demokratie" fest- in der Schweiz läuft viel über Bürger/innenbeteiligung, bei uns ist ein Volksentscheid nur bei Überwindung vieler Hürden möglich. Eltern sind bei der Auswahl der Lehrer/innen für die Schule ihrer Kinder nicht beteiligt, in der Schweiz ja... also ein weites und zu definierendes Feld
Gruß, Carmen

Clemens

Beitragvon Clemens » Freitag 11. Mai 2007, 08:03

Liebe Carmen,
Du hast Recht! "Wir" ist immer zu allgemein.
Ich "unterstelle", dass sich die Mehrheit der Deutschen heute damit nicht beschäftigt.
Bürgerbeteiligung halte ich grundsätzlich für wichtig, ich glaube allerdings, dass man (wir) sich die repräsentative Demokratie mal näher anschauen sollte. Vor- und Nachteile unserer Staatsform gegenüber "direkter" Demokratie könnte man gegeneinander abwägen.
Ergebnis offen!
Gruß
Clemens

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Carmen Stadelhofer
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Beitragvon Carmen Stadelhofer » Freitag 11. Mai 2007, 08:31

Unser Seminar heißt "Lebendige Demokratie", d.h. für mich, wie Demokratie mehr erfahrbar und gelebt werden kann im alltäglichen Lebensbereich, wie Bürger/innen Demokratie nicht nur als selbstverständliche Rechtsform, sondern auch als ihr ureigenes Anliegen begreifen und mitwirken.
"Lebendige Demokratie" beinhaltet für mich auf politischer Ebene z.B. die Reform des Staatsbürgerschaftsrechts, des Zuwanderungsgesetzes, die Einführung von Volksbegehren, Volksinitiative und Volksentscheid . auf der Bürgerebene, wo Demokratie vor allem im kommunalen Leben unmitttelbar erfahrbar wird, das Spektrum der Mitgestaltungs-und Mitwirkungsmöglichkeiten sowie der Mitverantwortung

Erna
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Beitragvon Erna » Sonntag 13. Mai 2007, 19:29

Deutschland kann nicht mit der Schweiz verglichen werden. Was im Kleinen oft gut, nützlich und durchführbar ist, ist im Großen nicht mehr möglich, weil es viel zu schwerfällig wäre. Die Frage ist also, wie ist es möglich so viel Demokratie wie nötig zu erreichen. Ich glaube, dass es nicht nur einen Weg gibt, sondern jedes Land sollte dies mit den für sich passenden Mitteln tun.
Stellt Euch einmal vor, wir müssten jeden Monat einmal oder noch öfter zu einer Abstimmung gehen.
Erna

Eberhard
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Beitragvon Eberhard » Sonntag 13. Mai 2007, 23:18

Bei dem Begriff „Lebendige Demokratie“ stellt sich mir die Frage, wie stark partizipiert die Bevölkerung in einer Demokratie über die Wahlbeteiligung hinaus an der Politik? Wobei ich unter politischer Partizipation verstehe, durch freiwillige Handlungen von Bürgern Entscheidungen auf verschiedenen Ebenen unserer politischen Systeme zu beeinflussen.

Clemens spricht hier bereits die richtigen Fragen an:
Warum die geringen Wahlbeteiligungen (Ursachen, Mobilisierungsprozesse etc.)?
Wie verhalten sich die Menschen generell in der Demokratie (legale und illegale Proteste, ziviler Ungehorsam etc.)?
Warum gibt es politische Gewalt in den Demokratien (religiöse, ethnische, soziale Probleme etc.).
Was können wir tun, um von der Politikverdrossenheit in den Kommunen, Ländern und im Bund wieder weg zu einer lebendigeren Demokratie zu kommen? Hier wäre es von Vorteil, die unterschiedlichen Demokratien zu vergleichen (z.B. Deutschland, Großbritannien, Frankreich, USA, Schweiz etc.).
In der Schweiz sind m.E. die parteienstaatlichen Strukturen konsensorientiert und nicht wie bei uns wettbewerbsorientiert. Ist der Bürger in der Lage bzw. hat er die notwendigen Informationen und das Fachwissen für einen Bürgerentscheid? Besteht hier nicht auch die Gefahr der Polemisierung? Grundsätzlich kann ich mich der Argumentation von Erna anschließen.

Erna
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Beitragvon Erna » Donnerstag 17. Mai 2007, 12:03

Ich wäre dafür, dass das Wählen zur Pflicht gemacht wird. Alle beklagen wir uns über das, was bei uns passiert, aber nur knapp die Hälfte der Menschen geht wählen. Wenn die Nicht-Wähler wenigstens auf andere Art ihrer Meinung Ausdruck geben wollten, wäre es ja gut, aber auch das geschieht nicht.
Außerdem sollte man auch berücksichtigen, dass wenn eine Regierung nicht aus einer Partei besteht, sie nie ihr Programm durchsetzen kann. Man sollte also auch jeden Disput nicht gleich als Gezänk usw. ansehen. Man muss doch einen Konsens finden, wie soll es sonst geschehen? Und man sollte m. Ansicht nach nicht gleich nach einem Gesetz schreien. Aber anscheinend geht bei uns nichts ohne dem.
Erna

Hanna
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Lebendige Demokratie

Beitragvon Hanna » Freitag 18. Mai 2007, 11:10

Liebe Erna,

manchmal wünsche ich mir auch, dass Wahlberechtigung auch Wahlpflicht sein sollte. Aber wie wäre das mit der Freiheit zu wählen zu vereinbaren. Und pragmatisch gedacht, was würde mit den Menschen passieren, die sich in keinem Wahlprogramm wiederfinden und deshalb auch nicht zur Wahl gehen. Manchmal fällt es auch mir schwer zu wählen. Zu viel Enttäuschung nach den Wahlversprechen. Trotzdem Wahlpflicht erscheint mir unmöglich.
Auch aus Steinen, die im Wege liegen, kann frau Brücken bauen.

Roli Huber

Wie wir Demokratie wahnehmen?

Beitragvon Roli Huber » Samstag 19. Mai 2007, 10:41

Liebe Carmen, liebe Erna, liebe Hanna, lieber Clemens, lieber Eberhard,
eben habe ich Eure Beiträge gelesen.
Mehr als eine der Aussagen haben mir "staatsbürgerliche Gänsehaut" verursacht. Anbei seien zwei Verfassungstexte Eurer Aufmerksamkeit empfohlen. Ich hoffe, dass wir in Barendrof bei einem Glas Rotwein unsere unterschiedlichen Wahrnehmungen von Demokratie gut austauschen können.
mit herzlichen Grüssen
Roli

Landesverfassung von Baden-Württemberg

Artikel 59
(1) Gesetzesvorlagen werden von der Regierung, von Abgeordneten oder vom Volk durch Volksbegehren eingebracht.
(2) Dem Volksbegehren muss ein ausgearbeiteter und mit Gründen versehener Gesetzentwurf zugrunde liegen. Das Volksbegehren ist zustande gekommen, wenn es von mindestens einem Sechstel der Wahlberechtigten gestellt wird. Das Volksbegehren ist von der Regierung mit ihrer Stellungnahme unverzüglich dem Landtag zu unterbreiten.
(3) Die Gesetze werden vom Landtag oder durch Volksabstimmung beschlossen.


Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland

Artikel 20
1) Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat.
2) Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Sie wird vom Volke in Wahlen und Abstimmungen und durch besondere Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtssprechung ausgeübt.



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Anmerkung: In der Bundesrepublik wurde das Recht auf Abstimmungen auf Bundesebene noch nicht verwirklicht.
In Baden-Württemberg sind die Hürden auf Gemeinde- und Landesebene so hoch, dass der Verfassungsauftrag für Volksbegehren fast nicht praktikabel ist. Das Land Bayern ist diesbezüglich ein positives Gegenbeispiel.

Erna
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Beitragvon Erna » Sonntag 20. Mai 2007, 20:29

Liebe Hanna,
es gibt auch eine Schulpflicht und Meldepflicht und sicher noch andere Pflichten. Warum soll es nicht eine Wahlpflicht geben? Dies bedeutet doch aktive Meinungsäußerung und Teilnahme an den Möglichkeiten unseren Willen zu äußern. Es wird nie so sein, dass es eine Partei gibt, die genau meine Erwartungen erfüllt, es kann immer nur das kleinste Übel sein.
So denke ich.
Erna